Schindling, Adolf

Schindling, Josef Adolf Andreas. Fabrikant. * 10.11.1887 (Ffm.-)Höchst, † 22.8.1963 Ffm.
Jüngstes von fünf Kindern einer alteingesessenen Höchster Fischerfamilie. Vater der Dressurreiterin Liselott Linsenhoff, geb. Sch. (1927-1999).
Kaufmännische Lehre. Erste kaufmännische Anstellung in Kaiserslautern. 1908 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Tsingtau (China). Kaufmännische Tätigkeit in Hamburg, dann (seit 1910) in Ffm. Kriegsdienst. Am 1.2.1921 gründete Sch. zusammen mit einem Freund die „OSA Apparate GmbH” in Ffm., die sich zunächst nur mit dem Vertrieb, seit 1923 auch mit der Produktion von Automobilinstrumenten, u. a. von Tachometern für die Firmen Adler, Stoewer, Wanderer und Opel, befasste. Mit der 1925 daraus hervorgegangenen „OTA Apparate GmbH” leistete Sch. weiterhin Pionierarbeit auf dem Gebiet der Herstellung von Fahrzeugmessinstrumenten. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Firma trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Krisenjahre stetig aufwärts. 1929 kaufte Sch. das ehemalige „Voigt & Haeffner”-Gelände in der Gräfstraße 103 in Bockenheim, wo er den Stammsitz der inzwischen 300 Mitarbeiter zählenden Firma errichtete. Durch den Zusammenschluss der Ffter „OTA Apparate GmbH” mit der Kraftfahrzeugabteilung der Berliner „DEUTA” 1930 entstand schließlich die „VDO Tachometer AG – Vereinigte DEUTA-OTA”. Seitdem sich Sch. 1942 unter dem Rückzug von der zwischenzeitlich auch betriebenen Raketensteuerungstechnik wieder von der „DEUTA” getrennt hatte, war er mit seiner Ehefrau Elisabeth Charlotte, geb. Paulus (1889-1959), und seiner Tochter Liselott Alleininhaber des Unternehmens. Den Wiederaufbau des 1944 zerstörten Ffter Werks leitete Sch. zusammen mit seinem 1945 eingesetzten Hauptgeschäftsführer und ständigen Vertreter Helmut Spies (1909-1989). 1950 errichtete Sch. zusätzlich die „OTA Apparate Werk Adolf Schindling GmbH”, einen Schwesterbetrieb der VDO, der seitdem Präzisionsinstrumente für industrielle Zwecke herstellte und vertrieb. Im Jahr darauf wurde die VDO unter der Firma „VDO Tachometer Werke Adolf Schindling GmbH” in eine GmbH umgewandelt. Das zu einem der bedeutendsten Zulieferer der Kraftfahrzeug-, Schiffs- und Flugzeugindustrie aufgestiegene Unternehmen mit seinem Ffter Hauptwerk (mit der kaufmännischen und technischen Verwaltung sowie den Montage-Abteilungen für Kfz-Instrumente) vergrößerte Sch. in den folgenden Jahren weiter um Zweigwerke in Ffm.-Heddernheim (zur Herstellung von Parkzeituhren, Luftfahrt- und Industriegeräten, 1956/62), Melbourne (zur Herstellung von Instrumentenausrüstungen für die australische Automobilindustrie, 1957), Sao Paolo (zur Herstellung von Fahrzeugmessinstrumenten für die in Brasilien ansässige Automobilindustrie, 1960), Babenhausen (zur Teilefertigung und Antriebswellenfabrikation, 1961) und Bangalore (zur Herstellung von Fahrzeugmessinstrumenten in Indien, 1962). In den VDO-Werken und werkseigenen Niederlassungen arbeiteten 1962 über 5.000 Menschen. Zum Zeitpunkt von Sch.s Tod war die VDO damit der zweitgrößte Produzent für Fahrzeugmessinstrumente in der Welt.
Als Mitglied des Ffter Renn-Clubs sowie des Ffter Reit- und Fahrclubs förderte Sch., selbst Gestütsherr des hervorragenden Gestüts Asta in Tanneck bei Köln (seit 1949), den Reitsport und den Pferderennsport in Ffm.
1955 Ehrensenator der Technischen Hochschule Darmstadt. 1957 Großes Bundesverdienstkreuz. 1957 Ehrenplakette der Stadt Ffm. Commendatore des Gregoriusordens.
Die 1973 wieder in eine Aktiengesellschaft umgewandelte VDO bestand aufgrund ihres seit Mitte der 1980er Jahre rechtzeitig vollzogenen Einstiegs in die Autoelektronik als eines der bedeutendsten Zuliefererunternehmen der Automobilindustrie fort, allerdings seit dem Rückzug von Sch.s Tochter Liselott 1991 nicht mehr mehrheitlich im Besitz der Familie, sondern des Mannesmann-Konzerns. Ihren Ffter Stammsitz in Bockenheim gab die VDO, die ihre Hauptverwaltung schon früher nach Schwalbach am Taunus verlegt hatte, auf; der Werkskomplex in der Gräfstraße wurde 1989 an eine schwedische Investorengruppe verkauft, und das Werk wurde 1993 nach Karben verlegt. 2001 wurde das Unternehmen an Siemens verkauft und als „Siemens VDO Automotive AG“ weitergeführt, bis es die Continental AG 2007 übernahm und im folgenden Jahr die Bezeichnung „VDO“ im Namen aufgab. Die „VDO Luftfahrtgeräte Werk Adolf Schindling GmbH”, die weiterhin in dem 1988 errichteten Forschungs-, Entwicklungs- und Verwaltungszentrum im Mertonviertel in Heddernheim ansässig war, wurde 1993 von dem Luftfahrzeugausrüster Diehl übernommen und ging 1999/2000 in der Firma „Diehl Avionik Systeme“ auf.
Im Andenken an Sch. wurde seit 1964 jährlich das „Adolf-Sch.-Rennen” als einer der Saisonhöhepunkte auf der Niederräder Pferderennbahn veranstaltet.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 284f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Array
(
    [de] => Array
        (
            [0] => Array
                (
                    [value] => literfasst
                )

        )

)

Literatur:
                        
Gemessene Werte. Hg. v. d. VDO Tachometer Werke Adolf Schindling GmbH, Ffm., aus Anlaß des 75. Geburtstages von Senator Adolf Schindling, dem Gründer und Inhaber. Ffm. 1962.Gemessene Werte 1962. | Rödel, Volker: Fabrikarchitektur in Ffm. 1774-1924. Die Geschichte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Ffm. 1986. (Ffm. – Beiträge zur Stadtentwicklung).Rödel: Fabr. 1986, S. 348. | Wer ist’s? Titel auch: Degener’s Wer ist’s? Titel ab 1923: Wer ist wer? Wechselnde Untertitel: Zeitgenossenlexikon. / Unsere Zeitgenossen. / Das deutsche Who’s who. Leipzig, ab 1928 Berlin 1905-93.Wer ist wer? 1962, S. 1349f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.372. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/2.763 (VDO).

GND: 13957624X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
Einträge zu dieser Person in anderen Datenbanken ansehen

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schindling, Adolf. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1059

Stand des Artikels: 5.5.1995