Verheiratet mit dem Rechtsanwalt und Notar Alfons M. (1882-1971). Zwei Kinder: Arthur M. (1927-2014); Hanni M. (später verh. Cohen, 1929-2021), Krankenschwester.
Nach dem Ersten Weltkrieg zog M. mit ihrem Mann nach Breslau, wo die beiden Kinder geboren wurden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde Alfons M. in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Anlässlich seiner Entlassung am 12. oder 15.12.1938 schlug ihn ein SA-Mann, wobei er sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog. Die Familie verließ Breslau im November 1939 und siedelte sich in Bat Jam im Süden von Tel Aviv im britischen Mandatsgebiet Palästina (seit 1948 Israel) an.
Alfons M. kehrte 1951 nach Deutschland zurück und ließ sich als Rechtsanwalt und Notar in Ffm. nieder. Irene M. folgte ein Jahr später. Von 1963 bis 1968 sowie von 1971 bis 1978 war M. Mitglied im Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Ffm. In mindestens vier Amtszeiten war sie Schriftführerin des Gemeinderats. M. war lange das einzige weibliche Mitglied dieses Gremiums; nur zeitweise gehörte dem Gemeinderat mit Stefanie Zweig (1932-2014; Gemeinderatsmitglied 1966-68) bzw. Ilsa Bechhofer (1926-2002; Gemeinderatsmitglied ab 1975) eine zweite Frau an. Ihren größten Wahlerfolg hatte M. im Jahr 1965, als sie mit 481 Stimmen auf Platz 5 landete. Nach den Gemeinderatswahlen im Januar 1971 wurde M. stellvertretendes Vorstandsmitglied und Referentin für das Altenheim. Ein besonderes Anliegen von M. war die Betreuung von älteren und kranken Gemeindemitgliedern.
M. regte 1966 die Gründung einer liberalen jüdischen Gruppe innerhalb der Ffter Einheitsgemeinde an. In einem Schreiben an die Ffter Gemeindemitglieder (Zentralarchiv zur Erforschung d. Geschichte d. Juden in Deutschland, Bestand B. 1/13, Nr. 316) gab sie der jüdischen Orthodoxie die Verantwortung für den Rückgang der Gottesdienstbesuche. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass die Schaffung einer liberalen Gemeinschaft „die erste und wichtigste Voraussetzung für eine Rettung jüdischer Tradition“ sei. 1967 genehmigte der Vorstand unter
Paul Arnsberg nach pedantischer Prüfung des Anliegens die Gründung der liberal-religiösen Gruppe. Auch der hessische Landes- und Ffter Gemeinderabbiner
Isaak Emil Lichtigfeld erlaubte den liberalen Gottesdienst, allerdings unter zwei Auflagen: Im Gottesdienst dürfe kein Harmonium verwendet werden; Männer und Frauen müssten getrennt voneinander sitzen. Über die erste Auflage setzte sich die Gruppe um M. hinweg. Die Gottesdienste der liberalen Gruppe fanden zeitweise im Gemeindesaal im „Haus der Gemeinde“ im Baumweg 5-7 auf der Etage oberhalb des Betraums sowie im Kino „Die Kurbel“ im Philanthropin, Hebelstraße 15-19, und im „Grand Hotel“ in der Reineckstraße statt. Bekanntere Mitglieder der liberalen Gruppe waren Leopold Goldschmidt (1896-1987),
Heinrich Guttmann (1892-1975) und Albert Hadda (1892-1975). Am 16.9.1967 veranstaltete die liberale Gruppe gemeinsam mit dem European Board of the World Union for Progressive Judaism einen Vortrag. Rabbiner Albert H. Friedlander (1927-2004), ein Schüler des berühmten deutschen Rabbiners Leo Baeck (1873-1956), referierte zum Thema „Das Judentum in unserer Zeit“. Zu den Hohen Feiertagen wurden regelmäßig bedeutende Persönlichkeiten eingeladen. Rabbiner Lothar Rothschild (1909-1974) aus St. Gallen (Schweiz) leitete die Gottesdienste an Rosch ha-Schana und Jom Kippur in den Jahren 1970, 1971 und 1973. Die Gebete trug jeweils Kantor Schlomo Lewin (1911-1980) aus Erlangen vor. Nach dem Tod von M. 1976 löste sich die liberale Gruppe auf.
M. war Mitglied im Komitee der Kinder- und Jugend-Aliyah und im Verband jüdischer Heimatvertriebener und Flüchtlinge.
Im Jahr 1994 gründete sich mit der Kehillah Chadaschah erneut eine liberal-religiöse Gruppe in Ffm. Sie wurde 1998 in Egalitärer Minjan umbenannt. Seit 2007 feiert die Gruppe um Rabbinerin Elisa Klapheck (* 1962) ihre Gottesdienste in der ehemaligen Wochentagssynagoge in der Westendsynagoge.
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