Schreyer, Adolf

Schreyer, Christian Adolf. Prof. Maler. * 9.7.1828 Ffm., † 29.7.1899 Kronberg.
Bruder des hauptsächlich in Hamburg lebenden Schriftstellers Otto Friedrich Sch. (1831-1914). Verheiratet (seit 1858) mit Mary Sch., geb. Andreae.
Sch. wuchs als Sohn wohlhabender Eltern in Ffm. auf. Die Familie leistete sich ein eigenes Pferdegespann, und so entwickelte schon der junge Sch. eine Vorliebe für diese edlen Tiere, die für seine künftige künstlerische Entwicklung prägend sein sollte. Als Pferdemaler erlangte er später Berühmtheit.
Ab 1843 besuchte Sch. etwa gleichzeitig mit Anton Burger und Philipp Rumpf die Städelschule unter Jakob Becker. Von 1847 bis 1848 studierte er vorübergehend an der Düsseldorfer und Münchner Kunstakademie. 1848 zurück in Ffm., hatte er während der Septemberunruhen Gelegenheit zu zahlreichen Studien der sich in der Stadt aufhaltenden berittenen Truppen. 1852 reiste Sch. erstmals nach Paris. Dort traf er auf die Gruppe der Landschaftsmaler von Fontainebleau, die seine Malerei nachhaltig beeinflusste. Ein lockerer, lebendiger Farbauftrag war ihm von nun an eigen. Während des Krimkriegs (1853-56) begleitete Sch. den österreichischen Prinzen Emmerich von Thurn und Taxis auf seinen Feldzügen in Galizien, Ungarn, Rumänien und der Walachei, wo er Eindrücke für seine Pferdebilder sammelte. 1856 reiste er mit dem Prinzen nach Konstantinopel und Kleinasien. Nach einem längeren Aufenthalt in Bukarest lebte Sch. von 1857 bis 1860 wieder in Ffm. Die Sommermonate verbrachte er in Kronberg, wo er stets mit seinen ehemaligen Ffter Studienkollegen zusammentraf. Im Gegensatz zu diesen schuf Sch. jedoch auch dort keine idyllischen Landschaftsbilder oder Interieurs, sondern verarbeitete die Studien, die er während des Krimkriegs gemacht hatte. Neben Schlachten- und Reiterbildern hielt er Szenen aus der ungarischen Puszta und dem walachischen Volksleben fest. 1861 reiste Sch. über Paris nach Algerien. Hier wurden die rassigen Araberpferde mit ihren stolzen Reitern zu seinem bevorzugten Motiv. 1862 ließ sich Sch. in Paris nieder. Dort beteiligte er sich erfolgreich an den Ausstellungen des Pariser Salons. Vor allem die Bilder aus Nordafrika begeisterten das Pariser Publikum. Napoleon III. gehörte zu den zahlreichen Käufern von Sch.s Gemälden. Nach dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 kehrte Sch. nach Deutschland zurück, erwarb ein Haus in Kronberg und richtete darin ein Offizierslazarett ein. Schon 1872 konnte er wieder nach Paris übersiedeln. Fortan verbrachte er die Monate der kalten Jahreszeit in Paris, den Sommer hingegen in seinem Kronberger Haus. 1896 ließ er sich endgültig in Kronberg nieder, wo sich mittlerweile eine ganze Reihe von Künstlern angesiedelt hatte, die die „Kronberger Malerkolonie” bildeten. Sch. wird zu den Bahnbrechern des Realismus und Impressionismus in Deutschland gezählt. Schon zu Lebzeiten errang er internationale Anerkennung, besonders in Amerika.
Arbeiten Sch.s im Städelschen Kunstinstitut, in der Städtischen Galerie und im HMF.
1863 Goldene Medaille für Kunst in Brüssel. 1864, 1865 und 1867 Goldene Medaille des Pariser Salons. 1880 Professoren- und Hofmalertitel durch den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Ehrenmitglied des Freien Deutschen Hochstifts.
Porträtiert von Otto Donner-von Richter (1888).
1899 große Retrospektive in der Berliner Nationalgalerie.
Sch.straße in Sachsenhausen.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 337f., verfasst von: Birgit Weyel.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1985, S. 360f., Nr. 2073; 1992, S. 726, Nr. 3979.
Literatur:
                        
[Helmolt, Christa von:] 1822-Kunstkalender 1994: Adolf Schreyer und Peter Burnitz. Ffm. [1993]. Helmolt: 1822-Kunstkalender 1994: Adolf Schreyer u. Peter Burnitz. | Künstlerischer Nachlaß Adolf Schreyer. Versteigerung 21. Febr. 1922. Vorwort von [Hermann] Uhde-Bernays. Ffm. 1922. (Rudolf Bangel / Kunstauktion, Katalog 1027).Kat. Künstlerischer Nachlaß Adolf Schreyer 1922. | Wiederspahn, August/Bode, Helmut: Die Kronberger Malerkolonie. Ein Beitrag zur Ffter Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts. Mit dokumentarischen Beiträgen von Änne Rumpf-Demmer, Julius Neubronner und Philipp Franck. 3., erw. Aufl. Ffm. 1982.Wiederspahn/Bode: Kronberger Malerkolonie 1982, S. 92-96.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.036.

GND: 11706078X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Schreyer, Adolf. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1136

Stand des Artikels: 17.11.1994