Verleger, August

Verleger, August. Pädagoge. Schulbuchverleger. Schriftsteller. * 7.8.1883 Gütersloh, † 13.10.1951 Ffm.
Besuch der Präparandenanstalt Schildesche und des Lehrerseminars in Gütersloh. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Volksschullehrer im Kreis Minden und Duisburg kam V. 1909 nach Ffm., wo er an der Hölderlinschule unterrichtete. Hier absolvierte er zusätzlich die Prüfung zum Mittelschullehrer sowie die Rektorenprüfung. 1919 übertrug die städtische Schuldeputation V. die Leitung der „Jugendherberge” des Erziehungs-Vereins Ffm., einer Fürsorgeanstalt für sozialgefährdete Jugendliche. Nach einer Übergangszeit wurde V. in den Beamtendienst übernommen. Aus den zu klein gewordenen Räumen im ehemaligen Bürgerhospital in der Stiftstraße zog die „Jugendherberge” 1921 in das Gebäude des früheren Bockenheimer Krankenhauses in der Ginnheimer Landstraße um und erhielt nun den Namen „Westendheim”. V. verwirklichte im „Westendheim” ein sozialpädagogisch fortschrittliches Konzept, das die Abschottung der Jugendlichen von der Außenwelt während des Heimaufenthalts vermied. Arbeit und Freizeit konnten überwiegend außerhalb des Heims verbracht werden. V.s pädagogisches Wirken fand beim Ffter Jugendamt bald große Anerkennung. Infolge der Wirtschaftskrise und dem damit einhergehenden Ausbleiben von Zuschüssen musste das „Westendheim” Ende 1932 schließen. Nach dem nationalsozialistischen Machtantritt wurde V., der sich einem Arrangement mit dem Nationalsozialismus verweigerte, in den Ruhestand versetzt; das Gebäude des „Westendheims” wurde von der SA übergangsweise als Konzentrationslager für Gewerkschaftsfunktionäre verwendet.
V. ging in der Folgezeit ganz der schriftstellerischen Arbeit nach. Bereits 1926 hatte er einen Band mit Nacherzählungen der „Alt-Ffter Sagen” (4 Auflagen bis 1952) veröffentlicht. Eine 1931 im Vorabdruck bei der FZ und bei Englert & Schlosser als Buch erschienene Novelle „Das Rattenhäuschen” wurde nach 1933 eingestampft. 1938 konnte der Roman „Lüttkemanns Brink” herauskommen. In mehreren Jugendbüchern beschrieb V. technische Erfindungen und Erfinder: „Philipp Reis und sein Telephon” (1951), „Nikolaus August Ottos Weg zu seinem Motor”, „Die gebändigte Flamme” und „Das Wunder aus dem Nichts”. 1948 kam die Erzählsammlung „Rote Geranien” heraus, und erst posthum erschienen V.s Kriegserinnerungen „Der alte Möhle” sowie der historische Roman „Der Weg durch die Hölle”.
Gleich nach Kriegsende hatte V. mit großem Engagement begonnen, vom nationalsozialistischen Geist gereinigte Schulbücher zu erstellen. Von den amerikanischen Militärbehörden dazu ermuntert, bemühte sich der politisch Unbelastete um die Lizenzierung eines Schulbuchverlags. Trotz zahlreicher bürokratischer und organisatorischer Schwierigkeiten gelang V. die Gründung des „Hirschgraben-Verlags”, der ab 1946 im Grüneburgweg seine Arbeit aufnahm und sich schnell zu einem renommierten Schulbuchverlag entwickelte.
Anlässlich von V.s 75. Geburtstag erschien 1958 die Schrift „August V. zum Gedächtnis”.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 509, verfasst von: Reinhard Frost.
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Literatur:
                        
August Verleger zum Gedächtnis. 7. Aug. 1958. 1883-1958. Ffm. 1958.August Verleger zum Gedächtnis 1958. | Hansert, Andreas: Justina Catharina Steffan von Cronstetten (1677-1766). Patrizierin – Pietistin – Stifterin. Ffm. [Copyright 2016]. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bürgerstiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 13).Hansert: Justina Catharina Steffan von Cronstetten 2016, S. 137-142.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.952.

GND: 189502142 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Verleger, August. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1591

Stand des Artikels: 25.6.1995