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Heussenstamm, Karl

Zweiter Bürgermeister der Stadt Ffm. von 1880 bis 1899.

Karl Heussenstamm

Karl Heussenstamm
Fotografie (im Besitz des HMF).

© Institut für Stadtgeschichte (Sign. ISG_S7P1998_6400) / Historisches Museum (Sign. HMF C17020), Ffm.
Heussenstamm (ursprünglich: Heußenstamm), Carl Jacob Moritz, gen. Karl. Dr. jur. Rechtsanwalt. Kommunalpolitiker. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 4.6.1835 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 29.7.1913 Ffm.
Aus einer alteingesessenen Ffter Handwerkerfamilie. Viertes Kind und einziger Sohn des städtischen Hypothekenbuchführers Dr. jur. Georg Jakob H. (1793-1875) und dessen Ehefrau Maria Christiane Louise, geb. Sackreuter (1802-1869).
Besuch der privaten „Erziehungs-Anstalt für Knaben“ von Johann Ludwig Georg Stellwag, dann von 1847 bis 1852 des städtischen Gymnasiums. Jurastudium in Heidelberg (1852-53) und Göttingen (1853-55). Seit 1853 Mitglied der Burschenschaft Corps Hannovera Göttingen. 1855 Promotion. 1856 Bürgereid und Zulassung als Advokat in Ffm. Seitdem als niedergelassener Rechtsanwalt hier tätig (bis 1880).
Seit 7.1.1873 Stadtverordneter, zunächst als Schriftführer (1873-74), dann als stellvertretender (1876-77), schließlich als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung (1877-80). Mitglied des linksliberalen Demokratischen Vereins, der als Ortsverein der Deutschen Volkspartei (DVP) im November 1873 aus dem bisherigen, eher parteiübergreifend auf stadtpoltischer Ebene arbeitenden Demokratischen Wahlverein hervorgegangen war; damit gehörte H. zu der von Demokraten gebildeten Mehrheit im Stadtparlament. Mitarbeit in verschiedenen Kommissionen und Deputationen der Stadtverordnetenversammlung, u. a. zur Reorganisation der Feuerwehr (1874), zur Neukonzeption der Geschäftsordnung für die Stadtverordnetenversammlung (1875) und zur Überführung der Quellwasserleitung in städtischen Besitz (1875/76). Als Mitglied der Magistratswahlkommission war H. wesentlich an der Berufung und Verpflichtung von Johannes Miquel zum Ersten Bürgermeister (Oberbürgermeister) von Ffm. 1879/80 beteiligt.
Am 13.1.1880 wurde H. zum Zweiten Bürgermeister der Stadt Ffm. gewählt und am 3.3.1880 in das Amt eingeführt. An der Seite von Miquel an der politischen und administrativen Spitze der Stadt gestaltete H. die weitere Entwicklung Fft.s zur modernen Großstadt mit, auch wenn zunächst die – letztlich geglückte – Konsolidierung der städtischen Finanzen im Vordergrund stehen musste. Magistratsdeputierter für Stadtarchiv und Stadtbibliothek (1880-99). Vorsitzender der Städtischen Militärkommission (1880-84). Mitarbeit in mehreren Kommissionen auf verschiedenen Gebieten der Stadtplanung und -verwaltung, u. a. zur Reorganisation des Armen- und Stiftungswesens (1882/83), zur Planung für den Ausbau des Hafens (1885), zur Betriebsform der städtischen Theater (während der „Theaterkrise“, 1886) und zur Einführung einer neuen Gehaltsordnung für die städtischen Beamten (1896).
Als seine wichtigste Aufgabe im Magistrat aber übernahm H. die Leitung der Städtischen Schulbehörden, denen er als Vorsitzender des Curatoriums der höheren Schulen (1880-91 u. 1892-99) und der Städtischen Schuldeputation (1880-91) vorstand. Besonders setzte er sich für die Aufrechterhaltung der Simultanschule ein, deren überkonfessionelles Konzept seit der Überführung des Schulwesens in städtische Obhut 1871 galt und gegen versuchte staatliche Eingriffe verteidigt werden musste. Auch die Verpflichtung des späteren Schulreformers Karl Reinhardt als Direktor des städtischen Gymnasiums (1885/86) war maßgeblich H. zu verdanken. Außerdem wirkte er als Deputierter des Magistrats und Vorsitzender im Schulvorstand der Städtischen gewerblichen Fortbildungsschule, die als Weiterbildungsstätte für Handwerker mit besonderer Unterstützung von Miquel 1890 eröffnet worden war.
