Aus einer katholischen Familie. Tochter des aus Haibach/Unterfranken stammenden Baubeamten August A. (1883-1960) und seiner Ehefrau Elisabetha, geb. Schwarz (1887-1967). Ein Bruder: Werner A. (1915/16-1994).
Aufgewachsen in Wiesbaden und in Ffm., wo der Vater als Regierungsbauinspektor (ab 1935 Regierungsoberbauinspektor) seit 1931 im Reichsbauamt tätig war. Spätestens ab 1932 Schulbesuch in Ffm., wahrscheinlich am Oberlyzeum des Ursulinen-Instituts im Unterweg 16 im Nordend, beendet mit der Obersekundareife (Mittleren Reife), und wohl anschließend an der Handels- oder der Haushaltungsschule des Ursulinen-Instituts. Am 1.5.1933 Eintritt des Vaters August A. in die NSDAP (Mitgliedsnummer 2.274.715). Von 1933 bis 1936 Mitgliedschaft von Anneliese A. im Bund Deutscher Mädel (BDM). Nach eigenen Angaben bereits 1936 (und damit vor Vollendung des 18. Lebensjahrs) Reichsarbeitsdienst (RAD) in Weyhers/Rhön. Anstellung (möglicherweise Lehre) als Verkäuferin bei dem Einzelhandelsgeschäft „Linke & Becker“ („Das Haus der Geschenke“) auf der Zeil 107 in Ffm. Am 4.12.1937 (rückwirkend zum 1.9.1937) Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 4.910.642). Von März bis September 1938 Aufenthalt als Au-pair-Mädchen in London. Rückkehr nach Ffm. und Bürotätigkeit bei einem Patentanwalt. Seit 1939 Mitglied der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Ab September 1940 Kriegseinsatz als Nachrichtenhelferin (Fernschreiberin) bei der Deutschen Reichsbahn, zunächst (bis Dezember 1942) in Posen, dann in Ffm. Die Familie A. wohnte seit 1934 in einer Mietwohnung im ersten Stock des Hauses Adlerflychtstraße 11 im Nordend; nach der Zerstörung der Wohnung bei den Luftangriffen auf Ffm. im März 1944 zog die Familie zunächst in die Adlerflychtstraße 15 und, nachdem sie dort im Dezember 1944 erneut „ausgebombt“ worden war, in die Adlerflychtstraße 17. Bald nach Kriegsende (wahrscheinlich seit 15.5.1945) Beschäftigung von A. beim 7704th Women’s Army Corps (WAC), einem Frauenkorps der US-amerikanischen Armee, und zwar als Fernschreiberin, Dolmetscherin und später Personalstellenleiterin für die deutschen Zivilangestellten in der Poststelle [Army Post Office (APO) 757] im Hauptquartier der US-amerikanischen Militärregierung in Ffm. Am 30.8.1945 Entlassung des Vaters August A. wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft aus dem Dienst beim Reichsbauamt. Am 9.1.1947 Abschluss des Spruchkammerverfahrens von August A. unter Einstufung in die Gruppe 4 (Mitläufer) und Verpflichtung zu einer Sühnezahlung von 500 Reichsmark zugunsten des Wiedergutmachungsfonds. Ende 1947 Erlassen eines Sühnebescheids für Anneliese A. durch die Spruchkammer aufgrund der „Jugend-Amnestie“.
Möglicherweise bereits seit Ende 1947, spätestens seit Anfang 1948 Anstellung bei Radio Fft. bzw. dem daraus hervorgegangenen Hessischen Rundfunk (HR), zunächst als Fernschreiberin, dann als Sekretärin beim Wirtschaftsfunk. Daneben ab Frühjahr 1948 erste Einsätze als Rundfunkreporterin. Seit 1950 Hörfunkreporterin beim HR. A. arbeitete für den Zeit- und den Landfunk sowie für die Ratgebersendungen im Frauenfunk. Sie lieferte vor allem Reportagen aus Ffm. und Umgebung, interviewte gerne Menschen vor Ort, berichtete über soziale Themen, gab schon bald Einkaufstipps in Zusammenarbeit mit der Verbraucherberatung im Wirtschaftsfunk, hatte eine Vorliebe für Features aus der Natur, dem Zoo und dem Palmengarten und griff nach eigener Aussage oft „Sachen“ auf, die „in der Redaktion sonst in den Papierkorb“ gewandert wären (zit. nach: FNP, 24.4.1979). Von ihr stammten zahlreiche Beiträge in der Magazinsendung „Unterwegs in Hessen“, die seit 1962 im ersten Radioprogramm des HR lief. Besonders bekannt und beliebt wurde die rührige und mit Ffter Zungenschlag sprechende Reporterin durch ihren wöchentlichen Marktbericht mit aktuellen Einkaufstipps, Preisvergleichen und Rezeptvorschlägen für Hausfrauen (und Hausmänner) am Donnerstagvormittag in HR 1. In einer Sendung von „Unterwegs in Hessen“ live aus dem Café Schwille in der Fressgass verabschiedete sich A. am 26.4.1979 von ihren Hörerinnen und Hörern, um in den Ruhestand zu gehen. Auch nach ihrer Pensionierung setzte sie ihre Sendereihe „Ja, damals… Erinnerungen alter Bürger“ fort, die alle zwei Monate sonntags in HR 2 ausgestrahlt wurde. Für dieses Erzählprojekt interviewte sie in den 1970er und 1980er Jahren mehr als 50 Hessinnen und Hessen, die vor 1900 geboren wurden, woraus sich ein außergewöhnliches Panorama der Zeit von 1900 bis 1980 in autobiographischen Berichten aus allen Schichten der Bevölkerung ergab. Ihren von den Hörerinnen und Hörern offenbar vermissten Marktbericht nahm A. später wieder auf. Bis Anfang 1990 war sie, jetzt freitagvormittags, mit Einkaufstipps aus der Ffter Kleinmarkthalle in HR 1 zu hören. Wohl anlässlich ihres 70. Geburtstags 1989 wurde sie von den Händlerinnen und Händlern der Kleinmarkthalle zur „Ehrenmarktfrau“ ernannt.
A. engagierte sich ehrenamtlich auf sozialem Gebiet, u. a. für alkoholkranke, behinderte und alte Menschen. So kämpfte sie auch für den Bau eines urbanen Seniorenwohnstifts auf dem ehemaligen
Mousongelände, dessen Eröffnung 1992 sie jedoch nicht mehr erlebte.
Eine von dem „Verein der Freunde der Kleinmarkthalle“ herausgegebene Zeitung, die in drei Nummern 2005, 2006 und 2013 erschien, trug zu Ehren von A. den Titel „Anneliese“ und zeigte die Namensgeberin in einer von Hans Traxler (* 1929) gezeichneten Porträtkarikatur im Zeitungskopf.
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