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Fritsch, Johann Wilhelm

Fritsch, Johann Wilhelm. Bierbrauer, Gastwirt und Getreidehändler. Bürgerkapitän. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.~ 20.2.1659 Ffm., † 20.8.1711 Düsseldorf.
Wirt zum Goldenen Rad in Sachsenhausen.
F. wurde zwischen 1695 und 1698 Bürgerkapitän des 14. Quartiers (bis 1706). Beteiligt am Streit der „Christlichen Krämer“ gegen die Juden wegen deren angeblicher Übergriffe gegen die Stättigkeit von 1616, der zugunsten der Juden entschieden wurde (1700). Leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Vormachtstellung des Rats und die Missstände im öffentlichen Leben. Führend im Zusammenschluss der Bürgeroffiziere gegen die Willkürherrschaft des Rats. Bei oder kurz nach der Huldigung für Joseph I. am 25.10.1705 überreichten die Bürgeroffiziere im Namen der Bürgerschaft dem kaiserlichen Kommissar Graf Friedrich Ernst von Solms-Laubach, der die Huldigung für den neuen Herrscher entgegennahm, eine „Supplic“, die die Bestätigung der Stadtprivilegien – insbesondere des Bürgervertrags von 1612 und der Juden-Stättigkeit von 1616 – vom Kaiser erbat. Daraufhin setzten Streitigkeiten mit dem Rat der Stadt ein, der damit die Befugnisse der Bürgeroffiziere überschritten und zudem die eigene Position gefährdet sah. Gleichzeitig geriet F. in einen privaten Streit mit dem Rat, der zu seiner Absetzung als Bürgerkapitän führte (8.4.1706). 1706 reisten F. und der Blaufärber Johann Jakob Böhler als Bevollmächtigte des Bürgerausschusses nach Wien. F. versuchte dort, einerseits seine Rehabilitierung als Bürgerkapitän, andererseits die Einsetzung einer kaiserlichen Kommission zur Untersuchung und Abstellung der von den Vertretern der Bürgerschaft behaupteten Missstände in der Ffter Verwaltung zu erreichen. Während seines vierjährigen Wiener Aufenthalts verfasste F. zahlreiche Eingaben und Berichte an den Kaiser und den Reichshofrat über die Misswirtschaft in Ffm.: Er prangerte u. a. die Nichteinhaltung des Bürgervertrags und der Juden-Stättigkeit, den Kauf und die Erschleichung von Ämtern, Günstlings-Wirtschaft und Juden-Begünstigung, die Verschwendung städtischen Guts, die Willkür in der Besteuerung und die Bestechlichkeit der Ratsmitglieder an. Trotz kaiserlicher Ausweisungsbefehle und Druckverbote blieb F. in Wien und ließ sogar einige der Beschwerdeschriften auf eigene Kosten drucken. Diese ließ er dann als Flugschriften an die Ffter Bürgerschaft senden. Die Ffter Bürger waren jedoch durch die strengen Verhöre des Rats eingeschüchtert. Nur ein kleiner Teil seiner Anhänger hielt weiter zu F. Finanziell bekam F. keine Unterstützung aus Ffm., so dass er auch seinen und Böhlers Unterhalt in Wien aus eigener Tasche begleichen musste. Insgesamt soll F. für die Belange der Bürgerschaft 40.000 Gulden bezahlt haben. Dank der Beharrlichkeit F.s befasste sich der Kaiser kurz vor seinem Tod im April 1711 noch einmal mit den Ffter Angelegenheiten und versprach, ein Kommissionsdekret zu erlassen; beim Tod Josephs I. aber war das Dekret noch nicht ausgestellt. F., kurz zuvor nach Ffm. zurückgekehrt, fuhr sofort nach Düsseldorf, um dort beim Reichsvikar, dem Kurfürsten von der Pfalz, die Ausstellung des Dekrets zu erreichen. In Düsseldorf erlag F. einem Fieber. So erlebte er zwar nicht mehr, dass laut kaiserlichem Dekret vom 26.9.1712 zwei Kommissionen zur Untersuchung der Missstände nach Ffm. gesandt wurden, was aber im Wesentlichen ihm zu verdanken war.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 225, verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13/14. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Fft. und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Hohenemser, Paul: Bürgerkapitän Fritsch und der Beginn des Ffter Verfassungskampfes 1705-1712. In: Alt-Fft. 2 (1910), H. 1, S. 1-13.

GND: 140167021 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Fritsch, Johann Wilhelm. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2311

Stand des Artikels: 13.5.1988