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Schleussner, Hans

Schleussner (auch: Schleußner), Hans. Dr. phil. nat. Dr. med. h. c. Dipl.-Chemiker. Unternehmer. Mäzen. * 27.11.1927 Ffm., † 26.11.2015 Ffm.
Zweiter Sohn von Carl Adolf Sch. und dessen Ehefrau Anna Amalie Irene, geb. Schüller (1900-1990).
Schulbesuch in Ffm., zunächst (seit 1932) im Hassel’schen Institut, dann (seit 1936) am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Sachsenhausen. Kriegsbedingter Schulwechsel nach Marburg und schließlich nach Groß-Umstadt. 1944 Notabitur. 1944/45 Reichsarbeitsdienst in Montabaur. 1946 Abitur am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Ffm. Im selben Jahr gründete der Vater Carl Adolf Sch. die „Biotest-Serum-Institut GmbH“ in Ffm., wobei Hans Sch. vorzeitig für volljährig erklärt und als geschäftsführender Gesellschafter eingesetzt wurde; die wissenschaftliche Leitung der Firma, die sich zunächst schwerpunktmäßig mit der Erforschung und Herstellung von Testseren zur Blutgruppenbestimmung befassen sollte, übernahm in den Anfangsjahren (1946-53) der Mediziner Karl-Wilhelm Schmidtmann.
Seit 1947 Studium der Chemie an der Universität Ffm., u. a. bei Walter Ried und Theodor Wieland, abgeschlossen mit der Promotion (1956). Während des Studiums arbeitete Sch. für die väterlichen „ADOX Fotowerke Dr. C. Schleussner“, in die er bereits 1948, zusammen mit seinem älteren Bruder Carlfried (* 1923), eingetreten war. In den Fünfzigerjahren unternahm er, bald zum Prokuristen der ADOX-Werke aufgestiegen, Geschäftsreisen nach Süd- und Nordamerika, um die durch den Krieg unterbrochenen Exportverbindungen wieder auf- und auszubauen. Als technischer Leiter der ADOX (1952-64) widmete er sich insbesondere der Weiterentwicklung von deren wissenschaftlicher Abteilung. Zudem war er am Aufbau der Tochterfirmen „Celfa AG“ in Schwyz (ab 1951) und „Folex AG“ in Zürich (ab 1957) beteiligt. Nach dem Tod von Carl Adolf Sch. 1959 teilten sich dessen Witwe Irene und die beiden Söhne Hans und Carlfried Sch. die Leitung der Unternehmensgruppe. 1962 verkaufte die Familie die ADOX-Werke an den amerikanischen Konzern DuPont. Nach einer Übergangsphase schieden die beiden Brüder Carlfried und Hans Sch. als Geschäftsführer 1964 endgültig bei den Fotowerken aus.
Hans Sch. konzentrierte sich seitdem auf die Geschäftsführung der „Biotest-Serum-Institut GmbH“ in Ffm., die künftig im Mittelpunkt seines unternehmerischen Schaffens stand, sowie den Vorsitz im Verwaltungsrat der „Celfa AG“ in Schwyz und der „Folex Dr. H. Schleussner AG“ in Zürich. Die „Biotest-Serum-Institut GmbH“, die ihren Standort seit 1956 in der Villa Manskopf in der Flughafenstraße 4 in Niederrad hatte, hatte sich inzwischen zu einem zukunftweisenden Unternehmen in der Forschung und Produktion auf den Gebieten der Immunologie, Hämatologie und Transfusionsmedizin entwickelt. Mit innovativen Produkten, wie z. B. Blutbeuteln aus Kunststoff („Biopack“), die die Biotest 1959 als erster deutscher Hersteller in den Verkauf brachte, hatte sich die Firma auf dem Markt etabliert. Für das expandierende Unternehmen, das Hans Sch. bereits seit dem Tod des Vaters 1959 allein leitete, wurde ab 1960 ein neues Werk in Dreieichenhain errichtet, wo ab April 1962 produziert wurde. Mit sicherem Gespür für medizinische Fortschritte und technologische Neuerungen sowie deren Umsetzung in Produkte baute Sch. die Biotest kontinuierlich zu einem führenden und weltweit tätigen Unternehmen mit mehreren Tochtergesellschaften aus. In ihren Geschäftsbereichen Diagnostik, Medizintechnik und Pharma wirkte die Firma bahnbrechend, etwa bei der Entwicklung hepatitissicherer Blutpräparate in den 1960er Jahren, der Herstellung von Fertignährböden zum Nachweis von Bakterien und Pilzen in den 1970er Jahren, der Einführung eines Aidstests in den 1980er Jahren und der Nutzung der Gentechnik in vielfacher Weise (u. a. zur Erstellung des genetischen Fingerabdrucks) in den 1990er Jahren. Bei der erreichten Größe eines Konzerns mit einem damaligen Jahresumsatz von 175 Millionen Mark wandelte Sch. die bisherige „Biotest-Serum-Institut GmbH“ 1986 in eine Aktiengesellschaft um, die er im folgenden Jahr (1987) an die Ffter Börse brachte. Von 1986 bis 1996 leitete er als Vorstandsvorsitzender die „Biotest AG“. Dann wechselte er in deren Aufsichtsrat, dem er von 1996 bis 2002 als Vorsitzender, danach als Ehrenvorsitzender angehörte. 