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Elsner, Hannelore

Hannelore Elsner
Hannelore Elsner bei der Eröffnung der Ausstellung „Die Kommissarinnen“ im Deutschen Filmmuseum in Ffm.
Fotografie von Uwe Dettmar (2005).
© DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum e. V. / Uwe Dettmar, Ffm.
Elsner, Hannelore. Eigentl. Nachname: Elstner. Schauspielerin. Synchronsprecherin. * 26.7.1942 Burghausen/Oberbayern, † 21.4.2019 München, bestattet in Burghausen.
E. stammte aus einfachen Verhältnissen. Tochter des österreichischen Ingenieurs Georg Elstner (1910-1951) aus Salzburg und dessen Ehefrau Katharina, gen. Ina (1913-1973). Zwei Brüder: Manfred Elstner (1940-1945) und Bernd Elstner (* 1945).
Verheiratet in erster Ehe (1964-66) mit dem Schauspieler Gerd Vespermann (1926-2000). Es folgten Beziehungen von 1973 bis 1981 mit dem Regisseur Alf Brustellin (1940-1981) und von 1981 bis 1984 mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger (1949-2011). Verheiratet (von 1993 bis zur Trennung 1998 bzw. Scheidung 2000) mit dem Theaterdramaturgen Uwe B. Carstensen (* 1955). Danach lebte E. bis 2002 mit dem Literaturprofessor Günter Blamberger (* 1951) zusammen. Aus der Verbindung mit dem Regisseur Dieter Wedel (1939-2022) stammt ein Sohn, Dominik David Maximilian Elstner (* 1981), der als Fotograf in Köln und Ffm. arbeitet.
Als Kleinkinder verbrachten E. und ihr älterer Bruder Manfred kurze Zeit in einem Kinderheim. Der vierjährige Manfred kam Ende März 1945 bei einem Tieffliegerangriff ums Leben. Schon vor dem frühen Tod des Vaters, der mit 40 Jahren an Tuberkulose starb, zog die Mutter mit den beiden jüngeren Kindern nach Neuötting. Dort blieb E. bei der Großmutter, während die Mutter später nach Burghausen zurückging und ein Schreibwarengeschäft eröffnete. E. besuchte die Volksschule in Neuötting und in Burghausen, kam auf ein katholisches Klosterinternat der Englischen Fräulein in Neuötting und legte an der Volksschule in Burghausen die Aufnahmeprüfung für die höhere Schule ab. Danach ging sie kurzzeitig auf das Realgymnasium in Burghausen, wechselte auf das Deutsche Gymnasium (heute: Auersperg-Gymnasium) in Passau-Freudenhain, wieder ein Internat der Englischen Fräulein, und dann auf das Max-Josef-Stift in München, bevor sie schließlich auf das humanistische Gymnasium in Burghausen ging. In München, wo die Familie seit etwa 1956 lebte, besuchte sie eine Handelsschule.
E. kam durch einen Zufall zur Schauspielerei: Sie wurde von dem türkischen Regisseur Halit Refiğ (1934-2009) auf der Straße „entdeckt“ und für einen Film in Istanbul verpflichtet, der zwar geprobt, aber nie gedreht wurde. Anschließend erhielt sie einen Ausbildungsvertrag bei der Filmfirma „Constantin“ und ging auf die Schauspielschule. Durch die Vertragsbindung konnte sich E. ihre ersten Rollen nicht aussuchen und wurde aufgrund ihres Aussehens besetzt. Sie debütierte 1959 in einer Nebenrolle in der Filmkomödie „Immer die Mädchen“ (Regie: Fritz Rémond; mit Hans-Joachim Kulenkampff und Vivi Bach). Erste Erfolge feierte sie bereits Anfang der 1960er Jahre. Ihre erste bemerkenswerte Fernsehrolle spielte sie 1962 in der Folge „Spur 211“ der Krimiserie „Stahlnetz“ (Regie: Jürgen Roland). Als ihren Lieblingsfilm, den sie in jenen Jahren drehte, bezeichnete sie selbst einmal das Filmdrama „Die endlose Nacht“ (Regie: Will Tremper, 1963). Spätestens ab 1962 hatte E. auch erste Theaterengagements. Für einen kleinen Skandal sorgte sie 1966, als sie in dem Stück „Tango“ (Regie: Dieter Giesing) nackt auf der Bühne der Münchner Kammerspiele stand, „wenn auch nur drei, vier Sekunden lang“, wie sie einmal sagte. Um sich von ihrem Rollenklischee im Film der 1960er Jahre zu befreien, konzentrierte sich die Schauspielerin zunehmend auf anspruchsvolle Rollen, orientiert am französischen Kino. Im Laufe ihrer Karriere wandelte sich E. zu einer der bekanntesten und vielseitigsten Charakterdarstellerinnen Deutschlands und war in über 200 Film- und Fernsehrollen zu sehen. Seit der Jahrtausendwende als „Grande Dame“ des deutschen Films gefeiert, gehörte sie zu den Schauspielerinnen, die Rollen für attraktive, selbstbewusste und sensible Frauen über 50 durchsetzten und mit Distanz zur Frauenbewegung der 1970er Jahre ihren eigenen Weg gingen.
