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Schiller, Friedrich (von)

Schillerdenkmal in Ffm.

Das Schillerdenkmal im Anlagenring in Ffm.
Bronze von Johannes Dielmann (1864).
Foto: Wolfgang Faust.

© Wolfgang Faust, Ffm.
Schiller, Johann Christoph Friedrich (seit 1802: von). Prof. Dichter. * 10.11.1759 Marbach/Neckar, † 9.5.1805 Weimar.
Sch. war dreimal (1782, 1783 und 1784) in Ffm. zu Gast.
Auf seiner Flucht aus Württemberg kam Sch. in Begleitung des Musikers Andreas Streicher (vgl. dessen Bericht „Sch.s Flucht von Stuttgart”, 1836) Anfang Oktober 1782 erstmals nach Ffm. Die beiden Freunde hatten die Reise von Darmstadt aus zu Fuß angetreten, mussten wegen Sch.s völliger Erschöpfung im Stadtwald bei Neu-Isenburg rasten und zogen gegen Abend weiter nach Sachsenhausen. Dort nahmen sie am 5.10.1782 ihr Quartier im Gasthaus „Zum Storch” an der Ecke Brücken-/Dreikönigsstraße (und nicht, wie es die mündliche Tradition wollte, im Gasthaus „Zu den drei Rindern”). Da sie, so Sch., „leer in Börse und Hoffnung” waren, schrieb der Dichter gleich am folgenden Tag (6.10.1782) einen Brief an den Mannheimer Intendanten Wolfgang Heribert von Dalberg mit der Bitte um einen Vorschuss auf sein neues Stück, den „Fiesco”. Sch. selbst machte sich auf den Weg über die Mainbrücke, um den Brief zur Post zu bringen, und er zeigte sich beeindruckt von der Stadt. Obwohl er eigentlich inkognito unter „Dr. Ritter” logierte, fragten er und Streicher in den Buchhandlungen nach den „Räubern”. In fünf Buchläden bekamen sie zu hören, dass das Stück vergriffen sei und fortwährend verlangt werde. Daraufhin vergaß der junge Dichter alle Vorsicht und gab sich stolz zu erkennen. Vor allem aber war Sch. im Gasthaus mit der Arbeit an seinem nächsten Stück, „Louise Millerin”, beschäftigt. Die Geldsorgen wurden immer drückender. Als aus Mannheim die Ablehnung des „Fiesco” in der vorliegenden Fassung eintraf, entschloss sich Sch., sein Gedicht „Teufel Amor” einem Ffter Buchhändler zum Kauf anzubieten. Als dieser ihm aber nur 18 statt der geforderten 25 Gulden bezahlen wollte, steckte der gekränkte Autor das Werk wieder ein; heute gilt es als verloren. Erst nachdem Streicher 30 Gulden von seiner Mutter erhalten hatte, konnten die Freunde am 11.10.1782 weiterziehen, zunächst auf Empfehlung des Mannheimer Regisseurs Christian Dietrich Meyer nach Oggersheim, wo sich Sch. aber nicht sicher genug fühlte. Auf Gut Bauerbach bei Meiningen schließlich wartete der Dichter auf die Vergebung seines Landesherrn und vollendete hier das in Sachsenhausen begonnene Stück „Louise Millerin”. Auf seiner Rückkehr von Bauerbach nach Mannheim übernachtete der endlich Amnestierte am 26./27.7.1783 wieder in Ffm.
Im April/Mai 1784 dann kam Sch. schon als gefeierter Dichter in die Stadt. Er stieg im Gasthaus „Zum schwarzen Bock” am Paradeplatz (dem späteren Sch.platz) ab und wurde von einem Haus ins andere geladen oder, wie er selbst es drastisch ausdrückte, „von Fresserei zu Fresserei herumgerissen“. In Ffm. waren inzwischen „Die Räuber” (unter Böhm, 19.11.1782) und der „Fiesco” (unter Großmann, 8.10.1783) aufgeführt und begeistert aufgenommen worden; außerdem hatte der Prinzipal Großmann mit seiner Truppe am 13.4.1784, kurz vor Sch.s Fft.-Besuch, im Ffter Komödienhaus „Kabale und Liebe” (wie „Louise Millerin” auf Vorschlag Ifflands jetzt hieß) uraufgeführt. Sch. hatte nicht zur Uraufführung nach Ffm. kommen können, da er an den Proben für die Mannheimer Inszenierung am 15.4.1784 teilnahm. In Anwesenheit des Autors gab Großmann daher am 2.5.1784 die zweite Vorstellung von „Kabale und Liebe” in Ffm., in der Sophie Albrecht die Louise Miller und Iffland die (in der Uraufführung wie der Mannheimer Inszenierung aus Zensurangst gestrichene) Rolle des Kammerdieners spielten.
