Sprenger, Johann Theodor

Johann Theodor Sprenger

Johann Theodor Sprenger
Radierung von Christoph Metzger nach einer eigenen Zeichnung (Universitätsbibliothek Leipzig, Porträtstichsammlung, Inventar-Nr. 49/120, Permalink: http://www.portraitindex.de/documents/obj/33208469).

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Sprenger (von Heichlingen), Johann Theodor. Ursprüngl. Nachname: Sprenger; zuletzt durch Nobilitierung: Sprenger von Heichlingen. Dr. jur. Jurist. * 12.7.1630 Butzbach, † 23.1.1681 Salzburg.
S. stammte aus einer in Marburg und in der Wetterau sesshaften Familie von Juristen, die als Advokaten oder als Räte für Hessen-Darmstadt, Ysenburg, Solms oder Ffm. tätig waren. Sohn von Ernst S. (1603-1667), Advokat und auswärtigem Rat in Ffm., und dessen erster Ehefrau Sara, geb. von Stetten (1603-1633).
Seit 1633 in Ffm., besuchte S. die Lateinschule und begann schon ab 1649 zu publizieren („Synopsis de imperio Romano-Germanico“), um dann aber drei Jahre in Frankreich und in den Niederlanden zu studieren und den juristischen Doktortitel zu erwerben. 1652 erschien ein Fürstenspiegel („Bonus Princeps“). 1654 heiratete er die Ffter Schöffentochter Maria-Catharina Müller (1629-1700) und versuchte gleichzeitig, an der Universität Heidelberg Fuß zu fassen. Er hielt dort Vorlesungen und betreute eine Dissertation, bekam aber keine Anstellung. Von Ffm. aus publizierte S. zahlreiche Schriften, darunter 1655 ein „Baurecht“ („De iure aedificii“), ein Buch zur aktuellen Lage in Polen (1656) und einen auf Sentenzen reduzierten „Tacitus Axiomaticus“ (1658). Wie schon sein Vater, wurde er in dieser Zeit hessen-darmstädtischer Rat, auch sächsisch-magdeburgischer Rat, orientierte sich aber zunehmend, wie die Widmungen seiner Bücher zeigen, an einflussreichen Personen katholischer Territorien.
1660 unternahm S. eine lange Reise nach Rom und Neapel, aus der ein anschaulicher Bericht entstanden ist („Roma nova“, 1660). Eine für Ffter Kaufleute geschriebene „Kurtze Wechsel-Pracktick“ schloss sich an (1662), ebenso ein Gutachten zugunsten der Ffter Juden. 1662 wechselte S. kurzzeitig als Geschäftsträger für Pfalz-Zweibrücken und die Reichsabtei Herford an den in Regensburg tagenden Reichstag, wo er seine Beziehungen nach Wien und Salzburg ausbaute. 1666 konvertierte S., ursprünglich lutherisch getauft, öffentlich in St. Bartholomäus in Ffm. zum Katholizismus. Alsbald wurde er vom Salzburger Fürsterzbischof Guidobald Graf Thun-Hohenstein (1616-1668) als Rat berufen. Dessen Nachfolger Max Gandolf von Kuenburg (1622-1687) ernannte ihn 1677 zum Hofkanzler. In dieser Funktion war S. mitverantwortlich für die berüchtigten Salzburger „Hexenverfolgungen“, die vor allem arme Jugendliche betrafen und insgesamt zu 167 Hinrichtungen führten. Treibende Kraft war allerdings der Jurist Sebastian Zillner. An den ab 1686 einsetzenden Protestantenvertreibungen Kuenburgs (Dürrnberg, Defereggental) war S. nicht mehr beteiligt.
Am 22.1.1681 machte S. sein Testament und starb am folgenden Tag. Begraben wurde er in Salzburg-Mülln neben der damaligen Augustinerkirche. Sein Leben ist beispielhaft für eine im 17. Jahrhundert aufstrebende Schicht von Akademikern, die in fürstlichen und städtischen Diensten aufstiegen und sich dem Ffter Patriziat assimilierten.
S.s Schriften leisteten einen wesentlichen Beitrag für die „Verrechtlichung“ der Spätphase der Reichsverfassung zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und dem Ende des Reichs 1806. Seine zahlreichen Werke zum öffentlichen Recht des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation waren jedoch im 18. Jahrhundert nicht mehr aktuell. Ihr Autor wurde zwar noch in den Gelehrtenlexika erwähnt, aber nicht mehr zitiert.
Die in Ffm. verbliebene Tochter Anna Sibylla S. (1655-1717) heiratete in erster Ehe 1679 Johann Hieronymus Stalburg (auch: Stalburger; 1627-1692), in zweiter Ehe Johann Adolf von Lersner (1653-1703).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Michael Stolleis.

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 566.
Literatur:
                        
Stolleis, Michael: „recht erzählen“. Regionale Studien 1650-1850. Ffm. 2021. (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 341).Stolleis, Michael: Johann Theodor Sprenger (1630-1681). In: Stolleis: „recht erzählen“ 2021.

GND: 123479851 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Stolleis, Michael: Sprenger, Johann Theodor. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/12064

Stand des Artikels: 5.3.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2021.