Platzhoff, Walter

Platzhoff, Walter. Prof. Dr. phil. Historiker. * 27.9.1881 (Wuppertal-)Elberfeld, † 9.8.1969 Hanau.
Geschichtsstudium in Greifswald, Halle, Bonn und Berlin. 1906 Promotion. 1912 Habilitation. Lehraufträge in Bonn und Aachen. Im Januar 1923 wurde P. als ordentlicher Professor auf das historische Extraordinariat nach Ffm. berufen. Seine Forschungsschwerpunkte waren die Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts und die Bismarckzeit. Im Wintersemester 1933/34 wurde er zum stellvertretenden Rektor der Universität ernannt. Im August 1934 übernahm P., als Nachfolger von dem nach Heidelberg berufenen Ernst Krieck, die Leitung der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Im August 1944 trat er von seinem Amt als Rektor zurück, blieb aber bis Kriegsende weiterhin Dekan des Historischen Seminars, das allerdings durch Luftangriffe bereits weitgehend zerstört war. In einem Spruchkammerverfahren wurde P. 1948, von Fürsprechern weitgehend entlastet, als Mitläufer eingestuft.
P.s Wirken als Rektor der Ffter Universität in der NS-Zeit ist nicht ganz leicht zu bewerten. Entschlossen kämpfte er gegen die drohende Schließung der Ffter Universität in den Jahren 1934/35, dies vor allem aber mit der Begründung, dass die Universität besonders gründlich vom „jüdisch-marxistischen“ Geist gereinigt worden sei. Nachdem der Erhalt der Universität – nicht zuletzt durch die Gründung eindeutig nationalsozialistisch ausgerichteter Institute – gesichert war, bemühte sich P., wissenschaftsfremde Einflüsse von den übrigen Fakultäten weitgehend fernzuhalten. Das Absichern der Universität gegen Angriffe des nationalsozialistischen Staats war allerdings hoch erkauft. Obwohl P. Parteiämter nach Möglichkeit vermied und eher dem traditionell unabhängigen Professorentypus entsprach, ließ er dennoch keinen Zweifel gegenüber seiner Loyalität zum Nationalsozialismus. Inwieweit seine Ergebenheitsadressen dem ruhigen Forschungs- und Lehrbetrieb in Ffm. wirklich nutzten und ob sie nicht doch echte Bekenntnisse darstellten, bleibt fragwürdig. P.s Festhalten am Primat der freien Lehre schuf aber schließlich Distanz zur Parteileitung, und so waren es nicht nur gesundheitliche Gründe, die P. 1944 zum Rücktritt bewogen.
Veröffentlichungen u. a.: „Frankreich und der deutsche Protestantismus“ (1912), „Rheinische Geschichte“ (1922), „Bismarcks Friedenspolitik“ (1922), „Geschichte des europäischen Staatensystems 1559-1660“ (1928) und „Das Zeitalter Ludwig XIV.“ (1931).
1941 Goetheplakette der Stadt Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 141f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Bergmann, E. (Hg.): Ffter Gelehrten-Handbuch. Ffm. [1930].Bergmann: Ffter Gelehrten-Hdb. 1930, S. 120.
Literatur:
                        
Brockhoff, Evelyn/Heidenreich, Bernd/Maaser, Michael (Hg.): Ffter Historiker. Göttingen 2016. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 6).Hammerstein, Notker: Das Historische Seminar der Ffter Universität. In: Brockhoff/Heidenreich/Maaser (Hg.): Ffter Historiker 2016, S. 29-31. | Epple, Moritz/Fried, Johannes/Gross, Raphael/Gudian, Janus (Hg.): „Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Ffm. vor und nach 1933. Göttingen [Copyright 2016]. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 5).Kretschmann, Carsten: Geschichte als Politik. Walter Platzhoff. In: Epple u. a. (Hg.): Jüd. Wissenschaftler u. ihre Gegner an der Univ. Ffm. 2016, S. 147-172. | Hammerstein, Notker: Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Ffm. Von der Stiftungsuniversität zur staatlichen Hochschule. Bd. I: 1914 bis 1950. Neuwied/Ffm. 1989.Hammerstein: JWGU I 1989, S. 449-463, 538-542. | Kobes, Jörn/Hesse, Jan-Otmar (Hg.): Ffter Wissenschaftler zwischen 1933 und 1945. Göttingen 2008. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 1).Kretschmann, Carsten: Einsatz für Deutschland? Die Ffter Historiker Walter Platzhoff und Paul Kirn im „Dritten Reich“. In: Kobes/Hesse (Hg.): Ffter Wissenschaftler 1933-45, S. 5-22, 29-32. | Seng, Joachim: Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Ffter Goethe-Museum 1881-1960. Göttingen 2009.Seng: Freies Deutsches Hochstift 2009, S. 385, 394, 413f., 416, 427, 447, 490.
Quellen: ISG, Autograph im Bestand S4b (Autographen, 1683-1994).Dankschreiben von Walter Platzhoff an Oberbürgermeister Friedrich Krebs, Badenweiler, 28.11.1941: ISG, Autographensammlung, S4b/3. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/266.

GND: 116208929 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2020 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Platzhoff, Walter. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/771

Stand des Artikels: 22.11.1994