Ab 1990 lebte E. zeitweise in Ffm. Damals wurde ihr Lebensgefährte und späterer Mann Uwe B. Carstensen zum Leiter der Theaterabteilung im S. Fischer Verlag berufen, und die Familie zog von München nach Ffm. E. fing an, die Erzählerin in musikalischen Märchen für Kinder an der Ffter Oper unter Sylvain Cambreling (* 1948) zu spielen und Hörbücher zu lesen. Sie trat mit Lesungen u. a. bei der Jüdischen Gemeinde, im Kulturprogramm des Hessischen Kultusministeriums und im Theater am Turm (TAT) auf. Über das TAT lernte sie den Intendanten Tom Stromberg (* 1960) und den belgischen Autor, Regisseur und Performance-Künstler Jan Fabre (* 1958) kennen. In der Inszenierung von dessen neuem Monodrama „Eine tot-normale Frau“ am TAT (1996) war sie die Protagonistin, die in einem 90 Minuten langen Prosagedicht aus Emotionen, Assoziationen, Zauberformeln und magischen Ritualen einen Dialog mit ihrem inneren Mann führt. Das Experiment, das von der Kritik ziemlich verrissen wurde, entwickelte sich zu einer Kultveranstaltung: Alle 40 Vorstellungen waren ausverkauft.
Bereits ab 1993 wurde die Fernsehserie „Die Kommissarin“ mit E. in der Titelrolle gedreht. Der Münchner Produzent Georg Althammer (* 1939) hatte die Idee zu der neuartigen Krimiserie, in deren Zentrum die Ermittlungsarbeit einer alleinerziehenden Kommissarin stehen sollte – in Berlin oder München. Er gewann E. für die Rolle, die allerdings auf Ffm. als Drehort bestand. Den ursprünglichen Titel „Dezernat M“ änderte sie in „Die Kommissarin“, und ihre Figur nannte sie „Lea Sommer“ (statt „Martina Winter“). Die populäre Serie lief von 1994 bis 2006 in sechs Staffeln mit insgesamt 66 Folgen in der ARD. In den ersten beiden Staffeln spielte Til Schweiger (* 1963) den Assistenten von Hauptkommissarin Lea Sommer. Als E. den ehemaligen Ffter Polizeihauptkommissar Fred Prase (1946-2003) kennenlernte, ließ sie sich in den Vertrag schreiben, dass er jedes Drehbuch vorab auf mögliche Fehler in der dargestellten Polizeiarbeit prüfen solle. Für „Die Kommissarin“ erhielt E. 1995 den Telestar als beste Darstellerin in einer Serie.
Ihre größten Erfolge feierte E. mit der Rückkehr auf die Kinoleinwand. In dem Spielfilm „Die Unberührbare“ von Oskar Roehler (* 1959) verkörperte sie die Schriftstellerin Hanna Flanders (orientiert an der Namensvetterin Gisela Elsner, der Mutter des Regisseurs) in deren letzter Lebensphase. Mit der Rolle, die sie selbst als ihren Auf- und Durchbruch bezeichnete, gelang ihr eines der großen Frauenporträts des deutschen Films. Für ihre Darstellung erhielt E. im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis, den Preis der deutschen Filmkritik und den Bayerischen Filmpreis. Zudem wurde der Film 2001 mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet. 2003 gewann sie für ihre Rolle als alternde Schauspielerin in „Mein letzter Film“ (Buch: Bodo Kirchhoff, Regie: Oliver Hirschbiegel, 2002) erneut den Deutschen Filmpreis. Auch die Komödie „Alles auf Zucker!“ (Regie: Dani Levy, 2004) und das Drama „Kirschblüten – Hanami“ (Regie: Doris Dörrie, 2008), in denen sie mitwirkte, wurden vielfach preisgekrönt.
E. stand bis kurz vor ihrem Tod vor der Kamera. Sie starb mit 76 Jahren an einer Krebserkrankung. Ihre letzte abgeschlossene Fernseharbeit war eine „Tatort“-Folge des Hessischen Rundfunks, die unter dem Titel „Die Guten und die Bösen“ am 19.4.2020 – fast genau ein Jahr nach E.s Tod – erstmals ausgestrahlt wurde. E. spielt darin die Rolle einer pensionierten Kommissarin, die einen Vergewaltigungsfall nie aufklären konnte.
Mitglied im Förderkreis des Deutschen Filminstituts/Deutschen Filmmuseums. 2003 Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie. Schirmherrin der Deutschen AIDS-Stiftung.
„Im Überschwang. Aus meinem Leben“ (Autobiographie, 2011).
Zahlreiche weitere Ehrungen und Auszeichnungen, u. a. Bundesverdienstkreuz am Bande (1997), Bambi (2002), Adolf-Grimme-Preis (als beste Darstellerin in dem Fernsehfilm „Ende der Saison“, 2002), Hessischer Fernsehpreis (für den Fernsehfilm „Claras Schatz“, 2003), Bundesverdienstkreuz I. Klasse (2005), Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten zum Bayerischen Fernsehpreis (2006), Bayerischer Verdienstorden (2008), Ehrenpreis zum Bayerischen Filmpreis (2010) sowie Ehrenpreis zum Hessischen Film- und Kinopreis (2012).
Der Fernsehfilm „Lang lebe die Königin“ (Regie: Richard Huber, 2020) sollte das letzte Projekt von E. werden; sie konnte ihn nicht mehr beenden. Da noch fünf Drehtage mit E. fehlten, übernahmen ihre Kolleginnen Gisela Schneeberger, Judy Winter, Iris Berben, Eva Mattes und Hannelore Hoger die Szenen, die die schwerkranke Schauspielerin nicht mehr selbst hatte abdrehen können, um den Film fertigzustellen. Keine sah ihr ähnlich, alle traten mit starkem Make-up und der Kleidung auf, wie sie E. in ihrer Rolle trägt, als sichtbare Verbeugung vor einer großen Schauspielerin.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Claudia Olbrych.

