Simon, Heinrich

Simon, Heinrich Viktor. Signum: H. S. Dr. phil. Journalist. Verleger. * 31.7.1880 Berlin, † 6.5.1941 Washington.
Enkel von Leopold Sonnemann.
Schulzeit am Ernestinum in Gotha. Studium der Philosophie, Kunst- und Literaturgeschichte in Berlin, Freiburg und Erlangen. 1905 Promotion. Der künstlerisch wie politisch ambitionierte S. trat 1906 in den von seinem Großvater begründeten Verlag der Societätsdruckerei in Ffm. ein und arbeitete zunächst im Feuilleton der FZ. Nach Sonnemanns Tod wurde S. 1910 gemeinsam mit seinem Bruder Kurt S. (1881-1957) als Prokurist in die Geschäftsleitung des Verlags aufgenommen. Während sich sein Bruder ausschließlich um die kaufmännische Seite des Unternehmens kümmerte, fungierte S. ab 1914 als Vorsitzender der Redaktionskonferenz der FZ. Außerdem widmete er sich dem Aufbau des Buchverlags der Societätsdruckerei, dessen Mitverleger und Geschäftsführer er seit 1916 war. Mit zahlreichen Glossen, Essays und Betrachtungen prägte S. das geistige Erscheinungsbild der FZ während der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre mit. Mit seiner pro-zionistischen Haltung stand er allerdings im Widerspruch zu der übrigen FZ-Redaktion. In erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, wurden FZ und Societätsdruckerei mit Hilfe von Carl Bosch, dem Vorstandsvorsitzenden der IG Farben, ab 1929 wirtschaftlich saniert. S. trat in dieser Zeit als Mitinhaber und Geschäftsführer aus der Societätsdruckerei aus, blieb aber weiterhin Vorsitzender der Redaktionskonferenz. Im Mai 1934 musste S. als getaufter Jude zwangsweise aus der Redaktionskonferenz ausscheiden. Im Hinblick auf die weitere politische Entwicklung glaubte er, mit seinem Rückzug das Weiterbestehen der FZ im Nationalsozialismus zu ermöglichen; tatsächlich wurde die FZ erst am 31.8.1943 eingestellt. Ende 1934 verließ S. Deutschland und ging über Paris nach Tel Aviv, wo er 1936 Geschäftsführer des von ihm mitbegründeten Palestine Philharmonic Orchestra wurde. Über London kam er 1939 nach Washington und gab dort Musikunterricht. S. wurde aus ungeklärten, wohl aber nicht politischen Gründen ermordet. Die FZ widmete ihm einen verschlüsselten Nachruf unter dem Titel „Abschied”.
1931 verfasste S. eine Biographie über die Jugendjahre seines Großvaters Leopold Sonnemann.
Befreundet mit dem Maler Max Beckmann, der ihn in zwei Lithografien 1922 und 1927 porträtierte.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 389f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Array
(
    [de] => Array
        (
            [0] => Array
                (
                    [value] => literfasst
                )

        )

)

Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Ulrike May in: AFGK 75 (2016): Akteure des Neuen Fft., S. 184. | Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 427-429. | Bauer, Thomas: „Mit lebhaftem Bedauern und aufrichtigem Dank“. Der Mitteldeutsche Kunstgewerbe-Verein in der Zeit des Nationalsozialismus. Ffm. 2016.Bauer: Mitteldt. Kunstgewerbe-Verein in der Zeit d. NS 2016, S. 35-37, 67. | Gillessen, Günther: Auf verlorenem Posten. Die Ffter Zeitung im Dritten Reich. Berlin 1986.Gillessen: FZ im Dritten Reich 1986. | Museum Giersch (Hg.): Expressionismus im Rhein-Main-Gebiet. Künstler – Händler – Sammler. Katalogred.: Christoph Otterbeck, Birgit Sander, Manfred Großkinsky, Sophia Dietrich. Ffm./Petersberg 2011.Kat. Expressionismus im Rhein-Main-Gebiet 2011, S. 253, 259, 415f. u. ö. | Schivelbusch, Wolfgang: Intellektuellendämmerung. Zur Lage der Ffter Intelligenz in den zwanziger Jahren (...). Ffm. 1982. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Schivelbusch: Intellektuellendämmerung 1982, S. 42-61. | Seng, Joachim: Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Ffter Goethe-Museum 1881-1960. Göttingen 2009.Seng: Freies Deutsches Hochstift 2009.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.959.

GND: 117398454 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Simon, Heinrich. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1247

Stand des Artikels: 8.9.1995