1999 entschloss sich die Geschäftsführung der Biotest in Überstimmung mit der Familie Sch. zu hohen Investitionen, um die Produktionskapazitäten zu erweitern und die Internationalisierung zu fördern; im Zuge dieses Prozesses wurde der Hauptsitz der Firma nach Dreieich verlegt. In der Folge geriet das Unternehmen 2002/03 in eine finanzielle Krise, die durch konzerninterne Restrukturierungsmaßnahmen, u. a. unter Konzentration auf das Kerngeschäft in den Bereichen Immunologie und Hämatologie durch die Trennung von Tochterunternehmen, überwunden wurde; die Aufgabe der Sparte Medizintechnik wurde durch den Verkauf des Geschäfts mit Reagenzien und Geräten zur Transfusions- und Transplantationsdiagnostik an Bio-Rad Laboratories, Inc. 2010 abgeschlossen. Über die „Ogel GmbH“, die eine knappe Mehrheit der Stammaktien bei der Biotest hält, hat die Familie Sch. weiterhin die Kontrolle über das von ihr gegründete Unternehmen, dessen Vorzugsaktien seit 2007 im Auswahlindex SDAX gelistet sind.
Sch. förderte die medizinische Forschung, u. a. als Vorsitzender im Förderverein zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, und finanzierte im Jahr 2000 die mit 2,3 Millionen Mark dotierte Sch.-Stiftungsdozentur für Immunpharmakologie an der Ffter Universität. Er war in Unternehmer- und Wirtschaftsverbänden organisiert, u. a. als Mitbegründer des „Bundesverbands Junger Unternehmer“ (BJU, 1950) und als Mitglied in der Vollversammlung der IHK Offenbach (1960-2000). Außerdem pflegte er ein ausgedehntes kulturelles, soziales und kirchliches Engagement. Als Vorstandsmitglied im Städelschen Museums-Verein (seit 1960) setzte sich Sch., selbst passionierter Sammler moderner Kunst, besonders für den Rückkauf von Gemälden ein, die das Städel im Zuge der nationalsozialistischen Kulturpolitik hatte abgeben müssen, darunter das Bild „Der weiße Hund“ von Franz Marc und Werke von Max Beckmann. Auch förderte er den Aufbau einer Fotobibliothek am Städel und die Gründung einer gemeinnützigen GmbH als Tochter des Städelschen Museums-Vereins, um das Einwerben steuerlich begünstigter Spenden für Bilderkäufe zu ermöglichen. Anlässlich der Renovierung des Städel (1997-2000) spendete er 1999 eine größere Summe, mit deren Hilfe ein (daraufhin nach ihm benanntes) Kunstkabinett erneuert werden konnte. Er ist unter den Mäzenen auf der Marmortafel im Treppenhaus des Städel Museums genannt. Mitbegründer (1961) und langjähriger Vorsitzender des Förderungsvereins für Praktisch Bildbare der Ffter Albert-Griesinger-Schule (seit 2007: Mosaikschule). Von 1965 bis 2001 Vorsitzender, dann Ehrenvorsitzender des Ffter Patronatsvereins für die Städtischen Bühnen, der auf Sch.s Initiative hin nach Wiedereröffnung der Oper nach dem Brand und des Schauspiels nach dem Umbau 1991/92 wiederbelebt wurde. Von 1975 bis 2001 stellvertretender Vorsitzender im Kuratorium der (von seinem Vater in Ffm. 1949 gegründeten) Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Seit 1993 Mitglied im Beirat des Instituts für Sozialarbeit. Von 2002 bis 2012 Mitglied im Kuratorium der Ffter Bürgerstiftung. Mitglied im Pflegamt des Freien Deutschen Hochstifts. Mitglied der Kinderhilfestiftung. 2006 schenkte Sch. der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Ffm. sechs Lithografien zur Offenbarung des Johannes von Lovis Corinth. Für die evangelische Kirche wirkte Sch. ehrenamtlich auf Gemeinde- und Landesebene, u. a. als Mitglied im Kirchenvorstand der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad, in der Dekanatssynode, in der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (1974-91) und im Großen Konvent der Evangelischen Akademie in Arnoldshain sowie als Mitbegründer des Evangelischen Arbeitskreises Kirche und Wirtschaft. Seit 1959 Rotarier, begründete Sch. 1960 den Rotary Club Ffm.-Friedensbrücke mit. In seiner Freizeit widmete er sich dem Reiten und der Jagd.
