Fehlermeldung

  • User warning: The following module is missing from the file system: imagcache_actions. For information about how to fix this, see the documentation page. in _drupal_trigger_error_with_delayed_logging() (line 1128 of /var/www/vhosts/frankfurter-personenlexikon.de/httpdocs/includes/bootstrap.inc).
  • Strict warning: Only variables should be passed by reference in copyprevention_page_build() (Zeile 56 von /var/www/vhosts/frankfurter-personenlexikon.de/httpdocs/sites/all/modules/copyprevention/copyprevention.module).

Hallstein, Walter

Hallstein, Walter Peter. Prof. Dr. jur. Dr. h. c. mult. LL.D. Hochschullehrer. Politiker. * 17.11.1901 Mainz, † 29.3.1982 Stuttgart.
Nach der Schulzeit in Darmstadt und Mainz, abgeschlossen mit dem Abitur 1920, studierte H. Rechtswissenschaft in Bonn, München und Berlin. Seine Promotion („Der Lebensversicherungsvertrag im Versailler Vertrag“, 1926) wurde noch von dem Rechtshistoriker und Zivilrechtler Josef Partsch (1882-1925) betreut. Als Referent im Kaiser-Wilhelm-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht habilitierte sich H. 1929 mit einer Arbeit über italienisches Aktienrecht (unveröff.). 1930 wechselte er als ordentlicher Professor für Privat- und Gesellschaftsrecht nach Rostock. Von dort kam H. 1941 als Ordinarius für Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Arbeits- und Wirtschaftsrecht sowie Direktor des Instituts für Rechtsvergleichung nach Ffm. Obwohl er selbst Mitglied des NS-Dozentenbundes war, hatte seine Berufung gegen den massiven Widerstand dieser nationalsozialistischen Organisation durchgesetzt werden müssen, da er für seine regimekritische Haltung bekannt war.
Nach Kriegsdienst in Nordfrankreich (seit 1942) und Gefangenschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika (seit 1944) im November 1945 nach Ffm. zurückgekehrt, setzte sich H. sofort für die Wiedereröffnung der Ffter Universität ein. Er lehrte seit der Wiederaufnahme des Hochschulbetriebs im Februar 1946 dort als Professor für Privatrecht, Völkerrecht, Rechtsvergleichung und Gesellschaftsrecht; zudem engagierte er sich für den Wiederaufbau des Instituts für Rechtsvergleichung (seit 1952: Institut für ausländisches und internationales Wirtschaftsrecht; ersetzt 2002 durch das „Institute for Law and Finance“). Im April 1946 wurde H. als Nachfolger Hohmanns der erste gewählte Rektor der Ffter Universität in der Nachkriegszeit (bis 1948). Als solcher stellte er die Weichen für deren demokratische Zukunft; auch gründete er die Süddeutsche (seit 1949: Westdeutsche) Rektorenkonferenz und wurde ihr Präsident. In dem Bestreben, die Ffter Universität nach 1945 aus der Isolation zu lösen, bahnte H. 1947 ein erstes Abkommen über den deutsch-amerikanischen Studentenaustausch mit der Universität von Chicago an. 1948 nahm er eine Gastprofessur für ein akademisches Jahr an der Georgetown University in Washington wahr.
Seit seiner Rückkehr nach Deutschland wandelte sich H. zum Politiker. Er wirkte in engem Kontakt mit Konrad Adenauer seit 1950 als erster Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission e. V. und Staatssekretär im Bundeskanzleramt sowie später (1951-58) im Auswärtigen Amt. Die im Kalten Krieg gegen die DDR gerichtete „Hallstein-Doktrin“ (1955) geht auf ihn und den Völkerrechtler Wilhelm G. Grewe zurück. Als Leiter der deutschen Delegation bei den Verhandlungen über den Schuman-Plan gestaltete H. zusammen mit Alcide De Gasperi, Paul-Henri Spaak, Jean Monnet, Robert Schuman und Konrad Adenauer maßgeblich die erste Etappe der europäischen Einigung, die in die Römischen Verträge von 1957 mündete. Von 1958 bis 1967 amtierte er als erster Präsident der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in Brüssel. Wegen seines auf Integration der Nationalstaaten gerichteten Kurses wurde seine Wiederwahl von Frankreich verhindert. Von 1969 bis 1972 gehörte er als Abgeordneter der CDU dem Deutschen Bundestag an.
Auch nach seinem Wechsel in den Staatsdienst blieb H. der Ffter Universität verbunden; damit er als nunmehriger Bundesbeamter ausnahmsweise weiter an der Hochschule lehren konnte, wurde er unter Verzicht auf seinen Lehrstuhl 1954 zum „Ehrenbeamten“ des Landes Hessen und zum Persönlichen Ordinarius für Bürgerliches Recht an der Ffter Universität ernannt.
Die Rektoratsrede „Die Wiederherstellung des Privatrechts“, gehalten 1946 in Ffm., setzte Akzente für die Neuorientierung des Privatrechts nach 1945 an der Freiheit des Individuums.
Seine politischen Erfahrungen hat H. 1969 unter dem Titel „Der unvollendete Bundesstaat. Europäische Erfahrungen und Erkenntnisse“ zusammengefasst.
H. erhielt zahlreiche hohe Orden und Auszeichnungen, u. a. das Großkreuz des Bundesverdienstordens (1961), den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen (1961) und den Robert-Schuman-Preis (1969).
Seit 2001 gibt es alljährlich ein Walter-H.-Kolloquium der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Ffm. In diesem Rahmen wurde von 2002 bis 2008 der Walter-H.-Preis von der Stadt Ffm., der Universität und der Dresdner Bank AG an herausragende Vertreter des Europa-Gedankens verliehen.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock/Michael Stolleis.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 299f., verfasst von: Sabine Hock.

