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Edelmann, Ursula

Edelmann, Ursula, geb. Pomplitz. Fotografin. * 30.3.1926 Berlin, † 7.12.2024 Hamburg, bestattet auf dem Ffter Südfriedhof.
Tochter des Juristen und Versicherungsdirektors Kurt Pomplitz (1893-1946) und dessen Ehefrau Ella, geb. Poggendorff (1898-1993). Zwei ältere Brüder. Verheiratet (seit 1960) mit dem Kunsthistoriker und Bibliothekar Gottfried Wolfgang E. (1930-2018). Ein Sohn: Klaus Thomas E. (* 1963), Journalist und Designkritiker.
Die Familie Pomplitz wohnte in der als Enklave zu Berlin gehörenden Ansiedlung Steinstücken bei Potsdam-Babelsberg (bis 1.4.1938: Nowawes, dann unter Zusammenschluss mit Neubabelsberg bis zur Eingemeindung nach Potsdam am 1.4.1939: Babelsberg), wo Ursula Pomplitz als jüngstes von drei Kindern aufwuchs. Von 1936 bis zum Abitur 1944 Besuch der Beethovenschule, eines Lyzeums bzw. (ab 1937) einer Oberschule in Potsdam-Babelsberg. Ab April 1944 Reichsarbeitsdienst in Ostpreußen. Im Januar 1945 Flucht nach Westen. Anschließend bis März 1945 Kriegshilfsdienst in Celle. Von November 1945 bis November 1948 Fotografenlehre bei Max Baur (1898-1988) in Potsdam, abgeschlossen mit Auszeichnung. Von Februar bis Dezember 1949 Festanstellung als Fotografin und Laborantin bei dem Fotostudio „FoKoWe“ in Ffm. Seit Frühjahr 1950 selbstständige Fotografin in Ffm.
Schwerpunkte im Schaffen von Ursula E.-Pomplitz waren Architektur-, Kunst-, Sach- und Modefotografie. Ihre Berufstätigkeit als (anfangs festangestellte) Fotografin in Ffm. begann sie unter ihrem Geburtsnamen Ursula Pomplitz insbesondere mit Modeaufnahmen, u. a. für den sich in der Stadt etablierenden Pelzhandel, zumal ihr Arbeitgeber „FoKoWe“, ein Studio für „Porträt, Material- und Werbefotografie“ in Sachsenhausen, gerade (ab 1949) die „Bildgestaltung der Ffter Messen“ übernommen hatte (lt. Brief der Geschäftsleitung von „FoKoWe“ an Ursula Pomplitz, Ffm., 10.12.1948, im Nachlass Ursula Edelmann in Privatbesitz). Als freie Fotografin ab 1950 führte sie zunächst auch Aufträge für ihren früheren Dienstherrn aus, was ihr ermöglichte, weiterhin auf der Ffter Messe zu fotografieren und sich andere Motivkreise (wie Möbel- und Produktdesign) zu erschließen. Ihr besonderes Interesse galt jedoch der Architekturfotografie, in die sie professionell einsteigen wollte. Bei der Deutschen Genossenschaftskasse, deren Neubau am Taunustor (Architekt: Alfred Schild, 1950-51; abgerissen 2011 für den Bau des Taunusturms) im Entstehen war, sprach sie vor und erhielt die Erlaubnis, unverbindlich einige Innenaufnahmen des gerade erst neu eingerichteten Gebäudes zu machen. Die abgelieferten Fotos überzeugten und zogen erste Aufträge nach sich, etwa von der Deutschen Genossenschaftskasse, dem Architekten Alfred Schild und den an dem Bau beteiligten Firmen. Bei den Atelierfesten des Ffter Künstlers Hans Oskar Wissel (1922-1985) lernte Ursula Pomplitz um die Mitte der 1950er Jahre den städtischen Oberbaurat Joseph Schubö (1908-1990) kennen, der beim Hochbauamt für den Wiederaufbau historischer Bauwerke wie der