Nach Miquels Rücktritt am 24.6.1890 fungierte H. vorübergehend (kommissarisch) als Stadtoberhaupt, bis der neue Oberbürgermeister Franz Adickes am 11.1.1891 das Amt übernahm. H., kurz vor Ablauf seiner zwölfjährigen Dienstzeit 1891 von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig als Bürgermeister wiedergewählt, behielt unter Adickes weitgehend seine Position, auch wenn der neue Oberbürgermeister intensiv schulpolitische Interessen verfolgte und die Leitung der Städtischen Schulbehörden zeit- bzw. teilweise selbst ausübte. Noch vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit trat H. aus gesundheitlichen Gründen am 30.6.1899 in den Ruhestand. Sein Amtsnachfolger als Bürgermeister wurde Adolf Varrentrapp.
Mitglied des Kommunallandtags von Wiesbaden und Hessen-Nassau (1891-1913). Vorsitzender des Landesausschusses für den Regierungsbezirk Wiesbaden (1897-1913). Noch bei den preußischen Landtagswahlen 1913, nur wenige Wochen vor seinem Tod, ließ sich H. trotz seiner Gebrechlichkeit ins Wahllokal fahren, um den Wahlmännern der (aus einem linksliberalen Zusammenschluss 1910 hervorgegangenen) Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) seine Stimme zu geben.
Engagement auf sozialem Gebiet, u. a. als Mitglied im Pflegamt (1876-79 und 1901-05) bzw. Konsulent (1879-80) des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts.
In seinem Testament vom 12.12.1912 vermachte H. einen Betrag von 150.000 Mark aus seinem Vermögen der Stadt Ffm. zur Gründung einer „H.’schen Stiftung“, die „Zwecken der Wohltätigkeit (...) im weiteren Sinne“ oder auch der gewerblichen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Förderung – jedoch ausdrücklich „nicht für Zwecke der Universität Ffm.“ – dienen sollte. Damit wollte der unverheiratet und kinderlos gebliebene Stifter die Erinnerung an seine seit Jahrhunderten in Ffm. ansässige Familie erhalten, deren letzter Namensträger er in dieser Stadt war. Das Kapital der bald nach H.s Tod etablierten und 1914 staatlich genehmigten Stiftung schrumpfte infolge der Inflation jedoch stark zusammen. 1935 fusionierte Oberbürgermeister Krebs die Stiftung mit seinem „Hilfswerk“ (unter dem Namen „H.’sche Stiftung – Hilfswerk des Oberbürgermeisters“), um jenes juristisch gegen den Zugriff des Gauleiters Sprenger abzusichern. Nach 1945 wurde die „H.’sche Stiftung“ (heute: „H.-Stiftung“) als selbstständige Stiftung reaktiviert. Sie ist seitdem vornehmlich in der Künstlerförderung sowie Alten- und Behindertenhilfe tätig.
1889 Roter Adlerorden IV. Klasse. 1896 Preußischer Kronenorden III. Klasse. 1899 Roter Adlerorden III. Klasse mit der Schleife. 1907 Preußischer Kronenorden II. Klasse.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann G 428).
Nachlass, u. a. Briefe von Leopold Sonnemann an H., im ISG. Briefwechsel, u. a. mit Karl Reinhardt, 1885-86, in der Handschriftenabteilung der UB Ffm.
H.straße im Stadtteil Dornbusch an der Grenze zu Eckenheim.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 328, verfasst von: Sabine Hock.

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Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_HeussenstammWikipedia, 6.8.2012.

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Heussenstamm, Karl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2629

Stand des Artikels: 13.6.2013
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2014.