Tochter von Julius P. (1834-1899), Begründer und Inhaber der „Naxos-Union Schleifmittel- und Schleifmaschinenfabrik”. Schwester von
Arthur P.Nach dem Tod des Bruders 1912 übernahm Marie P. zusammen mit ihrer Mutter
Rosette Bertha P., geb. Oppenheim, die Leitung des Betriebs und des von dem Bruder gegründeten Verlags. 1918 Umwandlung des Betriebsvermögens in „Arthur P.-Stiftung” im Sinne des Verstorbenen: „Die Stiftung bezweckt die Förderung des geistigen Lebens und die Verbreitung und Vertiefung der Bildung unter allen Volksschichten, u. a. durch die Gewährung von Ausbildungsbeihilfen.” Einrichtung eines „Arbeitskreises für freie Volksbildung” im eigenen Haus Eschersheimer Landstraße 21/Ecke Gärtnerweg. 1927 Erwerb eines Landhauses in Fischbach/Taunus als Bildungs- und Erholungsstätte der Stiftung.
1933 erste Eingriffe der Nationalsozialisten in die Gestaltung der Bildungsarbeit. 1935 musste P. den Vorsitz des Unternehmens und der Stiftung niederlegen. Sie blieb jedoch durch die Solidarität der Geschäftsleitung zunächst von größerer Bedrängnis verschont. 1936 Eröffnung eines Marie-P.-Heims für Verfolgte und Notleidende im eigenen Haus. 1939 Umbenennung der Stiftung in „Waldschmidt-Stiftung”. Am 10.9.1942 erzwungener Abschluss eines „Heimeinkaufsvertrags” durch P. unter Zahlung von 56.568,17 Reichsmark für „Heimunterkunft und Verpflegung” in Theresienstadt. 15.9.1942 Deportation. Am 8.2.1943 an Entkräftung im KZ Theresienstadt gestorben.
Nach drei Rückerstattungsverfahren hat die wiederbelebte „Arthur P.-Stiftung” ihren Sitz in der Waldschmidtstraße 39; sie erwarb 1947 den Nachlass von Marie P., vergibt insbesondere Stipendien an begabte Studierende und betreibt das Marie-P.-Heim „für Frauen, die unverschuldet in Not geraten sind”, in Bad Homburg, einen Kindergarten in Maintal-Bischofsheim und eine Technische Bibliothek im Stiftungsgebäude in Ffm.
Seit 2008 Stolperstein für P. vor dem Haus Gärtnerweg 2 im Westend.
Marie-P.-Platz im Gallus.
Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 138f.,
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