Fehlermeldung

User warning: The following module is missing from the file system: imagcache_actions. For information about how to fix this, see the documentation page. in _drupal_trigger_error_with_delayed_logging() (line 1128 of /var/www/vhosts/frankfurter-personenlexikon.de/httpdocs/includes/bootstrap.inc).

Hauck, Bankiersfamilie

Am 1.1.1796 trat der aus Essingen/Pfalz stammende Kaufmann Friedrich Michael H. (1769-1839), der zuvor in einem bedeutenden Seidenhaus in Lyon tätig gewesen war (1791-95), in ein seit 1753 in Ffm. bestehendes Wechsel-, Kommissions- und Speditionsgeschäft ein, das fortan unter „Gebhard & Hauck“ firmierte. Das Unternehmen handelte weiterhin mit verschiedenen Waren (Seide, Farbstoffe, Wein u. a.), stieg daneben verstärkt in das Bankgeschäft ein und legte bereits 1800 eine Anleihe von 100.000 Gulden des Oberrheinischen Kreises auf. Friedrich Michael H. gehörte der Ständigen Bürgerrepräsentation (1815-25) und der Gesetzgebenden Versammlung (1817-19) der Stadt Ffm. an, und von 1821 bis 1829 stand er als Senior an der Spitze der Handelskammer, um deren handelspolitisches Engagement er sich besonders verdient machte.
Seine Söhne Georg Heinrich Adolph (1812-1884) und Ferdinand Wilhelm Gerhard H. (1813-1888) führten das Geschäft zunächst gemeinsam fort, trennten sich jedoch 1861 und begründeten jeder eine eigene Bank: „Georg Hauck & Sohn“ und „Ferdinand Hauck“ (letztere liquidiert um 1925/26). Insbesondere das Bankhaus Georg Hauck & Sohn war an der Gründung und Entwicklung wichtiger Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet beteiligt, so der (bereits seit 1854 bestehenden) Ffter Bank, der Farbwerke Hoechst und der Metallgesellschaft. Nach dem Tod des Bankiers Otto H., der mütterlicherseits aus der jüdischen Familie Reiß stammte, wurde unter dessen Sohn und Nachfolger Alexander Maximilian Moritz H. (1893-1946) der Fortbestand des Bankunternehmens in der NS-Zeit gesichert durch die Übernahme des Mehrheitsbesitzes an dem 1804 gegründeten Bankgeschäft J. Ph. Keßler und den Eintritt von dessen bisherigem Eigentümer Adolf Melber als Geschäftsführer bei Georg Hauck & Sohn (1939).
Bald nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen August Oswalt, Anne Marie H., geb. Oswalt (1897-1993), und Michael H. (* 1927), seit dem Tod von Alexander H. 1946 persönlich haftende Gesellschafter, die Leitung und den Wiederaufbau des Bankgeschäfts. Die Privatbank firmierte seit 1950 als Kommanditgesellschaft (KG), seit 1980 als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Ende 1993 schied Michael H., Sohn von Alexander und Anne Marie H., als letzter Vertreter der Familie aus der Leitung des Bankhauses aus. Zum 1.1.1998 fusionierte Georg Hauck & Sohn mit dem Münchener Bankhaus H. Aufhäuser zur „Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA“ mit Sitz in Ffm. (Kaiserstraße 24). 2016 wurde Hauck & Aufhäuser von der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun International aus Schanghai (und damit erstmals eine deutsche Bank von einem Mehrheitseigentümer aus China) übernommen.
Historisches Archiv Hauck & Aufhäuser in Ffm.

GND: 14052231X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
Einträge zu dieser Familie in anderen Datenbanken ansehen


Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 306, verfasst von: Sabine Hock (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).

Lexika: Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index. Hg. im Auftrag d. Hessischen Landtags. Mitarbeit: Andrea Mitteldorf und Roland Schmidt. Marburg 1996. [Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48,7; Politische und Parlamentarische Geschichte des Landes Hessen (vormals Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen) 14].Lengemann: MdL, S. 169. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Franz Lerner in: NDB 8 (1969), S. 77f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 228f.
Literatur:
                        
