Nestle, Heinrich

Nestle, Heinrich. Seit 1839: Henri Nestlé. Chemiker. Unternehmer. * 10.8.1814 Ffm., † 7.7.1890 Glion, begraben in Montreux-Territet.
Der Großvater Johann Ulrich N. (eigentl.: Nestlen; 1728-1816) begründete mit der Erlangung des Bürgerrechts 1755 die Ffter Tradition der Familie, die ursprünglich aus Sulz am Neckar stammte. Deren Mitglieder traten dann in Ffm. vornehmlich als Glaser und Glaswarenhändler in Erscheinung. Ein Bruder N.s war der spätere Ffter Senator und Präsident des Appellationsgerichts Gustav Edmund N. (1806-1874).
Als Heinrich N. in der Töngesgasse (Geburtshaus zerstört 1944) als elftes von 14 Kindern geboren wurde, waren bereits fünf seiner Geschwister gestorben. Dass N. später industriell gefertigte Babynahrung (das weltweit vertriebene „Kindermehl“, 1867) entwickelte, hing wohl auch mit der Erfahrung hoher Kindersterblichkeit in der eigenen Familie zusammen.
Nach der Schulzeit absolvierte N. ab 1829 eine vierjährige Apotheker- und Chemikerlehre in der Brückenapotheke. Nach 1833 verließ er Ffm. Er hielt sich vermutlich mehrere Jahre im Ausland auf, bis er sich 1839 als Apothekergehilfe in Vevey am Genfer See niederließ. Dort baute er ab 1843 das N.-Unternehmen auf (zunächst auch mit Produkten wie Mineralwasser, Kunstdünger und Flüssiggas), das heute [um 1994] als Lebensmittel-Weltkonzern „Nestlé-AG“ in 60 Ländern mit über 400 Produktionsstätten rund 200.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Zu N.s Weggang aus Ffm. nach Beendigung der Lehrzeit trug, neben wirtschaftlichen Überlegungen, wahrscheinlich auch das damalige politisch-reaktionäre Klima (nach dem Wachensturm vom April 1833) bei. N. hielt jedoch weiterhin den Kontakt zu seiner Heimatstadt aufrecht. 1860 erwarb er sogar wieder das Ffter Bürgerrecht (bis 1874) und heiratete hier die Ffter Arzttochter Clementine Ehmant (1833-1900). Sein ständiger Wohnsitz blieb aber weiterhin die Schweiz (Einbürgerung 1874), doch wurde Ffm. die erste Stadt außerhalb der Schweiz, in der N.s mittlerweile berühmtes „Kindermehl“ zu kaufen war.
Obwohl N. das Unternehmen bereits 1875 veräußerte, trägt es bis heute seinen Namen. 1970 wurde der Sitz des deutschen Tochterunternehmens des Nestlé-Konzerns (seit 1987 Nestlé Deutschland AG) von Lindau am Bodensee nach Ffm.-Niederrad verlegt.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 91f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Pfiffner, Albert: Henri Nestlé 1814-1890. Vom Apothekergehilfen zum Gründer des weltweit führenden Unternehmens für Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden. Erw. Neuaufl. Cham/Vevey 2014.Pfiffner: Henri Nestlé (erw. Neuaufl.) 2014. | Pfiffner, Albert: Henri Nestlé (1814-1890). Vom Ffter Apothekergehilfen zum Schweizer Pionierunternehmer. Zürich 1993.Pfiffner: Henri Nestlé 1993. | Schembs, Hans-Otto: ...mit unerbittlichem Enthusiasmus und Autorität. Zehn Aufsätze zu Fft. Überarb. v. Barbara Deppert-Lippitz. Ffm. [2016]. (Mäzene, Stifter, Stadtkultur 15).Schembs, Hans Otto: Zwischen Töngesgasse und Territet. Lebensstationen und Wirkungsstätten von Heinrich Nestle / Henri Nestlé. In: Schembs: ...mit unerbittlichem Enthusiasmus u. Autorität 2016, S. 84-90.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.836.

GND: 119138913 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2019 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Nestle, Heinrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/619

Stand des Artikels: 7.1.1994