1999 Ehrenplakette der Stadt Ffm. 2000 Ehrenmedaille in Gold der Industrie- und Handelskammer Offenbach. 2001 Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Medizin der Universität Ffm. 2003 Bundesverdienstkreuz am Bande.
Festschrift zum 75. Geburtstag („Für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur“, 2002).
Verheiratet (seit 1957) mit der Dolmetscherin Renate Eva Elisabeth Sch., geb. Krumm (* 1927), Tochter des Lederwarenfabrikanten Johann Heinrich Krumm (1896-1957), des langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Mitinhabers der Firma „Gold-Pfeil“ in Offenbach. Renate Sch. arbeitete nach ihrer Heirat in den Unternehmen der Familie Sch. mit, u. a. bei der Biotest als Mitglied im Beirat (1986-2000) und im Aufsichtsrat (1987-2001). Aus der Ehe stammen der Chemiker Martin Sch. (* 1961), der von seinem Vater den Vorsitz im Verwaltungsrat der Tochterfirmen Celfa und Folex übernahm, und die Biologin Cathrin Sch. (* 1962), die dem Aufsichtsrat der „Biotest AG“ als stellvertretende Vorsitzende angehört.
Hans und Wolfgang Sch.-Stiftung, errichtet 1978 zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf den Gebieten der Hämatologie, Serologie, Immunologie, Medizin, Biochemie und biologischen Chemie, u. a. zur Erinnerung an Sch.s jüngeren Bruder Carl Wolfgang Walter Sch. (1932-1951), der bei einem Motorradunfall in jungen Jahren ums Leben kam. In dieser Stiftung ging 2009 die Dr. Hans Sch.-Forschungs-Stiftung auf, die Sch. im Jahr 2000 zur Schaffung der Stiftungsdozentur für Immunpharmakologie an der Ffter Universität begründet hatte.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Literatur:
                        
Aspekte. Mitarbeiter-Zeitschrift der Unternehmensgruppe Dr. Schleussner. Sonderausgabe zum 60. Geburtstag von Hans Schleussner, 27.11.1987. Ffm. 1987.Aspekte. Mitarbeiter-Zs. d. Unternehmensgruppe Dr. Schleussner 1987. | Dr. Hans Schleussner. Für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Eine Festschrift zum 75. Geburtstag. Hg.: Biotest AG. Konzept, Recherchen und Texte: Barbara Eben-Winterstetter. Dreieich 2002.FS Hans Schleussner 2002. | Link, Katja: Fft. Das Profil einer Stadt. Portrait of a City. Physionomie d’une Ville. Dortmund 1968.Link: Profil einer Stadt 1968, S. 280f. | Schleussner, Hans: Die Ffter Unternehmerfamilie Schleussner. Engagements in Foto, Film und Pharmazie. Mit einem Beitrag über die Ffter Unternehmerfamilie Schleussner von Andreas Hansert. Petersberg 2005.Schleussner, Hans: Die Ffter Unternehmerfamilie Schleussner 2005, bes. S. 54-71. | Schleußner, Irene: Schleußner. Geschichte eines in Thüringen, Franken und Hessen beheimateten Geschlechtes und seiner Ahnen. Bearb. v. Heinz Friedrich Friederichs. Sonderdruck aus: Deutsches Familienarchiv, Bd. 14. Neustadt/Aisch 1959.Schleußner, Irene: Schleußner 1959, S. 66f. (m. Abb. auf Tafel 14).
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.170. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/12.467 (Familie Schleussner); darin u. a. Hans Schleussner: Meilensteine in einer 145-jährigen Firmengeschichte, Vortrag, 20.1.2005.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Biotest
Hinweis: Artikel über die Biotest AG.
Wikipedia, 9.2.2016.


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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schleussner, Hans. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/9337

Stand des Artikels: 14.3.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 02.2016.