Seyfried, Heinrich Wilhelm

Verfasser der ersten Theaterstücke in einer Ffter Mundart.

Seyfried, Heinrich Wilhelm. Schauspieler. Dramatiker. * 28.7.1755 Ffm., † 20.4.1800 Braunschweig.
Auf Wunsch des Vaters studierte S. in den 1770er Jahren mehrere Semester Jura in Göttingen. 1779/80 kehrte er nach Ffm. zurück. Statt der vorgesehenen Juristenlaufbahn widmete er sich ganz seiner früh entwickelten Theaterleidenschaft. Ab 1780 gab er gemeinsam mit Philipp Jakob Rühl die „Ffter Beiträge zur Ausbreitung nützlicher Künste und Wissenschaften” heraus. Zur gleichen Zeit projektierte er eine „Allgemeine kritisch theatralische Bibliothek”, von der die ersten und einzigen beiden Bände 1783 unter dem Titel „Mein theatralisches Tagebuch für Deutschland” erschienen. 1780 oder 1781 begründete S. das 1783 wieder eingegangene Ffter Liebhaber-Theater, für das er zahllose (überwiegend ungedruckte) Stücke schrieb, darunter in Sachsenhäuser Mundart „Die Sachsenhäuser” und „Das junge Ehepaar”. Bei diesen nur im Titel überlieferten Lustspielen handelt es sich vermutlich um die frühesten Theaterstücke in einer Ffter Mundart. Auch veröffentlichte S. 1781 eine „Ffter Dramaturgie” (neu hg. v. Wilhelm Pfeiffer-Belli, 1927). Das Liebhaber-Theater als Dilettantenbühne ermöglichte S. gleichzeitig die Vorbereitung auf den Schauspielerberuf. Am 6.5.1783 debütierte er als Mitglied der Großmann’schen Truppe in der Rolle des Juden Israel in dem Lustspiel „Der Diamant” am kurz zuvor eröffneten Ffter Komödienhaus. S. hatte sich dem Ensemble erst an diesem Tag angeschlossen, denn gemäß einer Ratsverordnung hätte er als Ffter eigentlich nicht am hiesigen Theater auftreten dürfen. Der Großmann’schen Gruppe gehörte S. bis 1785 an. Seit Ende der Achtzigerjahre hielt er sich als Privatgelehrter überwiegend in Braunschweig und Berlin auf, wo er neben Bühnenstücken zahlreiche Theaterreden, Vorspiele und theatergeschichtliche Abhandlungen verfasste. Als Schriftsteller und Bühnendichter verfügte S. über ein ausgesprochen satirisches Talent, das u. a. in dem 1782 in Ffm. erschienenen Werk „Spiegel ohne Quecksilber” zum Ausdruck kommt. Kontakte S.s zu Goethe sind belegt, zu Schiller wahrscheinlich.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 385f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Array
(
    [de] => Array
        (
            [0] => Array
                (
                    [value] => literfasst
                )

        )

)

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.E. Mentzel in: ADB 34 (1892), S. 111-113.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Mentzel, E.: Schillers Jugenddramen zum ersten Male auf der Ffter Bühne. I. Die Räuber. In: AFGK III,3 (1891), S. 238-300, hier S. 272-285.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.267.

GND: 104239042 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Seyfried, Heinrich Wilhelm. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1239

Stand des Artikels: 6.9.1995