Schwarzenberg, Walter von

Schwarzenberg (auch: Schwartzberg, Schwartzenberg, Schwarzenberger), Walter von. Politiker und Diplomat. * 1378 Friedberg/Hessen, † 19.11.1459 Ffm., begraben in der Karmeliterkirche in Ffm.
Sch.s Familie stammte wahrscheinlich von Schloss Schwarzenburg in der Oberpfalz und war seit einigen Generationen in Friedberg ansässig.
Sch., der Sohn eines angesehenen und wohlhabenden Friedberger Bürgers, wurde schon 1404 dort Ratsherr und Schöffe. Anlässlich seiner Heirat mit Katharina Weiss († 1446), der Tochter des Ffter Ratsherrn Konrad Weiss, zog der bereits zweimal verwitwete Sch. 1411 nach Ffm. und wurde hier im selben Jahr Ratsherr, 1416 Schöffe. 1419, 1427 und 1435 bekleidete er das Amt des Älteren Bürgermeisters.
Vornehmlich mit politischen und militärischen Missionen betraut, unternahm Sch. seit 1417 im Auftrag der Stadt über 200 Reisen, wovon seine (im ISG überlieferten und als vorzügliche Quelle zur Stadt- und Reichsgeschichte geltenden) Gesandtschaftsberichte zeugen. Als König Sigmund im Frühjahr 1417 Kriegshilfe der Städte gegen Herzog Friedrich von Österreich anforderte, führte Sch. als Hauptmann den Ffter Zug an, mit dem er kampflos im Februar 1418 aus Konstanz nach Ffm. zurückkehrte. Bei dem Reichstag in Breslau im November 1419, seinem ersten großen Einsatz als Ffter Gesandter, erreichte Sch., dass der König den Freigrafen Johann von Menchhausen zur Einstellung eines Prozesses gegen mehrere Ffter Bürger anwies, und errang somit gleich einen diplomatischen Erfolg. Im Hussitenkrieg 1421 zog Sch. mit 300 Reisigen und bewaffneten Gesellen im rheinischen Heer mit nach Eger und nahm an der Belagerung von Saaz teil. Als der König neue Steuergelder von den eigentlich an die Stadt verpfändeten Ffter Juden forderte und darüber die Ffter Judenschaft mit der Acht belegte, erreichte Sch. am Königshof in Ungarn 1423 die Lossprechung der Juden von Acht und neuer Steuer; außerdem ließ er sich dort alte Messe- und Geleitsprivilegien für Ffm. bestätigen. König Sigmund, der die Unterstützung der Städte gegen die Kurfürsten brauchte, ernannte den tüchtigen Diplomaten Sch. 1424 zum Hofdiener und schickte ihn auf einen Propagandaritt durch Schwaben, Franken und die Rheinlande, dessen erfolgreicher Verlauf dem König die Teilnahme zahlreicher städtischer Gesandter am Reichstag in Wien im November 1424 bescherte. Zum Dank erhob der König Sch. 1425 in den Adelsstand und verlieh ihm alle Rechte, Freiheiten und Ehren der rittermäßigen Reichsangehörigen. Gleich darauf nahm der König ihn als Rat für Femeangelegenheiten in seine persönlichen Dienste. Bei einem Aufenthalt im serbischen Feldlager während des Türkenfeldzugs 1427 handelte Sch. bei König Sigmund drei Privilegien, darunter eines auf eine Silbermünzstätte, für die Stadt Ffm. aus. 1428 musste Sch. dann eine Krise in der Stellung Fft.s als Messestadt bewältigen, zu der es nach dem Überfall des Erbkämmerers Konrad von Weinsberg auf einen zur Ffter Messe reisenden Kaufmannszug gekommen war. Schon im Folgejahr konnte Sch. jedoch die Ffter Währung weiter sichern, indem er in Pressburg für Ffm. das Privileg erstritt, selbstständig neunzehnkarätige Goldgulden prägen zu dürfen. Ebenfalls 1429 gestattete der König Sch., eine goldene Krone auf Wappen, Kleinod und Helm zu führen. Während seines Aufenthalts bei der Reichsversammlung in Nürnberg 1431, die einen zweiten Krieg gegen die Hussiten beschloss, war Sch. mit Waffeneinkäufen für die Stadt Ffm. befasst. Wiederum führte er als Hauptmann das Ffter Truppenkontingent nach Böhmen. 1432 zog er an der Spitze des Ffter Heers gegen die Raubritter von Hattstein. Seinen größten Erfolg errang Sch. nach zähen Vorverhandlungen endlich 1433/34: Von dem inzwischen zum Kaiser gekrönten Sigmund erhielt er in Basel die Bestätigung des Privilegs für die zwei Ffter Messen. Sigmunds Geldnot ausnutzend, hatte er dem Kaiser Ffter Stadtsteuer und Krönungsgeschenk gerade in dem Moment überreicht, als dieser seine Kleinodien versetzen wollte. Somit fühlte sich Sigmund der Stadt Ffm. und ihrem Gesandten verpflichtet und beschloss am 30.11.1433 die Bestätigung des Privilegs. Dessen Ausfertigung ließ jedoch auf sich warten, und so schaltete Sch. noch am 17.3.1434 den ihm befreundeten Nikolaus von Cues in die Angelegenheit ein. Das dann im Lauf des Frühjahrs 1434 ausgefertigte Privileg mit einer Goldenen Bulle ist im Ffter Institut für Stadtgeschichte überliefert. Auf dem Rückweg von einer Mission in Regensburg 1434 wurde Sch. überfallen und für drei Wochen in Tauberbischofsheim gefangengehalten. Zwei Jahre später geriet er auf der Fahrt nach Böhmen zum Kaiser in die Hände von Raubrittern und wurde erst auf Sigmunds Druck hin befreit.
Auch nach Sigmunds Tod reiste Sch. weiterhin als städtischer Gesandter für Ffm. Seine letzte große diplomatische Fahrt 1447 galt einer Streitsache am Kammergericht. Danach war er noch bis 1454 als Rechtsbeistand und Freischöffe in Femeangelegenheiten für Ffm. und befreundete Städte unterwegs. 1457 legte er seine Ämter in der Stadtpolitik nieder. Sein besonderes Anliegen war immer die Erhaltung und der Ausbau der Ffter Messe gewesen, wofür er sich im Kampf gegen die Konkurrenz der süddeutschen Städte, insbesondere Nürnbergs, mit diplomatischem Geschick erfolgreich eingesetzt hat. Dadurch hat er sich verdient gemacht um die politische und wirtschaftliche Stellung der Stadt Ffm. in Selbstständigkeit, Sicherheit und Wohlstand.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 358f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Heym, Heinrich: Lebenslinien. Schicksale aus einer alten Stadt. 3 Folgen. Ffm. 1965-68.Heym: Lebenslinien II (1966), S. 7-15.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.201.

GND: 106994162X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Schwarzenberg, Walter von. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1195

Stand des Artikels: 22.9.1995