Stickelmann, Hermann

Stickelmann, Hermann. Mechaniker. Matrosenführer. * 22.9.1893 Aachen, † 24.1.1949 Falkensee bei Berlin.
Der gelernte Mechaniker diente während des Ersten Weltkriegs bei verschiedenen Seefliegerabteilungen und wurde gegen Kriegsende zum Ersatzbataillon des Infanterieregiments 81 in Ffm. versetzt, wo er den Ausbruch der Revolution erlebte. Am 8.11.1918 in den Soldatenrat gewählt, hatte er als dessen Vertrauensmann mit den in diesen Tagen zugweise eintreffenden Matrosen, den „Sturmvögeln der Revolution“, zu verhandeln. An der Spitze des Marinesicherungsdienstes, der im Dezember 1918 durch den damaligen Polizeipräsidenten Hugo Sinzheimer innerhalb der Hilfspolizeitruppe eingerichtet worden war, ging S. entschieden vor allem gegen die organisierte Schieber- und Bandenkriminalität in Ffm. vor. Den Massenplünderungen und Gewalttaten eines aufgebrachten Mobs am 31.3.1919 setzte die „blaue Stickelmanngarde“ nach bürgerkriegsähnlichen Kämpfen in der Nacht zum 1.4. ein Ende. Auf dem Gipfel der Popularität bildeten sich zahlreiche Legenden um die schillernde und umstrittene Gestalt S.s. Nach massiven Vorwürfen wegen Brutalität, Bereicherung sowie Spionage bzw. Kollaboration mit der französischen Offiziersgesandtschaft zog sich S. den Zorn der national gesinnten Bevölkerung zu, indem er im Juni 1919 drei deutsche Spione an die Franzosen auslieferte. S. verließ Ffm., als am 22.11.1919 im Verlauf der Demontage der revolutionären Institutionen das Polizeipräsidium durch Reichswehrtruppen erstürmt wurde. Bis zu seiner Verhaftung im April 1926 in Mainz lebte S. als Kaufmann in seiner Heimatstadt Aachen. Am 18.6.1926 verurteilte ihn das Reichsgericht Leipzig wegen Landesverrats und Amtsbestechung zu einer Strafe von 15 Jahren Zuchthaus, die im umstrittenen Ffter „S.-Prozess“ vom Februar 1928 wegen Körperverletzung im Amt um zwei Jahre verlängert wurde. In der NS-Zeit von der Geheimen Staatspolizei als Sonderhäftling übernommen, war S. zuletzt bis Kriegsende in einem Nebenlager des KZ Sachsenhausen in Falkensee bei Berlin inhaftiert.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 435, verfasst von: Felix Blömeke.
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Literatur:
                        
Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 571. | Geschichte der Ffter Polizei in Wort und Bild. Hg.: Kurt Kraus, Pressestelle, Polizeipräsidium Fft. Ffm. [1981].Kraus: Ffter Polizei 1981, S. 125ff. | Neuland, Franz: Die Matrosen von Fft. Ein Kapitel Novemberrevolution 1918/19. Hg. v. Verein für Ffter Arbeitergeschichte. Ffm. 1991.Neuland: Matrosen 1991.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/9.394.

GND: 133783987 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Blömeke, Felix: Stickelmann, Hermann. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1344

Stand des Artikels: 20.3.1995