Uhland, Ludwig

Uhland, Ludwig. Prof. Dr. phil. Dichter. Germanist. Politiker. * 26.4.1787 Tübingen, † 13.11.1862 Tübingen.
Der herausragende Balladendichter der Romantik und bedeutende Germanist bemühte sich 1818 erfolglos um eine Anstellung in Ffm. Er hatte dabei das Ffter Gymnasium, die Stadtbibliothek oder das Stadtarchiv ins Auge gefasst.
1846 nahm U. an der Ersten Germanistenversammlung in Ffm. teil; in einem Schreiben an den Ffter Stadtarchivar und -bibliothekar Johann Friedrich Böhmer hatte er sich am 28.10.1845 mit Nachdruck für Ffm. als Tagungsort ausgesprochen.
Am 26.4.1848 wurde U. als Abgeordneter für den Wahlbezirk Tübingen-Rottenburg in die Ffter Nationalversammlung gewählt, der er vom 18.5.1848 bis zum 30.5.1849 angehörte. U. war – zwischen der äußersten und der gemäßigten Linken schwankend – in der Paulskirche keiner festen Fraktion zugehörig. Er vertrat die „großdeutsche“ Linie und votierte für das Erbkaisertum. Trotz seiner Sympathien für Österreich stimmte er bei der Wahl des Reichsverwesers gegen Erzherzog Johann und für Heinrich von Gagern. Seine entschieden demokratische Grundhaltung unterschied U. von den mit ihm befreundeten Abgordneten Arndt, Dahlmann und Grimm. An die Nationalversammlung gewandt äußerte U. in der Paulskirche den viel zitierten Satz: „Glauben Sie, es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen Tropfen demokratischen Öls gesalbt ist.“ Er war Mitglied des Prioritätsausschusses und des Fünfzehnerausschusses für die Durchführung der Reichsverfassung. Obwohl U. hinsichtlich des Erfolgs der Nationalversammlung stets skeptisch war, blieb er dem Parlament auch nach der Übersiedlung nach Stuttgart verbunden und stellte sich am 18.6.1849 mutig der militärischen Auflösung des Rumpfparlaments entgegen.
An U.s 50. Todestag (1912) wurde in der Paulskirche eine Gedenktafel enthüllt (dort nicht erhalten).
U.straße und U.schule, eine Grundschule, im Ostend.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 490, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Hermann Fischer in: ADB 39 (1895), S. 148-163. | Klötzer, Wolfgang: Abgeordnete und Beobachter. Kurzbiographien und Literaturnachweise. In: Wentzcke, Paul: Ideale und Irrtümer des ersten deutschen Parlaments (1848-1849). Heidelberg 1959. (Sonderausgabe des dritten Bandes von Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, im Auftr. der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung hg. v. Paul Wentzcke und Wolfgang Klötzer).Klötzer/Wentzcke: FNV, S. 302; vgl. auch S. 41, 118, 128, 180f., 256, 261. | Koch, Rainer (Hg.): Die Ffter Nationalversammlung 1848/49. Ein Handlexikon der Abgeordneten der deutschen verfassungsgebenden Reichs-Versammlung. Bearb. v. Patricia Stahl unter Mitwirkung von Roland Hoede, Leoni Krämer, Dieter Skala im Auftr. der Arbeitsgruppe Paulskirche. Kelkheim 1989.Koch: FNV, S. 405.
Literatur:
                        
Freitag, Sabine (Hg.): Die Achtundvierziger. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49. München 1998.Langewiesche, Dieter: Ludwig Uhland: Der Ruhm des Scheiterns. In: Freitag (Hg.): Die Achtundvierziger 1998, S. 11-22.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.144.

GND: 118625063 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Uhland, Ludwig. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1524

Stand des Artikels: 26.5.1995