Tarnow, Fritz

Tarnow, Friedrich Wilhelm Karl, gen. Fritz. Tischler. Gewerkschafter. Politiker. * 13.4.1880 (Bad Oeynhausen-)Rehme/Minden, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 23.10.1951 Bad Orb.
Nach Beendigung seiner Lehre wurde T. schon früh mit der Arbeiterbewegung vertraut. Er trat 1900 dem Deutschen Holzarbeiterverband (DHV) und 1903 der SPD bei. Seit 1906 Sekretär des Verbands, zunächst in Stuttgart, ab 1908 in Berlin, wo er auch bis 1919 das literarische Büro seiner Gewerkschaft leitete. Von 1920 bis 1933 Vorsitzender des DHV. Gehörte seit 1921 dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat an. Von 1928 bis 1933 Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB). Von 1928 bis 1933 Mitglied des Reichstags (SPD). Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde T. für kurze Zeit verhaftet. Daraufhin flüchtete er über die Tschechoslowakei, die Schweiz und Belgien in die Niederlande. Ab 1936 hielt er sich in Dänemark, ab 1940 in Schweden auf. Bereits seit 1938 Leiter der Auslandsvertretungen der deutschen Gewerkschaften (ADG) und seit 1942 Vorstandsmitglied der Landesgruppe deutscher Gewerkschaften (LdG) in Schweden. 1946 kehrte T. nach Deutschland zurück, wo er zunächst in Stuttgart, dann in Ffm. den Gewerkschaftsrat der Bizone (bzw. Trizone) mitbegründete. Dessen Generalsekretär war er bis zur Gründung des DGB 1949. Danach betätigte er sich als Lehrer an der Akademie der Arbeit in Ffm.
T., der rasch zu einem der führenden Gewerkschafter in Deutschland aufgestiegen war, beschäftigte sich mit Organisationsfragen der Gewerkschaften und mit Wirtschaftspolitik. 1923 war er an der Währungsreform (Beendigung der Inflation) beteiligt. 1932 legte er zusammen mit anderen ein Konzept zu Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vor. T. galt als Vertreter der Wirtschaftsdemokratie. Im Rahmen der Umsturzpläne des 20. Juli 1944 war er als Reichswirtschaftsminister vorgesehen. Als Verfechter der Gewerkschaften als Berufsverband stand er im Gegensatz zu Robert Dißmann, der den Industrieverband favorisierte. Für die Nachkriegszeit entwickelte T. ein Konzept für die Reorganisation der Gewerkschaften: Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) sollte in eine Einheitsgewerkschaft umgewandelt werden.
Fritz-T.-Straße in Eschersheim. Fritz-T.-Heim am Dornbusch; dort Porträtbüste (von Hans Bernt Gebhardt, 1962). Fritz-T.-Haus in Oberursel.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 459f., verfasst von: Fritz Koch.
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Literatur:
                        
Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 578f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.324.

GND: 124790925 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Koch, Fritz: Tarnow, Fritz. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1441

Stand des Artikels: 13.4.1995