Achterberg, Erich: Ffter Bankherren. Ffm. 1956, 2. Aufl. 1971.Achterberg: Ffter Bankherren 1956, 2. Aufl. 1971, S. 73-91. | Majer-Leonhard, Hans (Hg.): Altffter Firmen-Handbuch. Im Auftrag der Genealogischen Gesellschaft zu Ffm. hg. (...). Ffm. 1925, Nachtrag 1927.Altffter Firmen-Handbuch 1925, S. 85. | Dietz, Alexander: Ffter Handelsgeschichte. 4 Bde. Ffm. 1910-25, Neudr. 1970-74.Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 691f. | Geschichte der Handelskammer zu Ffm. 1707-1908. Beiträge zur Ffter Handelsgeschichte. Ffm. 1908.Gesch. d. Handelskammer 1908, S. 1058f. | Unabhängig – persönlich – unternehmerisch. Eine Chronik von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers seit 1796. Hg.: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Text u. Red.: Felix Höpfner. Ffm. [2011].Höpfner: Chronik von Hauck & Aufhäuser 2011. | Mohr, Verita: Spurenlese. Georg Hauck & Sohn 1796-1996. Von der Verflechtung einer Bank, ihrer Partner und einer Familie mit der Stadt Ffm. Ffm. 1996.Mohr: Georg Hauck & Sohn 1996. | Wörner, Birgit: Ffter Bankiers, Kaufleute und Industrielle. Werte, Lebensstil und Lebenspraxis 1870 bis 1930. Wiesbaden/Ffm. [2011]. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bürgerstiftung und der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 9).Wörner: Ffter Bankiers, Kaufleute u. Industrielle 2011.
Quellen: Archivnachrichten aus Hessen. Wiesbaden/Darmstadt/Marburg 2001-heute.Balbaschewski, Marc: Das Historische Archiv Hauck & Aufhäuser Privatbankiers in Ffm. und München. In: Archivnachrichten aus Hessen 13/1 (2013), S. 50f. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/6.464. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.294 (Michael Hauck). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/R 2.778 (Georg Hauck & Sohn). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/R 29.628 (Hauck & Aufhäuser).
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Hauck_%26_Aufh%C3%A4user
Hinweis: Artikel über das Bankhaus Hauck & Aufhäuser.
Wikipedia, 12.12.2016.

2 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Hauck, Hans Heinrich

Hauck, Hans August Heinrich. Bankier. * 31.8.1890 Ffm., † 26.9.1964 Gröbming/Steiermark, begraben in Ffm.
Sohn des Bankiers Heinrich H. (1846-1904) und dessen Ehefrau Anna H., geb. Funck (1852-1918). Enkel von Ferdinand H. (1813-1888), dem Begründer des Bankhauses Ferdinand H.
Abitur am Kaiser-Friedrichs-Gymnasium in Ffm. Besuch von College und Handelsschule in England. Banklehre bei der Vereinsbank in Ffm. Einjährig-freiwilliger Militärdienst beim Garde-Dragoner-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 23 in Darmstadt. Seit etwa 1912 Tätigkeit im väterlichen Bankgeschäft Ferdinand Hauck. Von 1914 bis 1918 Kriegsdienst, zuletzt als Leutnant der Reserve im Thüringischen Ulanen-Regiment Nr. 6, mit dreimaliger Verwundung. Rückkehr in den Beruf beim Bankhaus Ferdinand Hauck als dessen Teilhaber bis zur Liquidation der Firma (um 1925). 1926 trat H. in den Vorstand der Ffter Bank ein, dem er – mit einer Unterbrechung durch Kriegsdienst (1939 bis 1943 oder 1944) – bis 1958 angehörte; danach wechselte er in den Aufsichtsrat, als dessen Mitglied er insbesondere im Kreditausschuss bis zu seinem Tod tätig war.
Als reine Verwaltungsbank mit dem Privileg der Mündelsicherheit hatte sich die Ffter Bank um die Mitte der 1920er Jahre, als H. dort eintrat, neue Arbeitsbereiche unter Ausbau des Depot- und Effektengeschäfts sowie im Geldhandel zwischen Kreditinstituten erschlossen. Von 1925 bis 1944 wirkte sie in Verbindung mit der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) als Geldausgleichstelle zwischen Berlin und Ffm., also zwischen Nord- und Süddeutschland, wobei H. die Entwicklung dieses Geschäftsgebiets besonders förderte. Aufgrund ihrer Ausrichtung, die eine Vergabe von Krediten an die Industrie ausschloss, geriet die Ffter Bank unter H.s Leitung während der Weltwirtschaftskrise in den Dreißigerjahren nicht in Existenznot.
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs orientierte sich die Ffter Bank auf H.s unternehmerische Initiative neu: Sie widmete sich unter Mitwirkung einiger Führungskräfte der ehemaligen Reichs-Kredit-Gesellschaft (insbesondere Hermann Jannsen) künftig dem Kreditgeschäft, entwickelte sich rasch zu einer überregionalen Kreditbank für in- und ausländische Großunternehmen und trug dadurch wesentlich zum Wiederaufbau der Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet bei. Zudem übernahm die Ffter Bank wieder ihre alte Funktion als Geldausgleichsstelle. In diesem Zusammenhang begründete H. 1949 die Ffter Kassenverein AG als Wertpapiersammelbank mit, deren Aufsichtsratsvorsitzender er von 1949 bis April 1964 war. Von 1951 bis 1960 fungierte H. als Vorsitzer im Vorstand der Ffter Wertpapierbörse, dem er bereits seit 1933 angehört hatte; zudem war er zeitweise (1955-57) als Vorsitzender in der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen tätig.
Seit 1946 Mitglied im Verwaltungsrat der SNG. Seit 1950 Schatzmeister der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Ffm.
Passionierter Jäger und engagierter Naturschützer. Vizepräsident der Zoologischen Gesellschaft Fft. von 1858. Gründer (1951) der „Stiftung Hessischer Jägerhof“ zur Förderung des Jagdwesens und zur Wiederherstellung und Erhaltung jagdhistorischer Baudenkmäler in Hessen, u. a. des Jagdschlosses Kranichstein bei Darmstadt (seit 1952).
1955 Ehrenplakette der Stadt Ffm. 1956 Großes Bundesverdienstkreuz. 1956 Ehrenbürger der Ffter Universität.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann A 430).
Nachlass im ISG.
Hans Heinrich H.-Stiftung, gegründet von H. anlässlich seines 70. Geburtstags 1960, zur Unterstützung von Mitarbeitern und Pensionären der Ffter Bank bzw. der daraus durch Fusion 1970 hervorgegangenen „Berliner Handels- und Ffter Bank“ (BHF-Bank) in außerordentlichen Not- und Härtefällen.

