Hassel, Samuel Friedrich

Hassel, Samuel Friedrich. Schauspieler. Opernsänger. * 9.9.1798 Ffm., † 3.2.1876 Ffm.
H. begann 1814 als Chorsänger am Ffter Theater, wo er 1815 seine erste Solopartie erhielt. Von 1817 bis 1821 Opernsänger (Bass) in Mainz. Dann als Schauspieler und Opernsänger (Bass/Bassbuffo) nach Ffm. zurückgekehrt, wirkte er bis zu seiner Pensionierung 1866 am Stadttheater. In Ffm. äußerst beliebt als Dialektschauspieler und berühmt als Lokalkomiker, machte H. sich aber auch auf Gastspielreisen einen Namen. Als Charakterdarsteller lag ihm besonders der Typ des mittelständischen Spießbürgers der Biedermeierzeit, den er zugleich grotesk-lächerlich und satirisch-polemisch zu präsentieren verstand. Insofern boten die Lokalstücke von Carl Malss ideale Rollen für H., dem andererseits der eigentliche Durchbruch Malss’ mitzuverdanken ist. „Die Entführung oder Der alte Bürger-Capitain“ wurde am 13.8.1821 mit H. in der Titelrolle uraufgeführt und war fortan äußerst erfolgreich. Malss schrieb daraufhin die „Hampelmanniaden“ für H., von denen die erste unter dem Titel „Die Landpartie nach Königstein“ am 26.11.1832 uraufgeführt wurde. Als „Hampelmann“ stand H. insgesamt 247-mal auf der Ffter Bühne. Das Ffter Lokalstück erlebte einen Höhepunkt seiner Entwicklung. Am 12.11.1864 feierten 300 Gäste H.s 50. Bühnenjubiläum mit einem Bankett im Saalbau, dessen Saal mit von Wilhelm Beer gemalten Darstellungen H.s in seinen verschiedenen Rollen geschmückt war.
Mitglied der Künstler- und Gelehrten-Gesellschaft „Iris“.
Theoretische Schriften über den Schauspielstil in Lokalpossen (zusammengefasst in „Die Ffter Localstücke auf dem Theater der freien Stadt 1821-1866 – Skizzen aus meinem Schauspielerleben“, Autobiographie, 1867). Verfasser von – allerdings erfolglos gebliebenen – Lokalstücken („Hampelmann als Schauspieler“, 1838; „Mitten in der Nacht“, 1843; „Duell in der Hasengasse“, 1847; „Hampelmann auf Freiersfüßen“, 1854).
1824 Ehrenmitglied der SNG. 1866 Ehrenmitglied des Ffter Stadttheaters.
Reliefbüste (um 1904) unter den Vertretern der heimischen Künste an der Westfassade vom Südbau des Neuen Rathauses in der Buchgasse.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 305, verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Array
(
    [de] => Array
        (
            [0] => Array
                (
                    [value] => literfasst
                )

        )

)

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Joseph Kürschner in: ADB 10 (1879), S. 760f. | Ludwig Eisenberg’s Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903.Eisenberg, S. 400. | Kosch, Wilhelm: Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Fortgef. v. Ingrid Bigler-Marschall. 7 Bde. Klagenfurt, ab 4 (1998) Bern/München, ab 5 (2004) Zürich, ab 7 (2012) Berlin 1953-2012. Bisher 6 Nachtragsbände (bis Sr). Berlin 2013-18.Kosch: Theater 1 (1953), S. 710. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 102f.
Literatur:
                        
Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13/14. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Fft. und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Ziehen, Julius: Ein Bildwerk zur Ffter Theater- und Kulturgeschichte. In: Alt-Fft. 1917, S. 88-90; vgl. dazu Tafel 16. | Askenasy, A[lexander]: Die Ffter Mundart und ihre Literatur. Ffm. 1904.Askenasy: Ffter Mundart 1904, S. 259. | Breitkreuz, Petra: Immer Theater um das Theater – Comoedienhaus und Oper im Lichte von Friedrich Stoltzes „Ffter Latern“. Ffm. 2015.Breitkreuz: Comoedienhaus u. Oper im Lichte von Stoltzes „Ffter Latern“ 2015, S. 3 u. 5. | Frank, Bernhard: Die erste Ffter Theater AG (1792-1842) in ihrer Entwicklung von der „Nationalbühne“ zur „Ffter Volksbühne“. Ein Beitrag zur Erforschung von Schauspiel-Stil und -Regie des 19. Jahrhunderts. Ffm. 1967. (Studien zur Ffter Geschichte 2).Frank: Theater AG 1967, S. 163-166. | Hassel, Samuel Friedrich: Die Ffter Localstücke auf dem Theater der freien Stadt 1821-1866. Skizzen aus meinem Schauspielerleben. Ffm. 1867.Hassel: Die Ffter Localstücke 1867. | Malss, Karl: Ffter Mundartstücke. Neue Gesamtausgabe mit Nachwort, Erläuterungen und Glossar von Volker Klotz, Erwin Th. Rosenthal, Rainer Schönhaar. Ffm. 1988.Malss: Ffter Mundartstücke 1988.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.044. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/88 (Carl Malss).

GND: 116514922 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Hassel, Samuel Friedrich. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2504

Stand des Artikels: 21.8.1989