Neuerscheinungen vom 10. Januar 2020

Einleitung: 

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

es freut mich sehr, Sie auch 2020 wieder auf unseren Seiten online begrüßen zu dürfen! Ich wünsche Ihnen persönlich das Allerbeste für das neue Jahr und uns allen viele interessante Begegnungen – nicht nur, aber auch im Frankfurter Personenlexikon!
Mitten in der Theatersaison befasst sich der Artikel des Monats diesmal mit einer Frau, die Zeichen auf der Opernbühne – nicht nur in Frankfurt – gesetzt hat.

Artikel des Monats Januar 2020:
Die Frau für den Frankfurter „Ring“

Sie gab der Oper einen neuen Sinn: Ruth Berghaus. Unter der Intendanz von Michael Gielen hatte die Regisseurin aus der DDR ihren wichtigsten Wirkungsschwerpunkt an der Oper Frankfurt. Von 1980 bis 1987 brachte sie hier neun Produktionen heraus, von Mozarts „Zauberflöte“ bis zu Wagners „Ring des Nibelungen“, der ersten Nachkriegsaufführung des gesamten Zyklus an den Städtischen Bühnen. Eine Inszenierung von Ruth Berghaus wurde nie gleichgültig aufgenommen. Immer reagierten Publikum wie Kritik angesichts der unkonventionellen Interpretationen altvertrauter Musiktheaterstücke leidenschaftlich: hell begeistert oder wutempört. Für einen „Rosenkavalier“ kehrte die international berühmte Regisseurin 1992 noch einmal an die Frankfurter Oper zurück.
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Schluss: 

Die Aufregung, für die das Musiktheater der Ära Gielen in Frankfurt vor rund 40 Jahren sorgte, ist im Rückblick zu verstehen. Gerade die Oper schien damals noch weitgehend in einer Aufführungstradition zu verharren, in der Konventionen eine große und Inhalte fast gar keine Rolle mehr spielten. In der rosaroten Erinnerung an meine ersten Opernbesuche als Teenager, etwa ab Ende der 1970er Jahre, tauchen Bilder von beleibten Opernsängerinnen mit kastanienroten Hochsteckfrisuren auf, die sich in einem lilasamtenen Ungetüm von Kleid redlich bemühen, möglichst unbeschadet von den Zinnen der Engelsburg zu stürzen. (Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen und Inszenierungen sind natürlich rein zufällig und nicht beabsichtigt.)
Und dann habe ich, vielleicht mit 17 oder 18, den „Parsifal“ in der Frankfurter Fassung von Ruth Berghaus aus dem Jahr 1982 gesehen. Das war vollkommen neu für mich. Das Setzen starker Bilder auf einer eher kargen Bühne hat mich tief beeindruckt, so sehr, dass ich einzelne Szenarien bis heute nicht vergessen habe. Dass sich Amfortas das Blut aus seiner immer wieder aufbrechenden Wunde selbst mit einem dicken roten Filzstift aufmalte, fand ich damals ziemlich schräg. Noch konnte ich die Zeichen, die die Regisseurin ihren Zuschauern zumutete, nicht deuten. Bei Ruth Berghaus, die für ihre Genauigkeit in der Regiearbeit bekannt war, war nichts zufällig. Sie wollte, wie sie sinngemäß einmal in einem Fernsehinterview sagte, mit der Irritation den Zuschauer wachmachen, damit er die Bilder, Metaphern, Vorgänge auf der Bühne entdecke und kombiniere. Es würde hier zu weit führen, in das dramaturgische Konzept von Berghaus’ „Parsifal“ einzusteigen. Dennoch habe ich mir in Gedanken einmal den Spaß gemacht, mit der von der Regisseurin geforderten „Entdeckerlust“ die Versatzstücke aus der Erinnerung an die Inszenierung zusammenzufügen. Und tatsächlich ergibt sich eine stimmige Interpretation, in der auch der Rotstift von Amfortas seinen berechtigten Platz hat.

Der Start in das neue Jahr verlief in der Redaktion des Frankfurter Personenlexikons leider etwas holprig. Sie, liebe Leserinnen und Leser, mussten sich diesmal sehr lange gedulden, bis die Januarlieferung endlich komplett und auch über dieses Editorial hier zu finden war. Wir bitten, diese Unbill zu entschuldigen, und sehen den künftigen Lieferungen, für die sich schon einige neue bedeutende und attraktive Artikel angekündigt haben, frohgemut entgegen.

Noch einen schönen Januar und bald einen guten Februar wünscht Ihnen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2020.

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