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Mössinger, Viktor

Mössinger (auch: Moessinger), Viktor (eigentl.: Victor). Kaufmann. Kommunalpolitiker. Mäzen. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 10.10.1857 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 9.8.1915 Dillingen/Taunus.
Zweiter Sohn des Friseurs und Kaufmanns Gottfried Leonhard M. (1815-1887) und dessen Ehefrau Maria Katharina M., geb. Dietz, gesch. Daube (1824-1891). Aus der 1854 geschlossenen Ehe der Eltern gingen zwei weitere Söhne, Jean Wilhelm M. (* 1855) und Philipp Carl M. (* 1861), hervor. M. war verheiratet mit Johanna M., geb. Rumpf.
1885 traten Viktor und sein Bruder Wilhelm M. als Gesellschafter in die Firma „Elnain & Co.“ ihres Halbbruders Gottfried Leonhard Daube (1842-1917) ein. Daube, der in Ffm. auch eine Annoncen-Expedition besaß, hatte zusammen mit dem Druckereibesitzer Ruben Morgenstern begonnen, die von dem Apotheker Richard Brandt entwickelten „Schweizer Pillen“, die zur Blutreinigung und als Abführmittel dienen sollten, mit Hilfe geschickter Werbung erfolgreich zu vertreiben.
Am 12.7.1910 wurde M. anstelle von Wilhelm Hanau, der seinen Magistratsposten aus Altersgründen 1909 aufgegeben hatte, zum ehrenamtlichen Stadtrat (parteilos) gewählt und übte das Amt bis zu seinem Tode aus. Er war dabei u. a. stellvertretender Vorsitzender in der Galerie-Deputation, Deputierter in der Neuen Theater Aktien-Gesellschaft, in der Gas-Gesellschaft und im Elektrizitäts- und Bahnamt, Mitglied der Vermächtnis-Deputation, der Magistratskommission für die Erweiterung des Städelschen Kunstinstituts und im Aufsichtsrat der Ausstellungs- und Festhallen-Gesellschaft. M. genoss großes Ansehen unter seinen Kollegen: „Sein künstlerischer Sachverstand verbunden mit seinen ausgedehnten kaufmännischen Kenntnissen hatte ihn zu einem geschätzten Mitglied der Stadtregierung gemacht.“ (Maly: Stvv. II 1995, S. 253.)
M., selbst Kunstsammler, war ein bedeutender und unermüdlicher Förderer und Mäzen des städtischen Kulturlebens. Er war u. a. Vorstandsmitglied im Verein für das Historische Museum und im Städelschen Museums-Verein sowie Mitglied im Freien Deutschen Hochstift, dessen Verwaltungsausschuss und Museumskommission er angehörte. Für das Hochstift und das Goethe-Museum engagierte er sich als Mäzen für zahlreiche Ankäufe. Beispielsweise unterstützte er 1895 den Erwerb der Lessingbibliothek des Auktionskommissars Müller aus Berlin, und 1899 beteiligte er sich am Kauf der Büsten des jungen Goethe und seiner Eltern, die der Bildhauer Carl Rumpf angefertigt hatte. M. stiftete Bilder für die Gemäldegalerie von Goethes Vater und 1904 die Kaufsumme zum Erwerb des Schillerporträts von Gerhard Kügelgen (1809) für das Goethe-Museum.
1913 hatte M. als Mitglied der städtischen Kommission für Kunst- und Altertumsgegenstände die kaufmännische Leitung beim Erwerb des Kreuzigungsaltars aus Rimini, den die Stadt für 400.000 Lire ankaufte und der im Liebighaus aufgestellt wurde. Zusammen mit Städeldirektor Georg Swarzenski und Stadtrat Julius Ziehen begutachtete M. in Rimini den Altar. Swarzenski heiratete 1916 M.s Tochter Marie (1889-1967).
Besonders für das Städel hat sich M. in herausragender Weise als zukunftsweisender Mäzen eingesetzt. Als Sammler besaß er Werke von Hans Thoma, Wilhelm Trübner und Otto Scholderer und begeisterte sich für die französischen Impressionisten. Dem Städel schenkte er früh zwei impressionistische Werke, 1891 „Christus mit den Jüngern in Emmaus“ von Fritz von Uhde und 1899 „Ufer der Seine im Herbst“ von Alfred Sisley, das damit das erste Werk eines französischen Impressionisten überhaupt in der Sammlung des Museums war. 1912 finanzierte M. mit 20.000 Mark den Erwerb des „Bildnisses von Dr. Gachet“ von Vincent van Gogh für die Städtische Galerie im Städel. Das Schicksal des Bildes hat bis in die Gegenwart hinein für Diskussionen gesorgt. Es wurde 1937 im Zuge der nationalsozialistischen Kunstpolitik als „entartete Kunst“ aus dem Städel entfernt und trotz des Protests von M.s Witwe Johanna im Ausland versteigert. Zunächst erwarb es der in Amsterdam lebende Franz Koenigs (1881-1941). Aus dessen Besitz gelangte es unter ungeklärten Umständen an Siegfried Kramarsky (1893-1961), dessen Witwe Lola Kramarsky es 1990 in New York veräußern ließ. Das Gemälde wurde für die damalige Rekordsumme von 82,5 Millionen Dollar (135,6 Millionen Mark) von dem japanischen Unternehmer Ryoei Saito (1916-1996) auf einer Auktion erworben. Der Direktor des Städel, Ernst Holzinger, hatte sich Anfang der 1960er Jahre vergeblich bemüht, das Gemälde für das Museum zurückzukaufen. Der heutige Verbleib des Bildes ist unbekannt. 2005 schenkte M.s Enkel, Wolfgang Swarzenski, Max Beckmanns Pastellzeichnung von Marie Swarzenski (1927) dem Städel.
M. hat mit seinen Schenkungen den Grundstein für die museale Präsentation und Sammlung moderner Kunst in Ffm. gelegt. In einem Nachruf des Freien Deutschen Hochstifts von 1915 wird sein Motiv als Mäzen folgendermaßen beschrieben: „Er suchte nicht nur den ästhetischen Genuß oder den Besitz hervorragender Kunstwerke. Die Kunst war ihm etwas Heiliges, er sah in ihr die Erzieherin und Veredlerin des Menschen. Daher war sein Streben vor allem dahin gerichtet, die Museen seiner Vaterstadt mit echten Kunstwerken zu bereichern, damit sie dort ihre Wirkung auf weite Kreise üben könnten.“ (Jb. d. Freien Deutschen Hochstifts 1914/15, S. 273.)

