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Blum, Robert

Blum, Robert. Politiker und Publizist. * 10.11.1807 Köln, † 9.11.1848 Wien (auf der Brigittenau standrechtlich erschossen).
Mitglied und einer der vier Vizepräsidenten des Ffter Vorparlaments. Vizepräsident des Fünfziger-Ausschusses. Als Abgeordneter Leipzigs gehörte B. der Deutschen Nationalversammlung in der Ffter Paulskirche an. Er arbeitete im Verfassungs-Ausschuss, im Ausschuss für die Geschäftsordnung und im Ausschuss für die Zentralgewalt mit. Führer der gemäßigten Linken („Deutscher Hof“), die er als erste Fraktion straff organisierte. Gemeinsam mit Johann Georg Günther (1808-1872) und Wilhelm Schaffrath (1814-1893) redigierte B. das Organ der Linken, die „Deutsche Reichstagszeitung“. Auf dem Demokratenkongress in Ffm. (14.-19.6.1848) vertrat er die sozialpolitischen Forderungen der Arbeiterschaft. B. war einer der hervorragenden Redner der Nationalversammlung. In seinen Reden vertrat er das Prinzip der Volkssouveränität und trat für die Schaffung einer deutschen Republik auf gesetzlichem Wege ein. Allerdings zeigte er sich in seinen Konzepten zur Erreichung der von ihm formulierten Ziele schwankend. Seine Angriffe gegen die Mehrheit der Linken, die seiner Auffassung nach nicht mehr dem Volkswillen gerecht wurde, führten dazu, dass sich seine Gefolgschaft von ihm distanzierte: Den extremen Linken erschien B. zu gemäßigt, den weiter rechts Stehenden zu radikal. B. nahm nun eine ziemlich aussichtslose Position ein und zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung der Revolution.
Am 12.10.1848 wurden B., Julius Fröbel (1805-1893), Moritz Hartmann (1821-1872) und Albert Trampusch (1816-1898) nach Wien abgeordnet, um dort eine Sympathieadresse an die Aufständischen zu überbringen. Am 2.11.1848 wurden B. und Fröbel in Wien verhaftet und am 8.11.1848 durch ein Kriegsgericht zum Tod durch den Strang verurteilt. B. wurde am 9.11.1848 standrechtlich erschossen, während Fröbel begnadigt wurde. Die Erschießung B.s bot sich als politischer Akt dar. Die Kluft zwischen der Ffter Nationalversammlung und dem wiedererstarkten Staat Österreich wurde nun deutlich. Das Parlament erwies sich als ohnmächtig, als der Protest gegen diese Erschießung eines an sich unantastbaren Abgeordneten bei der österreichischen Regierung fruchtlos blieb. B.s Tod löste allgemeine Empörung und die Radikalisierung der revolutionären Ideen aus. Die politische Wirkung von B.s Erschießung führte zu einer Überschätzung B.s als Politiker. Heute sieht man seine Bedeutung im Wesentlichen in seinen organisatorischen Leistungen für eine linke Fraktion und in seiner großen Beliebtheit beim Volk. Er wurde immer wieder als Märtyrer für die demokratische Freiheit gefeiert, und sein Tod wurde als Symbol für die gescheiterte Revolution gedeutet.
Eine Trauerfeier für B. war in Ffm. wegen Streitigkeiten über das Programm gescheitert, doch wurde allgemeine Trauer angeordnet. Außerdem wurde eine Sammlung für die Hinterbliebenen B.s veranstaltet, die auch von einem Lokalausschuss in Ffm. gefördert wurde. Am Todestag B.s wurde in Ffm. seit 1849, über 25 Jahre lang, an einer (jährlich wechselnden) schwer zugänglichen Stelle von Unbekannten eine schwarze Trauerfahne gehisst, obwohl die Obrigkeit das immer wieder zu verhindern versuchte.
Robert-B.-Schule, eine Grundschule, in Höchst.
In (Karben-)Petterweil, wo B. am 9.7.1848 seine „Wiesenrede“ hielt, wurde ihm 1849 wohl das einzige Denkmal in Deutschland gesetzt. Das Denkmal musste nach Scheitern der Revolution entfernt werden, wurde jedoch 1895 wiedererrichtet.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 77f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Klötzer, Wolfgang: Abgeordnete und Beobachter. Kurzbiographien und Literaturnachweise. In: Wentzcke, Paul: Ideale und Irrtümer des ersten deutschen Parlaments (1848-1849). Heidelberg 1959. (Sonderausgabe des dritten Bandes von Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, im Auftr. der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung hg. v. Paul Wentzcke und Wolfgang Klötzer).Klötzer/Wentzcke: FNV, S. 280. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.Erich Angermann in: NDB 2 (1955), S. 322-324.
Literatur:
                        
Freitag, Sabine (Hg.): Die Achtundvierziger. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49. München 1998.Maentel, Thorsten: Robert Blum: Ich sterbe für die Freiheit, möge das Vaterland meiner eingedenk sein! In: Freitag (Hg.): Die Achtundvierziger 1998, S. 134-145. | Steinmeier, Frank-Walter (Hg.): Wegbereiter der deutschen Demokratie. 30 mutige Frauen und Männer 1789-1918. München [Copyright 2021].Clark, Christopher: Robert Blum (1807-1848). Mann des Volkes, Märtyrer der Revolution. In: Steinmeier (Hg.): Wegbereiter d. dt. Demokratie 2021, S. 173-186.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/233.

GND: 118511947 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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© 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Blum, Robert. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1653

Stand des Artikels: 5.12.1986