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Niemeyer, Reinhold

Stadtbaurat in Ffm. von 1931 bis 1938.

Niemeyer, Karl Friedrich Theodor Reinhold. Architekt und Stadtplaner. * 25.11.1885 (Willebadessen-)Peckelsheim, † 24.7.1959 (Bielefeld-)Brackwede.
Studium der Architektur in München und Hannover. 1912 Diplom-Examen. Übernahme in den Staatsdienst als Regierungsbauführer in Paderborn. Während des Ersten Weltkriegs mit Planung und Ausführung von Bahnhofs- und Schienenanlagen sowie Brücken betraut. Am 26.4.1919 Regierungsbaumeisterprüfung in Berlin. Überweisung nach Oppeln; dort Bearbeitung von Kirchenbauentwürfen sowie Tätigkeit im Siedlungs- und Wohnungswesen. Seit 1.10.1922 Leiter der Wohnungsfürsorgegesellschaft für Oberschlesien und ab Herbst 1927 auch Geschäftsführer der Landesplanung Oberschlesien. Am 13.4.1927 Beförderung zum Regierungs- und Baurat. Am 1.5.1930 Wechsel zum Verbandspräsidium des Ruhrsiedlungsverbands.
Während seiner Oppelner Zeit hatte N. in der Redaktion der Zeitschrift „Schlesisches Heim“ mit Ernst May zusammengearbeitet. Als May 1930 den Mitarbeiterstab für den Wechsel in die Sowjetunion zusammenstellte, bot er N. an, in verantwortlicher Position die Planung für Großanlagen der Industrie und Wohnungsbauten zu übernehmen. Die Zusage knüpfte N. an eine Beurlaubung, die er nicht erwirken konnte. Daraufhin bewarb er sich Ende Oktober 1930 auf die Nachfolge Mays in Ffm. Am 14.4.1931 wurde N. zum Stadtrat gewählt, mit der Erwartung, Mays bisherige Wohnungs- und Städtebaupolitik fortzusetzen. N. übernahm ein neues „Groß-Dezernat“ aus Siedlungs-, Hochbau- und Tiefbauamt, das auch diverse Aufsichtsratsmandate bei Wohnungsbaugesellschaften einschloss. Oberbürgermeister Ludwig Landmann betonte bei N.s Amtseinführung, dass damit eine Entwicklung, die unter dem Vorgänger angebahnt wurde, zur Vollendung käme: „Sie treten ein großes Erbe an, das Erbe von Ernst May.“
Zunächst hatte N. den Personalabbau im Hochbauamt zu organisieren und betrieb u. a. die Auflösung des Vertrags mit Martin Elsaesser. Er konzentrierte sich auf die Verkehrs- und Landesplanung. Am 18.4.1933 trat N. in die NSDAP ein. Er wurde 1934 zum Vorsitzenden der Akademie für Städtebau, Reichs- und Landesplanung (bis 1945) ernannt und war bis 1936 Direktor des Instituts für Landesplanung und Siedlungsbau; außerdem blieb er Sektionsführer der „Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen“, die aus der HAFRABA hervorgegangen war. 1935/36 überstand N. Anfeindungen als Beamter aus der „Systemzeit“. Der Amtsbaurat der Baupolizei, Carl Bilger, warf ihm in mehreren Denkschriften die ehemalige Förderung des Flachdachbaus und des Bundes „Das Neue Fft.“ vor. Erst Versäumnisse, bedingt durch die Belastungen der Ämterfülle und private Verfehlungen, sorgten für ein Dienststrafverfahren. Aufgrund von an offizielle Stellen gerichteten Klagen seiner Ehefrau Ella N., geb. Hölscher, wegen seines außerehelichen Verhältnisses und von Vorwürfen wegen „gewohnheitsmäßiger Trunkenheit“ musste sich N. einem fachärztlichen Gutachten unterziehen. Das Verfahren wurde 1937 eingestellt, führte aber 1938 zum Ausscheiden aus dem städtischen Dienst. Schon vorher hatte N. seine Berufung zum Landesplaner und Landesrat des Provinzialverbands in Brandenburg erreicht. 1943 wechselte er als Abteilungsleiter in das Ministerium Speer und wurde Mitarbeiter im „Arbeitsstab Wiederaufbau“. Nach dem Krieg unterhielt N., der sich am Wiederaufbau u. a. in Paderborn beteiligte, ein Planungsbüro in Brackwede. Er gehörte zu den Architekten, die die Ideen des aufgelockerten Städtebaus auch im Rahmen nationalsozialistischer Siedlungsplanungen bearbeiten und in die Nachkriegszeit hinein tragen konnten.
Ausschussvorsitzender in der International Federation for Housing and Town Planning.
Schriften: „Ist heute Landesplanung noch erforderlich?“ (in: Das Neue Fft., 1931), „Verkehrsbauten“ [Aufsatz; in: Reinhard Jaspert (Hg.): Handbuch moderner Architektur, 1957] u. a.
1952 Bundesverdienstkreuz. 1957 Cornelius-Gurlitt-Denkmünze der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Jörg Schilling.

Lexika: Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. 13 Bde. München/Leipzig 1995-2003. 2., überarb. u. erw. Aufl. 12 Bde. Berlin 2005-08.DBE 7 (2007), S. 461.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Jörg Schilling in: AFGK 75 (2016): Akteure des Neuen Fft., S. 159f. | Durth, Werner/Gutschow, Niels: „Träume in Trümmern“. Planungen zum Wiederaufbau zerstörter Städte im Westen Deutschlands 1940-1950. 2 Bde. Braunschweig 1988.Durth/Gutschow: „Träume in Trümmern“ 1988, Bd. 1, S. 220f. | Tüffers, Bettina: Der Braune Magistrat. Personalstruktur und Machtverhältnisse in der Ffter Stadtregierung 1933-1945. Ffm. 2004. (Studien zur Ffter Geschichte 54).Tüffers: Der Braune Magistrat 2004, bes. S. 182-184, 203-205, 213f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/9.015.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_NiemeyerWikipedia, 5.7.2016.

GND: 137142277 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Schilling, Jörg: Niemeyer, Reinhold. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/9501

Stand des Artikels: 8.7.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2016.