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sebastian Martius.

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 396.
Literatur:
                        
art. Das Kunstmagazin. Bisher 37 Jahrgänge. Hamburg 1979-2015.art 1999, Nr. 5, S. 118f. | Fleckner, Uwe/Hollein, Max (Hg.): Museum im Widerspruch. Das Städel und der Nationalsozialismus. Berlin 2011. (Schriften der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ 6).Kurzbiographie in: Fleckner/Hollein (Hg.): Museum im Widerspruch 2011, S. 353f.; vgl. auch S. 9f., 43, 47, 72, 79, 210. | Hansert, Andreas: Geschichte des Städelschen Museums-Vereins Ffm. Hg. vom Vorstand des Städelschen Museums-Vereins. Ffm. 1994.Hansert: Städelscher Museums-Verein 1994. | Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts. Göttingen/Tübingen 1902-40, Neue Folge seit 1962.Jb. d. Freien Deutschen Hochstifts 1914/15, S. 273. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 154. | Maly, Karl: Das Regiment der Parteien. Geschichte der Ffter Stadtverordnetenversammlung, Bd. II: 1901-1933. Ffm. 1995. (Veröffentlichungen der Ffter Historischen Kommission, Bd. XVIII/2).Maly: Stvv. II 1995, S. 164, 252-254. | Saltzman, Cynthia: Das Bildnis des Dr. Gachet. Biographie eines Meisterwerks. Aus dem Amerikanischen von Käthe H. Fleckenstein. Ffm. 2000.Saltzman: Das Bildnis des Dr. Gachet 1990. | Schelenz, Hermann: Geschichte der Pharmazie. Berlin 1904.Schelenz: Gesch. d. Pharmazie 1904, S. 769. | Schimpf, Gudrun-Christine: Geld macht Kultur. Kulturpolitik in Ffm. zwischen Mäzenatentum und öffentlicher Finanzierung 1866-1933. Ffm. [<i>Copyright</i> 2007]. (Studien zur Ffter Geschichte 55). Schimpf: Kulturpolitik 2007, S. 169, 184. | Schmitz, Rudolf/Friedrich, Christoph/Müller-Jahncke, Wolf-Dieter: Geschichte der Pharmazie. 2 Bde. Eschborn 1998/2005.Schmitz/Friedrich/Müller-Jahncke: Gesch. d. Pharmazie 2 (2005), S. 896. | Seng, Joachim: Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Ffter Goethe-Museum 1881-1960. Göttingen 2009.Seng: Freies Deutsches Hochstift 2009, S. 101, 155-157, 162f., 177, 198, 220, 223, 391, 540. | Weizsäcker, Heinrich: Viktor Moessinger zum Gedächtnis. Leipzig 1915. [Sonderdruck aus: Kunstchronik NF 26 (1915), H. 44.]Weizsäcker: Viktor Moessinger zum Gedächtnis 1915. | Ziehen, Julius: Erinnerungen 1864-1925. Hg. u. eingel. v. Hertha Ziehen. Ffm. 1980. (Ffter Lebensbilder 18).Ziehen: Erinnerungen 1980, S. 272f., 322.
Quellen: Ffter Zeitung. Ffm. (1856) 1866-1943.FZ, Nr. 220, 10.8.1915. | ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“), ca. 1870-1930.Meldekarte der Eltern in: ISG, Nullkartei. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.468.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_M%C3%B6ssingerWikipedia, 9.12.2015.

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Empfohlene Zitierweise: Martius, Sebastian: Mössinger, Viktor. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/6096

Stand des Artikels: 25.2.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 12.2015.