Caruso, Enrico

Enrico Caruso als Canio

Enrico Caruso als Canio in Leoncavallos „Der Bajazzo“
Fotografie von Auguste Bert (mit handschriftlicher Widmung von Enrico Caruso für Alice Ellissen, 1913; aus der Sammlung Manskopf im Besitz der UB Ffm.).

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. S36/F10643).
Enrico Caruso und Else Kleinsteuber

Enrico Caruso mit Else Kleinsteuber auf dem Balkon des Hotels „Englischer Hof“ am Bahnhofsplatz in Ffm.
Fotografie (1909; aus der Sammlung Manskopf im Besitz der UB Ffm.).

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. S36/F03324).
Caruso, Enrico (eigentl.: Errico). Opernsänger. * 25.2.1873 Neapel, † 2.8.1921 Neapel.
Der berühmteste Tenor seiner Zeit kam von 1907 bis 1911 jährlich zu einem Gastspiel an die Ffter Oper. Er trat in Ffm. auf: am 31.10.1907 als Radamès in „Aida“, am 2.11.1907 als Herzog von Mantua in „Rigoletto“, am 3.10.1908 als Rodolfo in „La Bohème“, am 7.10.1908 als Canio in „Der Bajazzo“, am 29.9.1909 als Mario Cavaradossi in „Tosca“, am 1.10.1909 als Don José in „Carmen“, am 4.10.1909 als Canio in „Der Bajazzo“, am 2.10.1910 als Radamès in „Aida“, am 4.10.1910 als Don José in „Carmen“, am 4.10.1911 als Rodolfo in „La Bohème“ und am 6.10.1911 als Don José in „Carmen“. Die Vorstellungen, die C. mit einer Gage von 10.000 Mark pro Abend honoriert bekommen haben soll, waren stets ausverkauft. Das Ffter Publikum war begeistert. Die lokale Theaterkritik betonte, dass C. – trotz der „widerwärtige(n) Reklame, die mit ihm getrieben“ werde – niemals „als effekthaschender Kulissenreißer“ hervortrete, sondern „ein vollwertiger Künstler“ sei, der „sich ganz dem zu interpretierenden Werke“ unterordne und in das Ensemble einfüge. (H. P. in: FN, 1.11.1907, S. 3.) Während das Ensemble allerdings, wie damals üblich, bei der deutschen Textfassung blieb, sang C. seine Partien in der italienischen bzw. französischen Originalsprache, und nur seine direkten Bühnenpartnerinnen, etwa Elsa Hensel-Schweitzer (1877-1947) als Aida und Tosca oder Else Gentner-Fischer als Micaela (in „Carmen“), hatten ihre Szenen mit C. eigens auf Italienisch bzw. Französisch einstudiert – dem Star „zu Ehren“. Dieser merkwürdige Sprachmix tat jedoch der „außerordentlichen“ künstlerischen Gesamtwirkung der Aufführungen keinen Abbruch. Der gefeierte Gast überzeugte nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch, wie sich die Ffter Theaterbesucherin und spätere Schriftstellerin Lilli von Baumgarten (1888-1960) erinnert: „Es waren unvergeßliche Abende. Noch sehe ich ihn [d. i. Caruso] vor mir als Canio im weißen Bajazzokittel mit den weiten[,] über die Hände herabfallenden Ärmeln. Im zweiten Akt stand er im Vordergrund dicht an der Rampe, während auf der kleinen Bühne Nedda kokettierte, tanzte und sang. Ich hatte schon manche Sänger in dieser Szene ihre Eifersucht zum Ausdruck bringen und ihr Möglichstes tun sehen, um das böse Ende unausbleiblich erscheinen zu lassen. Caruso stand ganz ruhig mit unbeweglichem[,] wie im Schmerz erstarrtem Gesicht. Langsam, sehr langsam krempelte er seine Ärmel hoch, erst den einen, dann den anderen, damit seine Hände frei wurden. Weiter nichts. Aber wie er das machte, das war in seiner Sachlichkeit überzeugender als alles, was ich je zuvor an dramatischen Effekten erlebt hatte.“ (Zit. nach: FNP, 21.6.1958.)

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 128, verfasst von: Sabine Hock (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).

Lexika: Kesting, Jürgen: Die großen Sänger unseres Jahrhunderts. Neuausgabe. Düsseldorf u. a. 1993.Kesting: Die großen Sänger 1993, S. 71-83. | Kutsch, K. J./Riemens, Leo: Unvergängliche Stimmen. Sängerlexikon. Bern/München 1975, 2. Aufl. 1982.Kutsch/Riemens, S. 118.
Literatur:
                        
Ffter Theater-Almanach. Ffm. [1832]/1843-1951 (mit Erscheinungslücken).Ffter Theater-Almanach 24 (1940/41), S. 32 (m. Abb.). | Hock, Hermann: Ein Leben mit der Geige. Erinnerungen an Blütezeiten des Musiklebens in Ffm. Ffm. 1950.Hock: Ein Leben mit der Geige 1950, S. 78-80. | Mohr, Albert Richard: Das Ffter Opernhaus 1880-1980. Ein Beitrag zur Ffter Theatergeschichte. Ffm. [Copyright 1980].Mohr: Opernhaus 1980, S. 158, 162.
Quellen: Ffter Sänger-Zeitung. Ffm. 1906-25.Theaterkritik des Ffter Gastspiels von Enrico Caruso, verfasst von W., in: Ffter Sänger-Zeitung, 8.11.1907, S. 8f. | Ffter Nachrichten. Ffm. 1855-1934. [Zunächst als Nachrichtenbeilage des Intelligenzblatts, dann ab 1910 als Zeitung unter dem Titel „Ffter Nachrichten und Intelligenzblatt“ erschienen.]Theaterkritiken der Ffter Gastspiele von Enrico Caruso, verfasst von H. P., in: FN, 1.11.1907, S. 2f. („Aida“); 3.11.1907, S. 2 („Rigoletto“); 4.10.1908, S. 2 („La Bohème“); 30.9.1909, S. 2f. („Tosca“); 2.10.1909, S. 4f. („Carmen“); 5.10.1909, S. 2f. („Der Bajazzo“); 3.10.1910, S. 2 („Aida“); 5.10.1910, S. 2f. („Carmen“); 5.10.1911, S. 5f. („La Bohème“); 7.10.1911, S. 5 („Carmen“). | Ffter Nachrichten. Ffm. 1855-1934. [Zunächst als Nachrichtenbeilage des Intelligenzblatts, dann ab 1910 als Zeitung unter dem Titel „Ffter Nachrichten und Intelligenzblatt“ erschienen.]Pressemeldung zur Höhe der Gagen von Enrico Caruso: FN, 25.10.1908. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.956. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).Baumgarten, Lilli von: Sopranstimmen im Netz. Erinnerungen einer Ffterin. In: FNP, 21.6.1958. Vorhanden in: ISG, S2/3.338 (Lilli von Baumgarten).
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Enrico_CarusoWikipedia, 10.6.2018.

GND: 118667335 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Caruso, Enrico. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1934

Stand des Artikels: 22.6.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2018.