Mozart, Wolfgang Amadeus

Mozart, Wolfgang Amadeus. Komponist. * 27.1.1756 Salzburg, † 5.12.1791 Wien.
M. hielt sich zweimal in Ffm. auf. Vom 10. bis 31. August 1763 war die Mainstadt eine Etappe auf einer publikumswirksamen und finanziell erfolgreichen Europatournee, die der Vater Leopold M. (1719-1787) mit seinen Kindern unternahm. Der siebenjährige M. und seine zwölfjährige Schwester Maria Anna, gen. Nannerl (1751-1829), traten als musikalische „Wunderkinder“ hier in fünf Konzerten (am 18., 22., 25., 26. und – wegen des großen Publikumserfolgs – zusätzlich am 30.8.1763) auf. Im Vordergrund des allgemeinen Interesses stand die virtuose Darbietung der beiden M.kinder: „(...) der Knab wird (...) das Manual oder die Tastatur des Clavier mit einem Tuche gänzlich verdecken, und auf dem Tuche so gut spielen als ob er die Claviatur vor den Augen hätte“ (Franckfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten, 30.8.1763). Am 25.8.1763 besuchte Johann Wolfgang Goethe das Konzert im Scharffensaal (auch: Scherffensaal) am Liebfrauenberg und erinnerte sich in den Gesprächen mit Eckermann nach fast 70 Jahren „des kleinen Mannes in seiner Frisur und Degen noch ganz deutlich“ (vgl. Goethe zu Eckermann, 3.2.1830). Die vierköpfige Familie M. bewohnte zunächst eine Unterkunft in der Bendergasse 3. Hier ritzte Vater Leopold mit einem Diamantring seine „Visitenkarte“ in eine Fensterscheibe, die erhalten blieb und sich heute im HMF befindet: „Mozart/ Maitre de la Musique/ de la Chapelle de Salzbourg/ avec Sa Famil(l)e le 12 Août/ 1763“.
M.s zweiter Besuch in Ffm. von Ende September bis Mitte Oktober 1790 stand unter ungünstigen Vorzeichen. Sein Plan, im Gefolge Leopolds II. zu dessen Wahl und Krönung nach Ffm. zu reisen, war fehlgeschlagen. Bei diesem Aufenthalt wohnte M. zunächst in der Brückenstraße im Gasthof „Zu den drei Rindern“ und später in der Kalbächer Gasse. Am 15.10.1790 leitete er ein Konzert im Ffter Schauspielhaus, das, nach seinen Worten, „von Seiten der Ehre herrlich, aber in Betreff des Geldes mager ausgefallen“ sei, da gleichzeitig „zum Unglück ein groß Dejeuné bei einem Fürsten und großes Manoever von den Hessischen Truppen“ stattgefunden hätten (M. in einem Brief an seine Frau Constanze, Ffm., 15.10.1790; zit. nach Schaefer: Mozart u. seine Opern in Ffm. 1980, S. 39). Zu Gehör kamen eine der 1788 in Wien komponierten Sinfonien (KV 543, KV 550 oder KV 551), das Klavierkonzert in F-Dur (KV 459) und wahrscheinlich das Klavierkonzert in D-Dur (KV 537). Ferner standen ein Gesangsduett, eine Stegreifphantasie und ein weiteres Klavierkonzert auf dem Programm. Letzteres fiel jedoch aus, nachdem die Aufführung bis dahin bereits drei Stunden gedauert hatte.
War dieses Konzert auch ein materieller Misserfolg, so fanden M.s Werke ansonsten schon zu Lebzeiten des Komponisten in Ffm. eine beachtliche Rezeption. 1782 kam es zur ersten szenischen Aufführung des M.’schen Frühwerks „La Finta Giardiniera“ („Die Gärtnerin aus Liebe“). In den Ffter Aufführungen von „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ 1788 bzw. 1789 wurden diese Stücke erstmals in deutscher Sprache gegeben. Als M.s „Zauberflöte“ 1793 nach Ffm. kam, schrieb Goethes Mutter an ihren Sohn: „Neues gibts hir nichts, als daß die Zauberflöte 18 mahl ist gegeben worden – und daß das Hauß immer geproft voll war – kein Mensch will von sich sagen laßen – er hätte sie nicht gesehn.“
Von der 1799 erstmals in Ffm. gespielten M.oper „Titus“ sind die Bühnenbilder dieser Aufführung erhalten.
Eine Gedenktafel in der Kalbächer Gasse erinnert an M.s Ffter Aufenthalt im Jahr 1790.
