Schröder, Friedrich Ludwig

Schröder, Friedrich Ludwig (eigentl.: Friedrich Ulrich Ludewig). Schauspieler. Regisseur und Theaterleiter. Bühnenschriftsteller. * 3.11.1744 Schwerin, † 3.9.1816 Gut Rellingen bei Pinneberg.
Sohn der Schauspielerin Sophie Charlotte Sch., geb. Biereichel, seit 1749 verh. Ackermann (1714-1792).
Mit der Schauspieltruppe seines Stiefvaters (und möglicherweise auch leiblichen Vaters) Konrad Ernst Ackermann trat Sch., seinerzeit noch Tänzer, bei deren Ffter Gastspielen erstmals hier auf. Bei dem Ffter Aufenthalt von 1762, während der französischen Besatzungszeit, ließ er sich in einen Zweikampf ein und wurde durch einen Stich in den Leib schwer verletzt, entging jedoch glücklicherweise der sonst in solchen Fällen üblichen strengen Bestrafung durch die französischen Militärbehörden. Als Mitglied der Kurz’schen Theatertruppe (1767-68) kam Sch. 1767 erneut nach Ffm. Der bisherige Tänzer bewies hier nun erstmals sein großes schauspielerisches Talent. Im Rollenfach des Dieners und des Kavaliers engagiert, trat Sch. u. a. als Hector in Regnards „Der Spieler”, als Frontin (Leporello), der Diener des Don Juan, in der Stegreifkomödie „Der steinerne Gast”, als Norton in Lessings „Miss Sarah Sampson” sowie als Truffaldino in Goldonis „Diener zweier Herren” auf. Wegen einer im Oktober 1767 erlittenen Erkrankung, die der Ffter Arzt Dr. Hoffmann kurierte, wirkte Sch. allerdings nicht in der damals von der Truppe gegebenen Ffter Erstaufführung von Lessings „Minna von Barnhelm” mit. In den folgenden Jahren stieg Sch. zum berühmtesten Schauspieler seiner Zeit auf. Als Direktor der Hamburgischen Gesellschaft (1771-80, 1785/86-97/98, 1811-12) zeigte er sich insbesondere während seiner ersten Intendanz als das Sturm-und-Drang-Genie unter den Theaterleuten, entdeckte Shakespeare für die deutsche Bühne und förderte Aufführungen der Werke von Goethe, Schiller, Klinger und Lenz. Nicht nur in Ffm., das Sch. zumindest 1791 noch einmal besuchte, war er zudem mit Stücken wie „Der Fähndrich” (Ffter Erstaufführung 1784), „Das Blatt hat sich gewendet” (Ffter EA 1786), „Um sechs Uhr ist Verlobung” (Ffter EA 1787), „Die Heurath durch ein Wochenblatt” (Ffter EA 1788), „Der Ring oder Die unglückliche Ehe aus Delicatesse” (Ffter EA 1790) und „Das Portrait einer Mutter” (Ffter EA 1790) einer der meistgespielten Bühnenautoren des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 339f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Berthold Litzmann in: ADB 32 (1891), S. 506-512. | Ludwig Eisenberg’s Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903.Eisenberg, S. 919-922. | Harenbergs Lexikon der Weltliteratur. Autoren – Werke – Begriffe. Kuratorium: François Bondy, Ivo Frenzel, Joachim Kaiser, Lew Kopelew, Hilde Spiel. 5 Bde. Dortmund 1989.Sigrid Schuster in: Harenbergs Lex. d. Weltliteratur 5, S. 2600. | Kosch, Wilhelm: Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Fortgef. v. Ingrid Bigler-Marschall. 7 Bde. Klagenfurt, ab 4 (1998) Bern/München, ab 5 (2004) Zürich, ab 7 (2012) Berlin 1953-2012. Bisher 6 Nachtragsbände (bis Sr). Berlin 2013-18.Kosch: Theater 3 (1992), S. 2090.
Literatur:
                        
Frank, Bernhard: Die erste Ffter Theater AG (1792-1842) in ihrer Entwicklung von der „Nationalbühne“ zur „Ffter Volksbühne“. Ein Beitrag zur Erforschung von Schauspiel-Stil und -Regie des 19. Jahrhunderts. Ffm. 1967. (Studien zur Ffter Geschichte 2).Frank: Theater AG 1967, S. 65f. | Mohr, Albert Richard: Ffter Theater von der Wandertruppe zum Komödienhaus. Ein Beitrag zur Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts. Ffm. 1967.Mohr: Ffter Theater 1967, S. 42, 56, 118, 135, 148, 153, 165, 166, 171. | Pies, Eike: Prinzipale. Zur Genealogie des deutschsprachigen Berufstheaters vom 17. bis 19. Jahrhundert. Ratingen/Kastellaun/Düsseldorf 1973.Pies: Prinzipale 1973, S. 331-336.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.339.

GND: 118610813 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schröder, Friedrich Ludwig. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1138

Stand des Artikels: 5.9.1995