Lexika: Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Franz Lerner in: NDB 8 (1969), S. 78. | Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. 2 Bde. Berlin 1930/31.Reichshdb. 1930/31, S. 674.
Literatur:
                        
Achterberg, Erich: Ffter Bankherren. Ffm. 1956, 2. Aufl. 1971.Achterberg: Ffter Bankherren 1956, 2. Aufl. 1971, S. 77. | Ansprachen zum 25jährigen Jubiläum des Herrn Hans Heinrich Hauck als Mitglied des Vorstandes der Ffter Bank. Ffm. 1951.FS Hans Heinrich Hauck 1951. | Festschrift zum 70. Geburtstag seines Vorsitzers Herrn Hans Heinrich Hauck am 31. August 1960 überreicht vom Vorstand der Ffter Wertpapierbörse. [Mit einem Aufsatz zur Geschichte der Ffter Wertpapierbörse von Erich Achterberg.] Ffm. 1960.FS Hans Heinrich Hauck 1960. | Zum Gedenken an Hans Heinrich Hauck 1890-1964. Ffm. 1964.Gedenkschrift Hans Heinrich Hauck 1964. | Unabhängig – persönlich – unternehmerisch. Eine Chronik von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers seit 1796. Hg.: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Text u. Red.: Felix Höpfner. Ffm. [2011].Höpfner: Chronik von Hauck & Aufhäuser 2011, S. 24f. | Mohr, Verita: Spurenlese. Georg Hauck & Sohn 1796-1996. Von der Verflechtung einer Bank, ihrer Partner und einer Familie mit der Stadt Ffm. Ffm. 1996.Mohr: Georg Hauck & Sohn 1996, S. 112-114. | Sewig, Claudia: Der Mann, der die Tiere liebte. Bernhard Grzimek. Biografie. Bergisch Gladbach 2009.Sewig: Der Mann, der die Tiere liebte. Bernhard Grzimek 2009, S. 167, 243. | Stemmler, Gunter: Die Vermessung der Ehre. Zur Geschichte der Ehrenbürger, Ehrensenatoren sowie Ehrenmitglieder an deutschen Hochschulen und an der Universität Ffm. Ffm. [u. a.] 2012.Stemmler: Ehrenbürger u. Ehrensenatoren an der Univ. Ffm. 2012, S. 163. | Wer ist’s? Titel auch: Degener’s Wer ist’s? Titel ab 1923: Wer ist wer? Wechselnde Untertitel: Zeitgenossenlexikon. / Unsere Zeitgenossen. / Das deutsche Who’s who. Leipzig, ab 1928 Berlin 1905-93.Wer ist wer? 1962, S. 532.
Quellen: ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass: ISG, S1/127. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.843. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/6.464 (Familie Hauck).

