Prestel, Rudolf

Prestel, Rudolf Hubert Siegfried. Dr. jur. Jurist. Sozialpolitiker. Kommunalpolitiker. * 27.8.1898 (Augsburg-)Göggingen, † 19.8.1979 Leonberg, begraben in Augsburg.
Schulbesuch in Augsburg. Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Schwere Kriegsverletzung. Von 1918 bis 1923 Jurastudium in München. 1924 Promotion an der Universität Erlangen. 1926 juristisches Staatsexamen. Von 1926 bis 1936 wissenschaftlicher Referent beim „Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge“ unter Wilhelm Polligkeit in Ffm. Nach der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ des Deutschen Vereins trat P. im August 1936 in die Ffter Stadtverwaltung ein, zunächst als Justitiar beim Fürsorgeamt im Angestelltenverhältnis, seit 1937 als Magistratsrat in der Sozialverwaltung. Nach Kriegsende als ehemaliges NSDAP-Mitglied (seit 1933) zunächst entlassen. Im Spruchkammerverfahren wurde P., trotz seiner Parteimitgliedschaft, ein engagiertes Eintreten für politisch und rassisch Verfolgte sowie den Erhalt sozialer Einrichtungen in Ffm. bescheinigt. 1946 Wiedereinstellung in den städtischen Dienst. Im Oktober 1946 Wahl zum hauptamtlichen Stadtrat (CDU). In diesem Amt war P. als Sozialdezernent bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Juni 1966 tätig. P.s besonderes Verdienst ist die Einrichtung von Sozialstationen, wodurch die Sozialverwaltung dezentralisiert wurde und erheblich effektiver arbeiten konnte. Diese von P. in Ffm. entwickelte und verwirklichte Idee wurde bald in vielen anderen deutschen Städten nachgeahmt. Unter P.s Mitverantwortung entstanden eine Reihe wichtiger Ffter Sozialbauten, u. a. das Bürgermeister-Gräf-Haus in Sachsenhausen und das Alten- und Pflegeheim Praunheim (beide 1957), das „Haus der Jugend“ in Sachsenhausen und das Hermann-Luppe-Heim in Praunheim.
Als Sozialpolitiker war P. 1949 maßgeblich am Zustandekommen der Fürsorgerechtsvereinbarung (als Vorläufer des Bundessozialhilfegesetzes) und der Planung für ein neues Jugendwohlfahrtsgesetz beteiligt.
Dozent am Seminar für soziale Berufsarbeit.
1948 gründete P. unter dem Eindruck der Luftbrücke das Hilfswerk Berlin. Zu seinen überaus zahlreichen Verbandsverpflichtungen in Ffm. gehörten u. a. der Vorsitz im Sozialausschuss des Hessischen Städtetags, in der Vereinigung der Wohlfahrtsdezernenten in Hessen, der Henry und Emma Budge-Stiftung, der Freiherr Carl von Rothschild’schen Stiftung, im Verein zum Betrieb gemeinnütziger Einrichtungen und im Ffter Verband für Alten- und Behindertenhilfe. Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, für den er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg tätig war. Senior des Versorgungsamts, des Wiesenhüttenstifts und des Hospitals zum heiligen Geist.
1958 Ehrenplakette der Stadt Ffm. 1966 Freiherr-vom-Stein-Plakette [des Landes Hessen?]. 1978 Stadtältester.
Teilnachlass beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge.
Das vom Ffter Verband für Alten- und Behindertenhilfe getragene Praunheimer Altenheim wurde nach einem modernisierenden Umbau 1980 in Rudolf-P.-Haus umbenannt und wegen P.s Haltung in der NS-Zeit 1998 wieder in „Alten- und Pflegeheim Praunheim“ rückbenannt.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 153f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Heibel, Jutta: Rudolf Prestel – Amtsjurist in der NS-Sozialverwaltung. In: AFGK 65 (1999), S. 259-305.
Quellen: ISG, Personalakten der Stadtverwaltung, ab ca. 1900.ISG, PA 136.152. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/196.

GND: 122050606 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Prestel, Rudolf. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/796

Stand des Artikels: 7.12.1994