Lexika: Reufsteck, Michael/Niggemeier, Stefan: Das Fernsehlexikon. Alles über 7.000 Fernsehsendungen von Ally McBeal bis zur ZDF-Hitparade. Mit einem Vorwort von Bastian Pastewka. München 2005.Reufsteck/Niggemeier: Fernsehlex., S. 672f. | Weniger, Kay: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. 8 Bde. Berlin 2001.Weniger: Personenlex. d. Films 2, S. 546f.
Literatur:
                        
Börchers, Sabine: 101 Frauenorte in Fft. [Ffm.] 2016.Börchers: 101 Frauenorte 2016, S. 30f. | Elsner, Hannelore: Im Überschwang. Aus meinem Leben. Köln 2011.Elsner: Im Überschwang. Aus meinem Leben 2011. | Hoffmann, Hilmar: Fft.s starke Frauen. Begegnungen 1945 bis heute. [Untertitel der 3., aktualisierten u. überarb. Aufl.: Ohne Quote ganz nach oben.] Ffm. 2006, 3. Aufl. 2014.Hoffmann: Frauen 2006, 3. Aufl. 2014, S. 91-100. | Sarkowicz, Hans: Hessen hat ein Gesicht. Außergewöhnliche Persönlichkeiten gestern und heute. Ausgewählt von Klaus Eiler, Volker Mosbrugger, Hans Sarkowicz, Klaus Pohl, Bernd Loebe, Juliane Kuhlmann und Klaus Euteneuer. Ffm. 2013.Sarkowicz: Hessen hat ein Gesicht 2013, S. 174-176.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Hierholzer, Michael: Auch eine Ffter Größe. In: FAZ, 24.4.2019. | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Körte, Peter: Die Berührbare. In: FAZ, 24.4.2019. | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Hupertz, Heike: Eine für alle, alle für eine. In: FAZ, 28.4.2020. | Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.Nachruf von Harry Nutt in: FR, 24.4.2019. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/14.510. | Mitteldeutscher Rundfunk.BRISANT prominent: Hannelore Elsner wird 75. Fernsehbeitrag in: Brisant [d. i. ein Boulevardmagazin der ARD], MDR, 2017. | Neue Zürcher Zeitung. Zürich 1780-heute.Muscionico, Daniele: Hannelore Elsner, die kapriziöseste aller deutschen Filmdiven, ist tot. In: NZZ, 23.4.2019. | Spiegel TV. [Fernsehproduktionsfirma des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“.] Hamburg 1990-heute.Lenz, Ingo: Hannelore Elsner im SPIEGEL TV Interview. Spiegel TV, 1995.
Internet: Grabstätten berühmter Persönlichkeiten weltweit, Internetseite von Klaus Nerger, Wiesbaden. https://www.knerger.de/html/elsnerhaschauspieler_14.htmlGrabstätten berühmter Persönlichkeiten, 6.8.2022. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Hannelore_ElsnerWikipedia, 5.8.2022.

GND: 134984676 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Olbrych, Claudia: Elsner, Hannelore. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/11137

Stand des Artikels: 19.8.2022
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2022.