Dotationskirchen, des Karmeliterklosters und des Dominikanerklosters zuständig war. Schubö beauftragte sie ab 1955 mit der fotografischen Dokumentation laufender Bauprojekte in Ffm., vor allem für die Jahresberichte des Hochbauamts, wofür sie bis etwa 1963 fotografierte. Ab den späten 1950er und insbesondere in den 1960er Jahren schuf sie zudem eine Reihe von Maschinenfotografien im Auftrag der Industrie, u. a. für den Büromaschinenhersteller „Remington Rand“ und für die Rührmaschinenfabrik „J. S. Petzholdt“. Vorrangig arbeitete E. seit den 1960er Jahren bis 2007 als Fotografin für die Ffter Museen, vor allem für das Städel, das Liebieghaus und das Museum für Kunsthandwerk (seit 2000: Museum für angewandte Kunst) sowie für das Ffter Goethe-Museum, in deren Auftrag sie Kunstwerke, Ausstellungen und bauliche Veränderungen der einzelnen Häuser dokumentierte, etwa für Kataloge, Kunstbände, Presseveröffentlichungen, Plakate, Postkarten und andere Werbematerialien. Als freie Kunst- und Museumsfotografin war E. auch auf internationaler Ebene tätig. Eine bisher kaum beachtete Werkgruppe von ihr bilden Architektur- und Kunstfotografien aus Frankreich, Spanien und Italien, die sie vornehmlich in den 1960er bis 1980er Jahren, oftmals für kunsthistorische Schriften ihres Mannes Gottfried E., aufnahm.
Mit der Ausstellung „Ursula Edelmann Fotografien. Architektur und Kunst in Ffm. von 1950 bis heute“ des Instituts für Stadtgeschichte im Refektorium des Karmeliterklosters 2002 rückten die Fotografien von E. erstmals als ein Gesamtwerk von höchster handwerklicher Präzision, außergewöhnlicher ästhetischer Qualität und stadthistorisch einzigartigem dokumentarischem Wert in den Blickpunkt. Über Jahrzehnte hinweg hatte E. kontinuierlich das Bild und den Wandel der Stadt Ffm. im Zustand der Zerstörung, im Wiederaufbau und im Neubau nach dem Zweiten Weltkrieg fotografisch festgehalten, bevorzugt in Schwarz-Weiß (wobei sie immer Wert darauf legte, dass alle Töne von Schwarz bis Weiß in den feinsten Nuancen zu sehen sein sollten). E. bereitete ihre Aufnahmen stets sorgfältig vor. Gerade bei Architekturaufnahmen näherte sie sich ihrem Objekt allmählich an, beobachtete genau, bestimmte den idealen Standort und wartete den richtigen Zeitpunkt ab. Dann waren nur wenige Aufnahmen nötig: Zwei Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten habe sie jeweils gemacht, sagte sie einmal in einem Interview. Menschen wollte sie auf ihren Architekturaufnahmen nicht oder höchstens als Teil der Bildkomposition sehen. Meist arbeitete E. mit Kameras des Mittel- und Großformats (seit 1955 einer „Linhof Technika“), Stativ und langen Belichtungszeiten. Sie entwickelte alle Filme (bis 1962 „Adox Rollfilme“ der Firma Schleussner) unter Verwendung eines speziellen Ausgleichsentwicklers („Neofin“) und machte alle Abzüge auf ausgewähltem Papier selbst im Labor, wodurch sie jedem einzelnen Bildabzug ihre persönliche Handschrift gab. Alle ihre Fotografien sind geprägt von einer ruhigen und klaren Bildsprache, einer ausgewogenen Perspektive und einer perfekten Lichtkomposition.
