Tochter des Oberlehrers Friedrich Sch. aus Hagen und dessen Ehefrau Katharina, geb. Lehmann. Ledig. Keine Kinder.
Sch. besuchte zunächst drei Jahre lang die Volksschule und anschließend bis 1913 das städtische Lyzeum in Hagen. Nach dem Umzug der Familie in den Taunus wurde sie zwischen 1913 und 1920 von ihrem Vater im Privatunterricht auf ein Hochschulstudium vorbereitet. Im Herbst 1920 legte sie am Wöhler-Realgymnasium in Ffm. die Reifeprüfung ab. Aufgrund der wirtschaftlichen Notjahre nach dem Ersten Weltkrieg konnte Sch. zunächst nicht studieren und arbeitete im Gartenbau und als Hauslehrerin. Im Wintersemester 1927/28 besuchte sie Vorlesungen zur Geschichte, Urgeschichte und Philosophie in Freiburg im Breisgau. Sie wechselte zum Sommersemester 1928 nach Marburg und anschließend nach Ffm., wo sie Geologie und Paläontologie, Biologie sowie Geografie studierte. Im Februar 1934 legte sie die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab.
Schon im Kindesalter hatte Sch. ein ausgeprägtes Interesse an naturkundlichen Fragen gezeigt und eine besondere Faszination für die Paläontologie entwickelt. Während ihres Studiums prägten sie insbesondere die Vorlesungen von Rudolf Wedekind (1883-1961) in Marburg, die sie in der Entscheidung bestärkten, sich ganz der Geologie und Paläontologie zu widmen. Nach ihrer Abschlussprüfung 1934 wandte sich Sch. an
Rudolf Richter bezüglich einer Anstellung am Senckenbergmuseum in Ffm. Ab dem 1.4.1936 war Sch. als wissenschaftliche Hilfsassistentin am Senckenbergmuseum in Ffm. tätig; 1939 wurde sie zur wissenschaftlichen Assistentin ernannt. Zu ihrem Aufgabenbereich gehörte die redaktionelle Betreuung der wissenschaftlichen Senckenberg-Zeitschrift „Natur und Volk“, wodurch sie maßgeblich zur Vermittlung aktueller Forschungsergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit beitrug. Daneben war sie in die Betreuung der Sammlungen und in administrative Tätigkeiten unter der Leitung von
Rudolf Richter eingebunden; zudem war sie mit eigenen wissenschaftlichen Arbeiten befasst. In dieser Zeit nahm Sch. regelmäßig an Forschungsexkursionen teil, u. a. in die Hillesheimer Mulde, in die Eifel, nach Böhmen sowie in weitere geologisch relevante Regionen, woran neben
Richter auch andere Ffter Geologen und Geologinnen wie Hans Theodor Reuling (1905-1946), Ludwig Happel (1907-1986), Emma Richter (1888-1956) und
Tilly Edinger beteiligt waren.
Während ihrer Anstellung am Senckenbergmuseum begann Sch. eine Promotion in Paläontologie an der Universität Ffm. unter der Betreuung von
Rudolf Richter. Am 12.4.1937 wurde ihr von der Naturwissenschaftlichen Fakultät die Doktorwürde mit der Benotung „sehr gut“ für ihre Arbeit „Zur Morphogenie der Rhynchonelliden“ verliehen, eine innovative Studie über marin lebende Brachiopoden, die in der Fachzeitschrift „Senckenbergiana“ 1937 veröffentlicht wurde und internationale Anerkennung fand. Diese Arbeit und Sch.s Publikation „Das stropheodonte Schloss der Brachiopoden“ (1951) gelten auch heute als Referenzwerke; ihr Buch über „Die mitteldevonischen Rhynchonelliden der Eifel“ (1941) ist ebenfalls ein Standardwerk. Im internationalen Handbuch und Sammelwerk „Treatise on Invertebrate Paleontology“ zur systematischen Paläontologie der Wirbellosen verfasste sie den Beitrag zu den Rhynchonelliden im Band über die Brachiopoden (mit Digby J. McLaren, 1965).