Hauck, Otto

Präsident der Handelskammer bzw. der späteren Industrie- und Handelskammer Ffm. von 1921 bis 1933.
Hauck, Georg Enoch Otto. Bankier. * 10.4.1863 Ffm., † 25.11.1934 Ffm.
Sohn des Bankiers Alexander H. (1838-1916) und dessen Ehefrau Anna H., geb. Reiß (1839-1925). Enkel von Georg H. (1812-1884), dem Namensgeber des Bankhauses Georg H. & Sohn. Die Großeltern mütterlicherseits entstammten den alteingesessenen jüdischen Familien Reiß und Flersheim und waren in den 1840er Jahren zum evangelischen Glauben konvertiert.
H. erfuhr, der Familientradition entsprechend, eine Ausbildung in verschiedenen Bankhäusern in Genf, London, Paris, New York und Berlin, bevor er 1887 als Teilhaber in das väterliche Bankgeschäft in Ffm. eintrat. 1891 heiratete er Mathilde Bertha Metzler (1870-1920), Tochter des Bankiers und Stadtrats Albert (seit 1901: von) Metzler. Am Schaumainkai 47 ließ das Paar sich eine repräsentative Villa erbauen, die zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte sich mit der Industrialisierung die Unternehmensform der Aktiengesellschaft, auch im Finanzsektor, durch. Nach einer anfänglichen Reserve der Ffter Banken gegenüber der Aktie stieg das Bankhaus H. in die Industriefinanzierung ein, als es 1888 gemeinsam mit dem Bankhaus J. J. Weiller Söhne den Auftrag erhielt, die Aktien der Farbwerke Hoechst an die Börse zu bringen. Dem Aufsichtsrat der Hoechst AG gehörten daher zunächst H.s Vater (als stellvertretender Vorsitzender 1906-07), dann H. selbst (1912-32) an. Wenige Jahre später beteiligte sich das Bankhaus H. als einer der Kommanditisten auch an der Firma Brown, Boveri & Cie. (BBC). H.s zunehmende Vernetzung im deutschen Industrie- und Bankenwesen drückt sich in einer Vielzahl von Aufsichtsratsmandaten aus, die er im Lauf seines Lebens übernahm, u. a. bei der Ffter Hypothekenbank (seit 1905, als Vorsitzender 1920-28), der Ffter Bank (seit 1906, als stellvertretender Vorsitzender 1920-25, dann als Vorsitzender 1925-28), der Deutschen Bank, der Metallgesellschaft (bis 1934), den Adlerwerken (1915-25), mehreren Versicherungsgesellschaften und seit 1926 bei der IG Farbenindustrie AG (bis 1933).
Daneben übte H. zahlreiche Ämter in Institutionen und Gremien zur wirtschaftlichen Organisation und Selbstverwaltung aus. So war er Mitglied im Gesamtvorstand der Ffter Börse (1900-33), zeitweilig stellvertretender Vorsitzender der Abteilung Wertpapierbörse und seit 1904 Mitglied des Ehrengerichts für die Wertpapierbörse, seit 1924 als dessen Vorsitzender; er gehörte dem Deutschen Industrie- und Handelstag (seit 1913 als Mitglied in dessen Ausschuss für Banken-, Kredit- und Geldwesen), dem Ffter Bezirksausschuss der Reichsbank (als Beigeordneter) und dem Börsenausschuss beim Reichsamt des Innern bzw. seit 1913 im Reichswirtschaftsministerium (als stellvertretendes Mitglied) an. Bei der Ffter Handelskammer, deren Mitglied er seit 1904 war, avancierte H. zunächst (1915) zum Vizepräsidenten, schließlich (1921) zum Präsidenten; hundert Jahre zuvor hatte schon sein Urgroßvater Friedrich Michael H. (1768-1839) als Senior an deren Spitze gestanden (1821-29). In dieser Funktion vertrat H. die Interessen des Wirtschaftsstandorts und Finanzplatzes Ffm., u. a. durch Interventionen direkt beim preußischen Ministerpräsidenten. Ausgehend vom Verlust der staatlichen Unabhängigkeit Fft.s 1866 sah er die Stadt vielfach strukturell benachteiligt, etwa durch ungünstige Zuschnitte von Kammerbezirken und Verwaltungsterritorien. Unter seiner Leitung gelang der organisatorische Zusammenschluss aller Handelskammern des Rhein-Main-Gebiets zu einer einheitlichen Interessenvertretung der privaten Wirtschaft gegenüber den staatlichen und kommunalen Institutionen. In Anerkennung seiner Verdienste um das Wirtschaftsleben wurde H. am 27.10.1927 die Bronzene Ehrenplakette der nunmehrigen Industrie- und Handelskammer (IHK) Ffm. verliehen.
H.s 70. Geburtstag am 10.4.1933 fiel in die beginnende NS-Zeit. Wenige Wochen zuvor hatte die Mitgliederversammlung der IHK beschlossen, ihren Präsidenten zu diesem Anlass mit der Goldenen Medaille zu ehren. Im Vorfeld der Ereignisse um den Boykott jüdischer Geschäfte und Betriebe jedoch legten sämtliche Mitglieder des IHK-Präsidiums am 31.3.1933 ihr Amt nieder. Die zugedachte Auszeichnung wurde H., der sich jetzt zudem als „Halbjude“ angefeindet sah, vermutlich nur in aller Stille verliehen. Eineinhalb Jahre nach diesem unwürdigen Abschied erlag H. einem Krebsleiden.
H. und sein Vater waren Gründungsstifter (mit einem Betrag von 100.000 Mark) und Kuratoriumsmitglieder der Ffter Universität. H. gehörte zu den „Bohnenrittern“, einer rein privaten, höchst exklusiven Herrenrunde aus dem führenden Großbürgertum der Stadt, die sich der Jagd und dem kultivierten Diner widmete.
Jugendporträt (von Otto Scholderer, 1887) in Familienbesitz. Bronzebüste (von Richard Scheibe), ursprünglich aufgestellt in der Industrie- und Handelskammer Ffm. und nach der NS-Machtübernahme 1933 an den Porträtierten zurückgesandt, heute in der Eingangshalle des Bankhauses H. & Aufhäuser in Ffm.