Mit ihrem Spätwerk knüpfte E. an ihre früheren Arbeiten zur Architekturfotografie im städtischen Auftrag an. Für die Bauaufsicht unter der Leitung von Michael Kummer (* 1949) erstellte sie eine fotografische Sammlung mit Bildern von Ffter Bauten, zunächst (ab 2002) einer Auswahl aus ihren vorhandenen Architekturfotografien, die sie im Format von 30 x 40 Zentimetern auf Barytpapier neu abzog. Später, ab 2009 bis etwa 2011, ergänzte sie die Sammlung der Bauaufsicht um eine Reihe neuer Aufnahmen ausgewählter aktueller Bauten, die sie traditionell mit Großbildkamera und Stativ in Schwarz-Weiß fotografierte. Inzwischen setzte sie aber auch eine Digitalkamera ein, etwa in Projektserien zur Architektur der Universität auf dem Campus Westend (2009), zur Dokumentation des Technischen Rathauses mit den Wandgemälden von Benno Walldorf vor dem Abriss (als Broschüre, 2010) und zum Abriss des Henninger-Turms in Sachsenhausen (2013), alle in Farbe.
Bereits 2007 hatte E. ihre freiberufliche Tätigkeit als Museumsfotografin aus Altersgründen aufgegeben. Um 2014 beschloss sie, gar nicht mehr zu fotografieren. Im Februar 2024 zog E. von Ffm. in ein Pflegeheim in Hamburg, in der Nähe ihres Sohnes, wo sie zehn Monate später im hohen Alter von 98 Jahren starb.
Weitere Ausstellungen (in Auswahl): „Ursula Edelmann. Frankfurt am Main“ in der Galerie Michael Neff in Ffm. (2002/03), „Ursula Edelmann. Fotografien aus einer kleinen Großstadt“ im Ausstellungszentrum Kroch-Haus in Leipzig (2005), „Wiederbegegnung. Max Baur und Ursula Edelmann. Fotografien 1925-2008“ in der Galerie Braubachfive in Ffm. (2009), „Ansichten zwischen Dom und Römer. Fotografie Ursula Edelmann 1949-2011“ der „Dom Römer GmbH“ in Kooperation mit der Galerie Braubachfive in Ffm. (2011), „Ansichten zwischen Dom und Römer II. Fotografien von Ursula Edelmann“ in der Galerie Braubachfive in Ffm. (2012), „Der Henninger-Turm 1961 bis 2013. Fotografie“ in der Galerie Braubachfive in Ffm. (2013), „Die Stadt der 1950er und 1960er Jahre – Frankfurt im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Fotografien von Ursula Edelmann“ im Kulturbahnhof in Kassel (2014), „1950 Frankfurt 1959. Ursula Edelmann / Georg Christian Dörr. Architekturfotografie“ in der Galerie Braubachfive in Ffm. (2015), „Ursula Edelmann – Treppen – Fotografien“ in der Galerie Kunstraum Bernusstraße in Ffm. (2015), „Potsdam. Ursula Edelmann – Fotografie / Stefan Pietryga – Installation“ in der Galerie Kunstraum Bernusstraße in Ffm. (2016), „Ursula Edelmann. Frankfurt Fotografien“ im Museum Bensheim (2018), „Die Inspiration – zwei Blicke / Ursula Edelmann und Stefan Pietryga – Fotografie und Skulptur“ in der Galerie Kunstraum Bernusstraße in Ffm. (2020), Retrospektive „Ursula Edelmann. Ein Leben für die Fotografie“ in der Galerie Kunstraum Bernusstraße in Ffm. (2021).
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie.
Heute zählt E. zu den herausragenden Fotografen und Fotografinnen der deutschen Nachkriegsmoderne. Einige ihrer Motive sind ikonisch geworden, insbesondere die Aufnahme der geschwungenen Treppe im Obergeschoss des wiederaufgebauten Rathauses Römer (in Farbe und Schwarz-Weiß, 1962).
Fotografien von E. befinden sich im Besitz von MMK, HMF und ISG in Ffm. Eine Auswahl von Architekturfotografien von E. aus über 50 Jahren Ffter Baugeschichte hängt seit 2010 in den Besprechungsräumen der Bauaufsicht im städtischen Planungsdezernat im Verwaltungsgebäude Kurt-Schumacher-Straße 10. Das Städel Museum erwarb mit Mitteln der Ludwig-Pfungst-Museums-Stiftung 2018 eine Serie mit fünf Fotografien von Rührmaschinen der Ffter Maschinenfabrik „J. S. Petzholdt“ (1958-1967).
