Sommer, Oskar

Erbauer des Städelschen Kunstinstituts am Schaumainkai (1878) und der Neuen Börse (mit Heinrich Burnitz, 1879).

Sommer, Oskar. Prof. Architekt. * 7.12.1840 Wolfenbüttel, † 13.2.1894 Ffm.
S. stammte aus einer Juristenfamilie.
Besuch des Wolfenbütteler Gymnasiums und des Braunschweiger Collegium Carolinum. Familiäre Widerstände hinderten S. an der Verwirklichung seines Wunsches, Maler zu werden. Als Kompromisslösung begann er, Architektur in Hannover zu studieren (seit 1858). Unbefriedigt von der dort herrschenden Kunstauffassung, wechselte S. 1861 nach Zürich, wo er in dem renommierten Architekten Gottfried Semper seinen Lehrmeister fand. Durch Semper wurde S.s Begeisterung für die Renaissance geweckt, die er auf einer ausgedehnten Bildungsreise nach Italien 1863/64 vertiefte. In Florenz beteiligte sich S. an den Entwürfen zur Gestaltung der Domfassade.
Nach kurzer Tätigkeit im Büro des Berliner Architekten Friedrich Hitzig ließ sich S. Ende 1865 in Ffm. nieder. Hier trat er in das gerade eröffnete Baubüro von Peter Schmick ein. Zu S.s ersten Ffter Arbeiten gehörte ein (nicht realisierter) Entwurf für den Vieh- und Schlachthof. Nach der preußischen Annexion 1866 stagnierte in Ffm. vorübergehend das Baugeschäft, und S. beteiligte sich an einer Reihe von auswärtigen Wettbewerben. Abgesehen von dem Neubau für die Innere Mission im Großen Hirschgraben, war seine erste große Aufgabe in Ffm. 1868 die Beteiligung am Bau des Eisernen Stegs, für den das Büro Schmick den Zuschlag erhalten hatte. S. entwarf dafür die Freitreppen und die neugotischen Fialen (entfernt bei der Brückenrenovierung von 1911/12). 1869 erhielt S. einen Lehrauftrag an der Städelschule, wo er im Baufach unterrichtete und 1887 zum Professor avancierte.
1874 wurde S. mit dem Neubau des Städelschen Kunstinstituts am Schaumainkai beauftragt. Bis 1878 entstand in üppigen Formen der Neorenaissance der kuppelbekrönte, zweigeschossige Museumsbau mit seiner 73 Meter langen Front zum Main. (Die beiden Eckpavillons wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und Anfang der Sechzigerjahre modern erneuert.) Gleichzeitig errichtete S. hinter dem Museumsbau die Städelschule. Von 1874 bis 1879, also zur Zeit des Städelneubaus, schuf S. gemeinsam mit Heinrich Burnitz auch den Neubau der Ffter Börse auf dem Gelände des früheren Rahmhofs hinter der Hauptwache. Das Ffter Architektenteam hatte sich hier gegen eine Vielzahl in- und ausländischer Wettbewerbskonkurrenten durchgesetzt. Auch bei der Börse wurde als Baustil die Neorenaissance gewählt, wobei die Ausschmückung noch aufwendiger ausfiel als beim Städelneubau. (Die Seitenpavillons der Börse haben ebenfalls nicht überdauert; sie wurden am Westflügel 1930/31 und am Ostflügel in den Sechzigerjahren durch zweckmäßigere Anbauten ersetzt.)
In Ffm. schuf S. außerdem zahlreiche Villen und Geschäftshäuser sowie den Triumphbogen zum Kaiserbesuch 1877, die temporären Festbauten zum V. Allgemeinen Deutschen Turnfest (1880) und die Kunsthalle der Allgemeinen Deutschen Patent- und Musterschutz-Ausstellung (1881). 1891 entwarf er den Gesamtplan und verschiedene Einzelbauten für die Internationale Elektrotechnische Ausstellung in Ffm. Außerhalb Fft.s sind u. a. S.s Beteiligung am Wettbewerb für das Berliner Reichstagsgebäude und sein Bau des Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museums erwähnenswert.
Grab mit Porträtmedaillon auf dem Südfriedhof (Gewann A/310-311).
Oskar-S.-Straße in Sachsenhausen.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 395f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Array
(
    [de] => Array
        (
            [0] => Array
                (
                    [value] => literfasst
                )

        )

)

Lexika: Dessoff, Albert: Kunst und Künstler in Ffm. im 19. Jahrhundert. 2. Bd.: Biographisches Lexikon der Ffter Künstler im 19. Jahrhundert. Ffm. 1909.Dessoff, S. 146. | Zeller, Thomas: Die Architekten und ihre Bautätigkeit in Ffm. in der Zeit von 1870 bis 1950. Ffm. 2004. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm. 14).Zeller, S. 357.
Literatur:
                        
Timpe, Stefan: Denkmalpflege in Ffm. Jahresrückblicke des Denkmalamtes der Stadt Ffm. Sanierungs- und Restaurierungsprojekte 2008/09 bis 2014-16. Bisher 4 Bde. Ffm. 2014-17. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm.). Über das von Heinrich Burnitz und Oskar Sommer errichtete Börsengebäude (1874-79): Denkmalpflege in Ffm. 4 (2014-16), S. 60-65. | Schomann, Heinz: Das Ffter Malerviertel und der Aufstieg von Sachsenhausen. Eine Dokumentation des Kuratoriums Kulturelles Fft. Petersberg [Copyright 2016].Schomann: Malerviertel 2016, S. 283.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.263.

GND: 107677833X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
Einträge zu dieser Person in anderen Datenbanken ansehen

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Sommer, Oskar. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1261

Stand des Artikels: 22.8.1995