Im Oktober 1789 sollte Sch., inzwischen Professor für Geschichte in Jena, als Lehrer der „philosophischen und schönen Wissenschaften” für ein in Ffm. projektiertes „Lyceum oder Musäum” gewonnen werden. Er lehnte die Berufung ab, weil er „keinen Glauben an Fft.” als den geeigneten Ort für eine solche wissenschaftliche Anstalt habe. Überhaupt urteilte Sch., den zwar Freundschaften mit den Fftern Goethe, dessen Mutter, Johann Karl von Fichard und Fritz Schlosser verbanden, wenig vorteilhaft über die Stadt. Sein Gedicht „Die Teilung der Erde” mit der Zeile „Und es herrscht der Erde Gott, das Geld.” übersandte er 1795 an Goethe mit den Worten: „Die Theilung der Erde hätten Sie billig in Fft. auf der Zeile vom Fenster aus lesen sollen, wo eigentlich das Terrain dazu ist.”
Die Trauerfeier (9.6.1805) des Ffter Theaters zu Sch.s Tod kommentierte Goethe bissig: „Die Herren Ffter, die sonst nichts als das Geld zu schätzen wissen, hätten besser gethan, ihren Antheil realiter auszudrucken, da sie, unter uns gesagt, dem Lebenden Trefflichen, der es sich sauer genug werden ließ, niemals ein Manuskript honoriert haben, sondern immer warteten, bis sie das gedruckte Stück für 12 gr. [d. i. Groschen] haben konnten.” Immerhin wurde die von dem Ffter Großherzog Carl Theodor von Dalberg, einem Bruder des Mannheimer Theaterintendanten, gewährte Jahrespension in Höhe von 600 Gulden an Sch.s Witwe Charlotte, geb. von Lengefeld (1766-1826), seit 1814 durch die Stadt Ffm. weiterbezahlt.
Den Höhepunkt der Sch.begeisterung des 19. Jahrhunderts bildeten auch in Ffm. die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Dichters 1859. Das von Johannes Classen und Theodor Creizenach organisierte, aufwendig gestaltete nationale Volksfest, zu dem Friedrich Stoltze eine Sondernummer seiner „Ffter Krebbel-Zeitung” erschienen ließ, besuchten neben den Ffter Bürgern über 40.000 auswärtige Gäste. Die Gärtnerinnung pflanzte damals vor dem Friedberger Tor eine Sch.eiche (später mit einem Votivstein versehen, 1878), die städtische Münze prägte einen Sch.taler, und schließlich wurde auf dem Römerberg das Gipsmodell des Sch.denkmals von Dielmann enthüllt. Am Rande der Feierlichkeiten vom 10.11.1859 wurde das Freie Deutsche Hochstift in Ffm. gegründet, das das geistige Erbe der deutschen Klassik pflegen sollte. Es besitzt heute eine bedeutende Sammlung von „Schilleriana“, die es zuletzt zu Sch.s 200. Todestag 2005 in einer Ausstellung präsentierte. Zur Gemäldesammlung des Ffter Goethe-Museums gehören zwei bedeutende Ölporträts Sch.s (von Johann Friedrich August Tischbein, 1805, und Gerhard von Kügelgen, 1809). Seit 1859 gab es auch einen Zweig der Deutschen Sch.-Stiftung in Ffm.
Sch.ruhe an der Kesselbruchschneise im Ffter Stadtwald zum Andenken an Sch.s Rast auf der Flucht von Mannheim (eingeweiht am 3.6.1860). Sch.straße (benannt 1878), früher auf den Sch.platz mündend, in der Innenstadt. Seit 1908 Sch.schule, ein Gymnasium, in Sachsenhausen.
Sch.denkmal (von Johannes Dielmann; Erzguss enthüllt am 9.5.1864), zunächst an der Hauptwache auf dem seitdem Sch.platz benannten Platz (früher Paradeplatz, heute Treppenabgang zur B-Ebene auf dem Platz „An der Hauptwache”), seit 1955 in der Taunusanlage.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 281f., verfasst von: Sabine Hock (redigierte Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon).

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Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/pnd/118607626Hess. Biografie, 7.10.2014.

GND: 118607626 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schiller, Friedrich (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1055

Stand des Artikels: 20.3.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2014.