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Bunsen, Gustav

Bunsen, Johann Ernst Friedrich Gustav. Dr. med. Arzt. Revolutionär. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 25.8.1804 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.⚔ 27.2.1836 San Patricio/Texas.
Sohn von Johann Georg B. und dessen Ehefrau Charlotte (eigentl.: Charlotta) Augusta Christiana, geb. Huth (1766-1847). Bruder von Georg und Karl B.
Studium der Medizin in Würzburg und Heidelberg, wo B. als Burschenschafter eine entscheidende Rolle in der Studentenbewegung spielte. 1831 nahm er als Freiwilliger am polnischen Unabhängigkeitskrieg teil und geriet als Chirurg der polnischen Aufständischen-Armee in kurze Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Ffm. schloss sich B. als entschiedener Republikaner dem Preß- und Vaterlandsverein an. Seit Herbst 1832 bereitete eine im Untergrund tätige Gruppe des Vereins, in der B. führend mitarbeitete, die Revolution vor. Es wurde geplant, mit einer kleinen Schar entschlossener Revolutionäre die Ffter Wachen einzunehmen, um damit einen allgemeinen Aufstand auszulösen. B. begann, in seiner Wohnung im Münzhof ein geheimes Waffendepot anzulegen, das er mit Hilfe des Bankiers und Weinhändlers Philipp David Hinkel und seines Bruders Georg B. finanzierte. Anfang 1833 reiste B. in verschiedene Universitätsstädte zu Koordinierungsgesprächen mit den dortigen Burschenschaftsvereinigungen. Der Termin für den Aufstand wurde auf den 3. April 1833 festgesetzt. Am Vortag hielt der revolutionäre Kreis der aus verschiedenen Universitätsstädten angereisten Burschenschafter unter B.s Vorsitz eine letzte vorbereitende Konferenz in Bockenheim ab. Am späten Abend des 3. April versammelte sich ein Teil der Aufständischen in B.s Wohnung und ging von dort unter B.s Führung zur Hauptwache. Eine zweite Gruppe hielt sich in der Nähe der Konstablerwache bereit. Um 21.30 Uhr gab B. vor der Hauptwache den Befehl zum Angriff und stürmte als erster in das Wachgebäude. Die Hauptwache wurde im Handstreich genommen, doch blieb – trotz mehrmaliger Aufrufe B.s an die Menge – die erwartete spontane Unterstützung der Bevölkerung aus. Während die Rebellen auf die Konstablerwache stürmten, zog B. selbst mit einem kleinen Trupp zum Dom und ließ die Sturmglocke läuten. Dann ging er zur Konstablerwache zurück, wo inzwischen das Linienmilitär versuchte, das Wachgebäude zurückzugewinnen. Die Hauptwache war bereits zurückerobert. Die Revolutionäre leisteten dem Militär erbitterten Widerstand. B. rief zum Durchhalten auf. Doch die Aufständischen mussten sich bald zurückziehen. B. floh als letzter. Der Ffter Wachensturm war gescheitert. B. konnte sich fünf Wochen lang in der Wohnung seines Bruders Georg B. verstecken. Inzwischen steckbrieflich gesucht, verließ er im Mai 1833 zusammen mit seinem Freund Adolf Berchelmann (1809-1873) Ffm. und wanderte über Frankreich nach Nordamerika aus. Zunächst versuchte er, in Belleville/Illinois als Landwirt sesshaft zu werden. Dann eröffnete er eine Arztpraxis in Cincinnati/Ohio. Im Herbst 1835 schloss sich B. der texanischen Freiwilligenarmee an. In den Kämpfen für die Unabhängigkeit Texas’ von Mexiko fiel B. am 27.2.1836 bei San Patricio, wo sein Grab auf einem verlassenen Friedhof am Nueces River noch erhalten ist. B. galt lange als verschollen und wurde erst am 14.3.1870 für tot erklärt. Von den Umständen seines Todes zeugen jedoch eidesstattliche Erklärungen ehemaliger Mitkämpfer (1856) im Archiv der University of Texas Library.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 121, verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 36.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Hale, Douglas: Ein Ffter Revolutionär im texanischen Unabhängigkeitskrieg. In: AFGK 57 (1980), S. 151-166. | Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 390.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.052.

GND: 135705037 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Bunsen, Gustav. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1909

Stand des Artikels: 21.8.1987