Schäfer, Rudolf

Schäfer, Rudolf. Dr. phil. Journalist. Heimatforscher. * 4.2.1914 (Ffm.-)Höchst, † 17.7.1985 Ffm.-Höchst.
Sohn des Höchster Tapezierer- und Polsterermeisters Franz Sch.
Von 1924 bis 1931 Schüler des Jesuitenkollegs „Stella Matutina” in Feldkirch/Vorarlberg. 1934 Abitur am Reformgymnasium Höchst. Hochschulverbot wegen „politischer Unzuverlässigkeit” aufgrund seiner christlichen Gesinnung. Gescheiterter Versuch, nach Brasilien auszuwandern. Buchhandelslehre im Verlag Vittorio Klostermann. Wehrdienst. Anstellung als Vertriebsbuchhalter im Ffter Societäts-Verlag. Kriegsdienst, unterbrochen von einem Semester (WS 1941/42) Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik an der Ffter Universität. Kriegsgefangenschaft. 1946 Organisator der Ausstellung „200 Jahre Höchster Porzellanmanufaktur” im Höchster Bolongaropalast. Von 1946 bis 1949 Redakteur der „Ffter Hefte”. Seit 1946 Mitarbeiter, zeitweise Geschäftsführer (1954-58 und seit 1963) und Vorstandsmitglied des Bunds für Volksbildung Ffm.-Höchst. Begründete 1947 die Höchster Porzellanmanufaktur neu, die er 1952 wieder verkaufte. Gründete 1949 den „Höchster Anzeiger”, dessen Schriftleiter und Mitinhaber er bis zum Verkauf an die FNP 1950 war. Seit 1950 hauptsächlich kaufmännischer Mitarbeiter, Lektor und Korrektor verschiedener Verlage, u. a. des S. Fischer Verlags in Ffm. Daneben Studium an der Ffter und der Mainzer Universität, abgeschlossen mit der Promotion („Förderung von ‚Handel und Wandel’ in Kurmainz im 18. Jahrhundert”, Phil. Diss., 1967). Von 1967 bis zu seiner Pensionierung 1979 Mitarbeiter der Sozialabteilung der Hoechst AG, für die er das Firmenarchiv betreute sowie Werks- und Stadtführungen leitete.
Von 1977 bis zu seinem Tod Stadtbezirksvorsteher (CDU) im Bezirk Alt-Höchst.
Sch. hat sich um die Erhaltung der Höchster Altstadt und die Erforschung der Höchster Geschichte besonders verdient gemacht. Er initiierte die 600-Jahr-Feier von Höchst im Jahr 1955, für die er auch das Festspiel „Die hohe Stadt am Maine” schrieb. Er gehörte zu den Mitgliedern (seit 1941) und Neubegründern (1956) des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde, dessen Erster Vorsitzender (1969-85), dann Ehrenvorsitzender er war. Für diesen Verein gab er auch die von ihm 1962 mitbegründeten „Höchster Geschichtshefte” heraus. Außerdem war Sch. einer der Initiatoren des seit 1957 veranstalteten Höchster Schlossfests, u. a. als Gründungsmitglied des Festausschusses, stellvertretender Vorsitzender und Ehrenmitglied beim Höchster Vereinsring sowie als Verfasser der Programmhefte zum Höchster Schlossfest. Mit seinem Engagement für die Erhaltung der Bausubstanz in der Höchster Altstadt gab Sch. wichtige Denkanstöße zu Sanierung und Restaurierung, wenn er sich auch nicht immer gegen die Behörden durchsetzen konnte, weshalb etwa die alte Scheune im Antoniterkloster abgerissen wurde. Dagegen erreichte er die Rettung des Dalberger Hauses, das er der Höchster Porzellanmanufaktur als Domizil sicherte. Auch die Wiederherstellung und Neuausstattung des Zollturms ist ihm zu verdanken. Zudem begleitete Sch. die Ausgrabungen in Höchst und Nied, wobei er u. a. die Reste einer steinzeitlichen Bestattung im Höchster Schlosshof, einen vorgeschichtlichen Einbaum auf der Südseite des Mains sowie Funde aus den römischen Ziegeleien in Nied und aus dem ehemaligen Antoniterkloster in Höchst entdeckte. Seine Beteiligung an den archäologischen Ausgrabungen trug ihm den Spitznamen „Trümmerrudi” ein. U. a. um die Ausgrabungsfunde angemessen präsentieren zu können, engagierte sich Sch. für die Wiedereinrichtung eines Höchster stadtgeschichtlichen Museums, ordnete als dessen Kustos und Leiter die im Krieg ausgelagerten Bestände neu und machte sie zunächst im Zollturm, dann ab 1976 im Höchster Schloss der Öffentlichkeit zugänglich. Zuletzt beschäftigte sich Sch. mit der Neuordnung des Höchster Archivs im Antoniterkloster, das er ebenfalls einem breiteren Publikum eröffnen wollte. Einer seit 1871 bestehenden Familientradition entsprechend, pflegte Sch. auch das allweihnachtliche Turmblasen vom Schlossturm.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Höchster Geschichte, u. a. „Brückewach anno 66” (Mundartschwank, auf dem Höchster Schlossplatz uraufgeführt 1956, im Druck erschienen 1965), „Von de Aal bis zu de Zwiwwele” (Mundartwörterbuch, 1956), „Johann Kaspar Riesbeck, der ‚reisende Franzose’ von Höchst” (1962), „Die kurmainzische Porzellanmanufaktur zu Höchst am Main und ihre Mitarbeiter im wirtschaftlichen und sozialen Umbruch ihrer Zeit” (1964), „Der Verein für Geschichte und Altertumskunde e. V. Ffm.-Höchst 1894-1969” (1970), „Die Kirche St. Justinus zu Höchst am Main” (1973), „Die Höchster Neustadt und der Bolongaropalast” (1975), „Das Dalberger Haus in Höchst am Main und seine Bewohner” (1977), „Das kurmainzische Schloß zu Höchst am Main” (1978), „Der Antoniterorden und sein Haus in Roßdorf-Höchst” (1979), „Höchst am Main” (1981), „Die Juden in Höchst am Main” (1982) und „Chronik von Höchst am Main” (1986 posthum erschienen).
1968 Bundesverdienstkreuz I. Klasse. 1975 Ehrenbrief des Landes Hessen. 1979 Ehrenplakette der Stadt Ffm. Träger des „Goldenen Höchster Schlosses”. Ehrenoffizier der Hoechster Schloßgarde 1956 e. V.
Die 1984 in der Reihe „Höchster Geschichtshefte” erschienene Festschrift zum 90-jährigen Jubiläum des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde ist zugleich Sch. zum 70. Geburtstag gewidmet.
Rudolf-Sch.-Anlage in Höchst.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 249f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Festschrift zum 90jährigen Vereinsjubiläum [des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Ffm.-Höchst]. Dr. Rudolf Schäfer zum 70. Geburtstag. Ffm. 1984. (Höchster Geschichtshefte 42/43).FS Verein für Geschichte u. Altertumskunde Ffm.-Höchst 1984.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.646.

GND: 11874822X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2020 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schäfer, Rudolf. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1003

Stand des Artikels: 16.12.1994