Literatur:
                        
Böhme, Günther (Hg.): Die Ffter Gelehrtenrepublik. Neue Folge. Idstein 2002.Friedrich Kübler in: Böhme (Hg.): Gelehrtenrepublik NF 2002, S. 87-92. | Conze, Eckart/Frei, Norbert/Hayes, Peter/Zimmermann, Moshe: Das Amt und die Vergangenheit. Die deutschen Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. München 2010.Conze u. a.: Das Amt 2010. | Diestelkamp, Bernhard/Stolleis, Michael (Hg.): Juristen an der Universität Ffm. Baden-Baden 1989.Friedrich Kübler in: Diestelkamp/Stolleis (Hg.): Juristen 1989, S. 268-281. | Forschung Fft. Das Wissenschaftsmagazin. Hg. v. Präsidenten der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Ffm. 1983-heute.Hammerstein, Notker: Walter Hallstein. Mitbegründer und Verfechter einer demokratischen Universitätslandschaft in der Bundesrepublik. In: Forschung Fft. 4/2001, S. 65-67. | Forschung Fft. Das Wissenschaftsmagazin. Hg. v. Präsidenten der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Ffm. 1983-heute.Kübler, Friedrich: Europäische Integration aus dem Geist des Privatrechts. Würdigung des vor einhundert Jahren geborenen Rechtsgelehrten und Politikers Walter Hallstein. In: Forschung Fft. 4/2001, S. 68-71. | Hallstein, Walter: Europäische Reden. Hg. v. Thomas Oppermann unter Mitarb. v. Joachim Kohler. Stuttgart 1979. Hallstein: Europäische Reden 1979. | Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart (JöR). 25 Jahrgänge, seit 1951 Neue Folge mit bisher 62 Jahrgängen. Tübingen 1907-1938/39, NF 1951-2014.Kilian, Michael: Walter Hallstein: Jurist und Europäer. In: Jb. d. öff. Rechts d. Gegenwart NF 53 (2005), S. 369-389. | Loth, Wilfried (Hg.): Walter Hallstein – der vergessene Europäer? Mit Vorw. v. Helmut Kohl u. Jacques Delors. Bonn 1995. (Europäische Schriften des Instituts für Europäische Politik 73).Loth (Hg.): Walter Hallstein – der vergessene Europäer? 1995. | Piela, Ingrid: Walter Hallstein – Jurist und gestaltender Europapolitiker der ersten Stunde. Politische und institutionelle Visionen des ersten Präsidenten der EWG-Kommission (1958-1967). Berlin 2012. (Veröffentlichungen des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften 11).Piela: Walter Hallstein 2012. | Wolbring, Barbara: Trümmerfeld der bürgerlichen Welt. Universität in den gesellschaftlichen Reformdiskursen der westlichen Besatzungszonen (1945-1949). Göttingen u. a. 2014. (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 87).Wolbring: Trümmerfeld d. bürgerl. Welt 2014. | Zuleeg, Manfred (Hg.): Der Beitrag Walter Hallsteins zur Zukunft Europas. Referate zu Ehren von Walter Hallstein. Baden-Baden 2003. (Schriftenreihe Europäisches Verfassungsrecht, Bd. 12).Pernice, Ingolf: Walter Hallstein – Erbe und Verpflichtung. Festrede (...) am 16. November 2011 im Kaisersaal (...). In: Zuleeg (Hg.): Der Beitrag Walter Hallsteins zur Zukunft Europas 2003, S. 110-117.
Quellen: Bundesarchiv Koblenz.Nachlass: Bundesarchiv Koblenz, Bestand N 1266; dazu publ. Repertorium (bearb. v. Brigitta Schenke, 1998). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.071. | Johann Wolfgang Goethe-Universität, Universitätsarchiv, Ffm.Universitätsarchiv Ffm., Dekanats- und Rektoratsakten.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/2618Hess. Biografie, 18.6.2015. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_HallsteinWikipedia, 31.5.2015.

GND: 118701150 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
Einträge zu dieser Person in anderen Datenbanken ansehen

Die hier genannten Verweise wurden mit Hilfe des frei verfügbaren Datendienstes http://beacon.findbuch.de (Thomas Berger) erstellt.


© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine/Stolleis, Michael: Hallstein, Walter. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2485

Stand des Artikels: 24.6.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2015.