„Ursula Edelmann Archiv“, gegründet 2025 von Thomas Edelmann und Rudi Feuser, bei der PanGallery in Ffm. zur Bewahrung und Pflege des künstlerischen Nachlasses von Ursula E.
Zum 100. Geburtstag 2026 Ausstellungen „Ursula Edelmann 100. Eine fotografische Retrospektive“ der PanGallery im Kunstraum Bernusstraße und „Stadtbilder – Ikonen des Stadtwandels. Ursula Edelmann zum 100. Geburtstag“ im Historischen Museum in Ffm. sowie „Sehnsucht nach Arkadien – Ursula Edelmann & Max Baur“ im Kunstverein KunstHaus in Potsdam.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Literatur:
                        
Deutscher Werkbund Hessen e. V./Opatz, Wilhelm E. (Hg.): [Architekturführer] Fft. 1950-1959. Sulgen [2014].Edelmann, Gottfried Wolfgang/Edelmann, Klaus Thomas: Die Deutsche Genossenschaftskasse. In: Dt. Werkbund Hessen/Opatz (Hg.): Fft. 1950-59, S. 132-141; vgl. auch S. 158. | Freunde Fft.s e. V./Opatz, Wilhelm E. (Hg.): [Architekturführer] Fft. 1960-1969. Zürich 2016.Freunde Fft.s/Opatz (Hg.): Fft. 1960-69, S. 20f., 184. | Freunde Fft.s e. V./Opatz, Wilhelm E. (Hg.): [Architekturführer] Fft. 2000-2009. Hamburg [2024].Edelmann, Klaus Thomas: Qualität in der Gegenwart entdecken. Wie die fotografische Sammlung der Ffter Bauaufsicht entstand. In: Freunde Fft.s/Opatz (Hg.): Fft. 2000-09, S. 16-23; vgl. auch S. 206. | Stadt der Fotografinnen. Fft. 1844-2024. Für das Historische Museum Frankfurt hg. v. Dorothee Linnemann, Katharina Böttger, Ulrike May, Christina Ramsch, Bettina Schulte Strathaus. [Begleitbuch zur Ausstellung im HMF, 29.5.-22.9.2024.] Köln 2024. (Schriften des HMF 44).Christina Ramsch in: Linnemann u. a. (Hg.): Stadt d. Fotografinnen 2024, S. 154-157. | [Mettner, Martina (Hg.):] Ursula Edelmann. Fotografien. Architektur und Kunst in Ffm. von 1950 bis heute. [Buch zur Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte, Karmeliterkloster, Ffm., 2002.] Texte: Evelyn Hils-Brockhoff (Vorwort), Martina Mettner (Einleitung), Ursula Edelmann (Nachbemerkung). Bildredaktion: Martina Mettner. Mainz [Copyright 2002].Mettner (Hg.): Ursula Edelmann 2002. | Steins, Stephan (Hg.): Im Geist des Bauhaus. Max Baur. Fotografien 1925-1960. Essay von William A. Ewing. Texte von Max Baur und Ursula Edelmann-Pomplitz. Zürich u. a. 2001.Edelmann-Pomplitz, Ursula: Max Baur als Lehrer. In: Steins (Hg.): Max Baur 2001, S. 132-134; vgl. auch S. 14.
Quellen: Adressbuch der Stadt Potsdam und Umgebung, 1826-1949.Einträge des Vaters Kurt Pomplitz: Adr. Potsdam 1934, Nowawes, S. 71; 1936/37, Nowawes, S. 46; 1938/39, Babelsberg, S. 54. | Film.Film: Ursula Edelmann. Interview im Rahmen der Ausstellung „Stadt der Fotografinnen. Fft. 1844-2024“ des HMF in Kooperation mit dem Frauenreferat Fft., ca. 10 Min., Deutschland 2024. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/17.894. | Frdl. Mitteilungen an d. Verf.Mitteilungen von Thomas Edelmann, Hamburg, 4.3.2026.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Ursula_EdelmannWikipedia, 16.3.2026.

GND: 124228100 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Edelmann, Ursula. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14054

Stand des Artikels: 17.3.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2026.