Heyse, Walter

Heyse, Walter. Diplom-Volkswirt. Kommunalpolitiker. * 17.6.1902 Paschkerwitz/Schlesien, † 6.1.1980 Ffm.
Sohn des evangelischen Pfarrers und Schulrats Bruno H. und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Stoermer. Verheiratet (seit 1935) mit Susanne Gille. Eine Tochter: Karin.
Besuch des humanistischen Gymnasiums in Mühlhausen/Thüringen bis zum Abitur (1921). Daneben seit 1918 in der völkischen Jugendbewegung aktiv. Ausbildung an der Fachschule für Textilindustrie in Mühlhausen mit Meisterprüfung für Tuchweberei. Von Oktober 1921 bis 1924 kaufmännische Lehre im Garnhandel und in einer Strickwarenfabrik. Ab dem WS 1924/25 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Leipzig. Am 14.8.1925 Eintritt in die NSDAP und den NS-Studentenbund (NSDStB); später gehörte er auch der SS an. Ab dem SS 1925 Studium der Volks- und Betriebswirtschaft in Ffm. Seit dem WS 1925/26 Mitglied im völkischen Verein Deutscher Studenten (VDSt). Zuletzt NSDStB-Hochschulgruppenführer. 1928 Abschluss des Studiums mit dem Staatsexamen. Wie sein im ISG überlieferter Dienstkalender der Jahre 1927 bis 1936 zeigt, vernachlässigte H. ab dem SS 1927 den VDSt immer mehr (bis hin zum Austritt am 21.11.1929) und konzentrierte sich auf sein Fortkommen innerhalb der NS-Bewegung, zunächst (ab 1927) als Gaupressewart und Gauredner der NSDAP im Gau Hessen-Nassau-Süd in Ffm. Weitere Karriere in der NSDAP: seit 1.6.1929 hauptamtlicher Geschäftsführer des Gaus Hessen-Nassau und Gaupropagandaleiter des Gaus Hessen-Darmstadt; seit 1.7.1929 Gaugeschäftsführer, Propaganda- und Organisationsleiter I im Gau Hessen-Nassau-Süd; ab 1931 Gaukommissar und Leiter der Lehrabteilung; vom 16.8.1932 bis 31.12.1932 stellvertretender Leiter des Gaus Hessen-Darmstadt; vom 1.1.1933 bis 31.5.1933 stellvertretender Leiter des Gaus Hessen-Nassau. Vom 31.5.1932 bis 1933 Stadtrat in Ffm. Seit 13.4.1933 Mitglied des Hessischen Landtags bis zu dessen Auflösung. Ab 12.11.1933 Mitglied des Deutschen Reichstags. Am 22.6.1933 nahm H. seinen Dienst als persönlicher Adjutant von Jakob Sprenger, dem Gauleiter von Hessen-Nassau und Reichsstatthalter für Hessen, auf. Ab 1.4.1934 Vortragender Adjutant des Gauleiters von Hessen-Nassau und bis 1940 Leiter der Gauinspektion. Vom 1.10.1934 bis 1936 Leiter des sozialpolitischen Ausschusses im Ständischen Aufbau in Berlin. Daneben Mitglied des Reichsgruppenrats der Jungjuristen im Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsschutz in Ffm., des Hessen-Kontors der Nordischen Gesellschaft Bremen und der Frauenschaft für Volkspflege. Mitte 1935 zweimonatiger Ausbildungskurs in der Reichswehr als Reserveoffiziersanwärter. Ab 1936 Personalamtsleiter des Gaus Hessen-Nassau. Seit Januar 1936 Reichsredner der NSDAP. Daneben Gauverbandsleiter Hessen-Nassau der NS-Studentenkampfhilfe. Ab September 1939 Kriegsdienst am Westwall als Ordonnanz- und Bauoffizier im Stab des Infanterie-Regiments 106. Seit Juni 1940 kommissarischer, seit 26.3.1941 ordentlicher Landrat von Usingen. Daneben ab 1941 Vertreter des Kreisleiters im Kreis Oberlahn-Usingen. Ab Juni 1941 Kriegsdienst in der Propagandakompagnie eines Panzerkorps an der Ostfront. Am 9.8.1941 Verletzung (Lungendurchschuss) bei einem Tieffliegerangriff. Anschließend Landrat in Homburg. Daneben (1942/43) als Kreisleiter der NSDAP in Bad Soden/Taunus. 1944/45 Kriegsdienst in einer Propagandakompagnie in Italien. H. war Träger des Goldenen Ehrenzeichens der NSDAP, des Eisernen Kreuzes II. Klasse, des Kriegsverdienstkreuzes II. Klasse und des Verwundetenabzeichens in Schwarz.
Protokolle der Erinnerungsbefragungen, die der Historiker Dieter Rebentisch 1979 mit H. über den Aufstieg und die Zeit des Nationalsozialismus in Hessen-Nassau führte, im ISG.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Marc Zirlewagen.