Lexika: Heine, Jens Ulrich: Verstand und Schicksal. Die Männer der I. G. Farbenindustrie A. G. (1925-1945) in 161 Kurzbiographien. Weinheim/New York/Basel/Cambridge 1990.Heine: IG Farben, S. 204-206. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Franz Lerner in: NDB 8 (1969), S. 78. | Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. 2 Bde. Berlin 1930/31.Reichshdb. 1930/31, S. 675. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 229.
Literatur:
                        
Achterberg, Erich: Ffter Bankherren. Ffm. 1956, 2. Aufl. 1971.Achterberg: Ffter Bankherren 1956, 2. Aufl. 1971, S. 83-87. | Majer-Leonhard, Hans (Hg.): Altffter Firmen-Handbuch. Im Auftrag der Genealogischen Gesellschaft zu Ffm. hg. (...). Ffm. 1925, Nachtrag 1927.Altffter Firmen-Handbuch 1925, S. 85. | Mohr, Verita: Spurenlese. Georg Hauck & Sohn 1796-1996. Von der Verflechtung einer Bank, ihrer Partner und einer Familie mit der Stadt Ffm. Ffm. 1996.Mohr: Georg Hauck & Sohn 1996, S. 134-140. | Plumpe, Werner/Rebentisch, Dieter (Hg.): „Dem Flor der hiesigen Handlung“. 200 Jahre Industrie- und Handelskammer Ffm. Ffm. 2008.Plumpe/Rebentisch: IHK 2008, S. 188-190, 198, 201. | Pohl, Hans (Hg.): Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts. Hg. im Auftrag des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für bankhistorische Forschung e.V. Schriftleitung: Thorsten Beckers. Stuttgart 2008.Andreas Hansert in: Pohl (Hg.): Bankiers 2008, S. 181-194. | Wörner, Birgit: Ffter Bankiers, Kaufleute und Industrielle. Werte, Lebensstil und Lebenspraxis 1870 bis 1930. Wiesbaden/Ffm. [2011]. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bürgerstiftung und der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 9).Wörner: Ffter Bankiers, Kaufleute u. Industrielle 2011, bes. S. 32f., 206-209.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.766. | ISG, Sammlung Manuskripte, 1864-heute; erschlossen über Archivdatenbank.Hansert, Andreas: Die Ffter Bohnenritter seit 1898. Privatdruck in 24 handgefertigten Exemplaren, vorgelegt zum Bohnenessen im Haus von Bohnenkönig Gert Becker, 10.1.2015. ISG, Sammlung Manuskripte, S6a/654. (Einsichtnahme nur mit Genehmigung des Depositars möglich.)
Internet: Internetauftritt der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA, Ffm. Hauck & Aufhäuser, 25.8.2016. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Hauck_%26_Aufhäuser
Hinweis: Artikel über das Bankhaus Hauck & Aufhäuser.
Wikipedia, 23.8.2016.


© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Hauck, Bankiersfamilie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2507
Die Autorenangabe bezieht sich auf den Artikel über die Familie. Die Angaben zu Autoren der hier ebenfalls dargestellten Personenartikel finden Sie, indem Sie auf die Namen der einzelnen Personen klicken.

Stand des Artikels: 19.12.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 12.2016.