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Sch. eine tatkräftige Helferin bei dem Wiederaufbau und der Rückführung der Sammlungen des Senckenbergmuseums. Auch übernahm sie die Redaktionsleitung der Zeitschrift „Natur und Volk“ in Vertretung für
Rudolf Richter und brachte die Publikation über die Krisenjahre. Sch. führte eine enge fachliche und persönliche Beziehung zu Emma und
Rudolf Richter. Im Spruchkammerverfahren gegen
Rudolf Richter, der bereits 1933 in die NSDAP eingetreten war, setzte sich Sch. für die Entlastung
Richters ein. Auch verfasste Sch. als „Ghostwriterin“ eine 36-seitige Denkschrift zur NS-Zeit in der SNG, die die Gesellschaft bei der Entnazifizierung 1945/46 entlasten sollte. Sch. selbst wurde 1947 als „nicht betroffen“ vom Befreiungsgesetz eingestuft. 1951 gab Sch. die Festschrift zum 70. Geburtstag von
Rudolf Richter mit heraus. Nach dem Tod von Emma und
Rudolf Richter verfasste Sch. diverse Nachrufe und später ein Gedenkbuch „
Rudolf Richter 1881-1957 in seinen Worten“ (1982); zudem stellte sie deren unvollendeten Beitrag zum Band über Trilobiten (hg. v. Raymond C. Moore, 1959) des Sammelwerks „Treatise on Invertebrate Paleontology“ fertig. In einem Nachruf für
Rudolf Richter attestierte Sch. ihrem früheren Chef, er habe in der NS-Zeit den „Ehrenschild der Gesellschaft [d. i. der SNG] von Unrecht rein gehalten“ und Senckenberg zu einem „Hort der Menschlichkeit“ gemacht. (Zit. nach Hansert: Senckenberg-Forschungsmuseum im Nationalsozialismus 2018, S. 246.) Zur Haltung
Richters zum Nationalsozialismus gibt es seit 2018 neue belastende Erkenntnisse, wobei die fraglichen Vorgänge von Sch. unerwähnt geblieben waren.
Zum 1.9.1960 schied Sch. aus dem aktiven Dienst aus und war fortan als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Senckenbergmuseum tätig. Im Jahr 1963 erlitt sie einen schweren Verkehrsunfall, bei dem sie an einem Zebrastreifen von einem Motorradfahrer erfasst wurde, und trug bleibende Beeinträchtigungen (Gleichgewichtsstörungen, Gehörverlust, Sehbehinderungen) davon. Dennoch setzte Sch. ihre wissenschaftliche Arbeit kontinuierlich fort. Ihr lebenslanges Forschungsinteresse galt den Brachiopoden (Armfüßern), die zu den wichtigsten biostratigraphischen Leitfossilien geologischer Karten zählen, sowie den Wechselbeziehungen zwischen Gehäusegestalt, Funktion und Lebensweise dieses marinen Tierstamms. Sie interpretierte u. a. das Phänomen des „mehrzyklischen Wachstums“ und untersuchte die „Randstacheln“ der Uncinuliden (devonischen Brachiopoden). Sch. war bemüht, durch neue Fossilfunde im „Klassischen Geviert“ des Vordevons paläontologisch Erdgeschichte zu erschließen.
In ihrem Ruhestand unterstützte Sch. das Senckenbergmuseum auch finanziell, wodurch die Einrichtung der „Herta-Schmidt-Schränke“ in der Brachiopoden-Sammlung ermöglicht wurde. Zum Dank wurde sie 1973 zum Ewigen Mitglied der SNG ernannt.
1967 Cretzschmar-Medaille der SNG. 1989 Ernennung zum Ehrenmitglied der Paläontologischen Gesellschaft.
Porträtzeichnung (von Renate Klein-Rödder) als Umschlagbild des Hefts der Zeitschrift „Natur und Museum“ vom Januar 1994.
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