Lexika: Klein, Thomas: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau und in Waldeck 1867-1945. Darmstadt/Marburg 1988. (Quellen und Forschungen zur Hessischen Geschichte 70).Klein: Beamte, S. 144. | Kosch, Wilhelm: Biographisches Staatshandbuch. Lexikon der Politik, Presse und Publizistik. 2 Bde. Bern/München 1963.Kosch: Staatshdb., Bd. 1, S. 526. | Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index. Hg. im Auftrag d. Hessischen Landtags. Mitarbeit: Andrea Mitteldorf und Roland Schmidt. Marburg 1996. [Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48,7; Politische und Parlamentarische Geschichte des Landes Hessen (vormals Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen) 14].Lengemann: MdL, S. 185. | Lilla, Joachim: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biographisches Handbuch. Düsseldorf 2004.Lilla: Statisten in Uniform 2004, S. 419. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1992, S. 322, Nr. 1802. | Amtliches Reichstags-Handbuch. [Mit Titelvarianten.] Berlin 1874-1939.Reichstags-Hdb. (IX. Wahlperiode 1933), S. 206. | Ruppel, Hans Georg/Groß, Birgit: Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biographische Nachweise für die Landstände des Großherzogtums Hessen (2. Kammer) und den Landtag des Volksstaats Hessen. Darmstadt 1980. (Darmstädter Archivschriften 5).Ruppel/Groß: Hess. Abgeordnete, S. 135. | Stockhorst, Erich: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Velbert/Kettwig 1967.Stockhorst: Wer war was im Dritten Reich 1967, S. 525.
Literatur:
                        
Hennig, Eike (Hg.): Hessen unterm Hakenkreuz. Studien zur Durchsetzung der NSDAP in Hessen. Ffm. 1983. (Die Hessen-Bibliothek).Hennig (Hg.): Hessen unterm Hakenkreuz 1983. | Jahrbuch Hochtaunuskreis. Bisher 25 Jahrgänge. Usingen, später Ffm. 1993-2017.Maier, Gregor: Zwischen Verwaltung und Politik. Die Landräte des Kreises Usingen 1886-1932 und 1933-1972. In: Jb. Hochtaunuskreis 17 (2009), S. 82f. | Tüffers, Bettina: Der Braune Magistrat. Personalstruktur und Machtverhältnisse in der Ffter Stadtregierung 1933-1945. Ffm. 2004. (Studien zur Ffter Geschichte 54).Tüffers: Der Braune Magistrat 2004. | Zibell, Stephanie: Jakob Sprenger (1884-1945). NS-Gauleiter und Reichsstatthalter in Hessen. Darmstadt/Marburg 1999. (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 121).Zibell: Jakob Sprenger 1999.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Weiße Flecken in der Bildergalerie der Landräte. Hochtaunuskreis ist 40 und sein Vorläufer 145 Jahre alt. In: FAZ, Nr. 66, 17.3.2013, S. 57. | Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 520/16 Nr. 19221 (Spruchkammerakten Walter Heyse). | Hessisches Staatsarchiv Darmstadt.Hess. Staatsarchiv Darmstadt, Bestand G 12 A in Nr. 19/7-8 (Rednerakte 1930 der Landespolizei). | Hessisches Staatsarchiv Darmstadt.Hess. Staatsarchiv Darmstadt, Bestand O 61 BDC Nr. 11 (Materialsammlung Berlin Document Center). | ISG, Bestand Chroniken mit chronikalischen Schriften aller Art (Zeugenschrifttum wie Annalen, Tagebücher, Erlebnisberichte, Memoiren, Denkschriften), 1034-heute; erschlossen über Archivdatenbank.Rebentisch, Dieter: Erinnerungsbefragungen Walter Heyse am 2.5., 28.5. und 1.8.1979 in Ffm. ISG, Chroniken, S5/392. | ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass: ISG, S1/126. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.454.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://www.lagis-hessen.de/pnd/130490946Hess. Biografie, 8.7.2019. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_HeyseWikipedia, 8.7.2019.

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Empfohlene Zitierweise: Zirlewagen, Marc: Heyse, Walter. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/6787

Stand des Artikels: 8.7.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2019.