Sohn des Ffter Bürgers und Sattlers Hanß Conrad K. († spätestens 1662) und dessen Ehefrau Anna Margretha, geb. Ambach, Tochter des Ffter Bürgers und Eisenkramers Antonius Ambach. Verheiratet in erster Ehe (seit 1662) mit Susanna K., geb. Pauli (?-1662), Tochter des Ffter deutschen und französischen Schulmeisters Hanß-Jacob Pauli, eines der zwölf Widmungsadressaten von K.s Rechenbuch. Verheiratet in zweiter Ehe (seit 1663) mit Magdalena K., geb. Reichart (?-1670), Tochter des Ffter Bürgers und deutschen Schul- und Rechenmeisters Jacob Reichart (auch: Reichardt). Verheiratet in dritter Ehe (seit 1670) mit Anna Dorothea K., geb. Neffer, Tochter des Ffter Bürgers und Schlossers Georg Neffer.
Über die Ausbildung K.s ist nichts bekannt. Am 1.8.1662 erhielt K. als Schul- und Rechenmeister das Ffter Bürgerrecht. Seit 1664 bat K.s etwa 50 Jahre älterer Rechenmeisterkollege
Johann Georg Büttner den Ffter Rat aus Altersgründen um einen Adjunkten im Amt als Rechneischreiber.
Büttner wollte seinen Schwiegersohn Johannes Raab (?-1681) fördern und fürchtete offenbar die Konkurrenz von K., von dem er meinte, dass dieser sein Adjunkt sein bzw. ihn ablösen wolle.
K. veröffentlichte sein Rechenbuch erstmalig 1667 in Ffm. unter dem Titel „Kurtzgefaßte doch Gründliche Arithmetische Practic (…) Sampt einem Cossischen Appendice“ (Drucker Johann Georg Walther).
Die Auflage von 1671 erschien in Ffm. unter dem veränderten Titel „Kurtzes Zur Regula Detri und Practicae gefastes/ doch vollständiges/ und wol gegründetes Rechen-Büchlein“ (Verleger Johann Peter Zubrodt, Drucker Paul Humm). K. nennt in seiner Widmung zwölf Ffter Rechenmeister, darunter: Peter Bittner (1628-?), Sohn von
Johann Georg Büttner, Vinzenz Beusser (1637-?), Sohn von
Nicolaus Beusser, und Johann Anton Redlich (1645-1715), Sohn von
Johann Conrad Redlich, die somit alle drei selbst Söhne von Ffter Rechenmeistern waren; seinen ersten Schwiegervater Johann Jacob Pauli und dessen Sohn Johann Hector Pauli; Balthasar Reichardt, Sohn seines zweiten Schwiegervaters, des deutschen Schul- und Rechenmeisters Jacob Reichardt.
Das gut 100 Seiten umfassende Rechenbuch von K. soll seinem Titel nach auf den Dreisatz (Regula de tri) fokussieren, enthält jedoch nur damals übliche Themen der Kaufmannsmathematik. Nach den Grundrechenarten für unbenannte und benannte Zahlen folgen vier Teile: (1) Aufgaben zum Dreisatz mit verschiedenen Einheiten; (2) Grundrechenarten für Brüche, Resolution (zu kleineren Einheiten), Reduktion (zu größeren Einheiten) mit Aufgaben zum Dreisatz; (3) „Allerhand Rechnungen“ zu Eisen, Fisch, Getreide, Getränken, Mengen und Preisen; (4) Währungen (Leipzig, Nürnberg, Lyon, Venedig, Hamburg, Niederlande, England), Rabatte, Kaufmannsgesellschaften, Subunternehmer (Faktoren), Gewinn und Verlust, Transport (Rechnung über Land), Zins (Interesse), Warentausch (Stich), Edelmetalle, Münzlegierungen (Regula alligationis). Es werden aber keine mathematischen Symbole (Operatoren) und keine Gleichungen mit einer Unbekannten behandelt, also keine Algebra. K. bringt die ansehnliche Zahl von 800 Aufgaben, die sicher für den Verkaufserfolg sorgten. Bei jeder Aufgabe ist das Ergebnis ohne Lösungsweg angegeben. Deshalb war das Rechenbuch nicht zum Selbststudium geeignet, sondern setzte seinerzeit den kostenpflichtigen Unterricht bei einem Rechenmeister voraus.
Ab 1671 beschließt K. sein Rechenbuch mit der Lösung einer Wortrechnungsaufgabe (Buchstabenzahlenrätsel) des Nürnberger Rechenmeisters Sebastian Kurtz (1576-1659), die er schon am Ende des Titels ankündigt: „sampt H[err]n Curtii Sel[igen] künstlichen Wort-Rechnung“. Diese Aufgabe ist in den zugänglichen Auflagen von Kurtz’ hierfür einschlägigen Rechenbüchern nicht auffindbar; woher sie stammt, ist wegen fehlender genauer Angaben nicht nachweisbar. Der Regensburger Rechenmeister Georg Wendler (1619-1688) löste diese Aufgabe in seiner Handschrift „Analysis vel resolutio“ (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 3789, Bl. 263v-264r).
Nach dem Tod von K. wurde dessen Rechenbuch zunächst von K.s Sohn, dem Ffter Bürger und Weinstecher (Weinmakler) Johann Georg K. (?-1727), und ab spätestens 1766 von einem sonst in den Ffter Kirchenbüchern nicht nachweisbaren Johann Jakob K. fortgesetzt und erlebte 14 Auflagen bis 1816.
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