1838 wurde vom Ffter Liederkranz eine M.stiftung ins Leben gerufen, zu deren bekanntesten Stipendiaten Engelbert Humperdinck zählte. Ein Jahr darauf wurde ein M.museum eingerichtet, dessen Bestände später den Grundstock für die Musik- und Theaterabteilung der Ffter Stadt- und Universitätsbibliothek legten.
1913 wurde in der Bockenheimer Anlage ein M.denkmal errichtet (zerstört 1944, neu geschaffen 1963). Der kleine Platz vor dem Denkmal heißt seitdem M.platz.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 68f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Greve, Clemens: Mozart und Ffm. In: AFGK 71 (2008), S. 27-40. | Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13/14. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Fft. und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Woelcke, Karl: Mozart in Fft. In: Alt-Fft. 1917, S. 103-121. | [Goethe, Catharina Elisabeth:] Die Briefe von Goethes Mutter. Nach der Ausgabe von Albert Köster. Hg. v. Mario Leis, Karl Riha und Carsten Zelle. 1. Aufl. Ffm./Leipzig 1996. (insel taschenbuch 1550).Catharina Elisabeth Goethe an ihren Sohn Johann Wolfgang, Ffm., 9.11.1793: Catharina Elisabeth Goethe: Briefe 1996, S. 318. | Hamann, Brigitte: Mozart. Sein Leben und seine Zeit. Wien 2006.Hamann: Mozart 2006. | Hock, Sabine: Wie finden Sie Goethe? Goethestätten in Ffm. Hg. i. A. d. Dezernats für Kultur und Freizeit der Stadt Ffm., ISG. Ffm. 1999.Hock: Goethestätten in Ffm. 1999, Nr. 4. | Kienzle, Ulrike: Drei Generationen Mozart in Fft. Ein Stadtführer. Hg. v. der Ffter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen. Ffm. 2005.Kienzle: Mozart in Fft. 2005. | Kienzle, Ulrike: Neue Töne braucht das Land. Die Ffter Mozart-Stiftung im Wandel der Geschichte (1838-2013). Ffm. 2013. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriftenreihe der Ffter Bürgerstiftung in Zusammenarb. m. der Cronstett- und Hynspergischen ev. Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 10).Kienzle: Mozart-Stiftung 2013, S. 51-55, 139-144. | Mohr, Albert Richard: Das Ffter Mozart-Buch. Ein Beitrag zur Mozartforschung. Ffm. 1968.Mohr: Ffter Mozart-Buch 1968. | Schaefer, Hartmut: Mozart und seine Opern in Ffm. Zur hundertjährigen Wiederkehr der Eröffnung des Ffter Opernhauses mit Mozarts "Don Giovanni". Ffm. 1980.Schaefer: Mozart u. seine Opern in Ffm. 1980. | Steiger, Robert [Bd. 1-6]/Reimann, Angelika [Bd. 7-8]: Goethes Leben von Tag zu Tag. Eine dokumentarische Chronik. 8 Bde. München u. a. 1982-96.Steiger/Reimann: Goethes Leben von Tag zu Tag I (1749-1775), S. 112f. | Voelcker, Heinrich (Hg.): Die Stadt Goethes. Ffm. im 18. Jahrhundert. Hg. v. d. Stadt Ffm. (...) im Goethejahr 1932. Ffm. 1932. Unveränderter Nachdr. Würzburg 1982.Hering, Robert: Das Elternhaus Goethes und das Leben in der Familie. In: Voelcker (Hg.): Die Stadt Goethes 1932, S. 410.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/69. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/G 6.127. | Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt Ffm. (Hg.): Pressedienste (Tages- und Wochendienst), später Service PRESSE.INFO.Hock, Sabine: Fft. feierte Mozart als Wunderkind. Zum 250. Geburtstag Konzerte und eine Ausstellung in der Mainstadt. In: PIA, Wochendienst, Nr. 50 vom 20.12.2005.
Internet: Oesterreichisches Musiklexikon (oeml) online, Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen (IKM), Abteilung Musikwissenschaft, Wien. http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_M/Mozart_Familie.xml
Hinweis: Artikel von Monika Reger.
Oesterreichisches Musiklex., 3.1.2019.


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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Mozart, Wolfgang Amadeus. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/567

Stand des Artikels: 16.8.1993