In den 1850er Jahren wurde Ffm. zum wichtigsten Ort der C.-Rezeption in Deutschland und damit zu einem Blickpunkt der Avantgarde in der europäischen Kunst. Nachdem C. beim Pariser Salon 1850/51 mit seinen Bildern gegen alle Regeln der akademischen Kunst verstoßen und einen Skandal provoziert hatte, wurde er noch im Laufe des Jahres 1851 eingeladen, seine neuesten Werke in Ffm. zu zeigen. Veranlasser, Vermittler und vielleicht auch Veranstalter der Ausstellung war wahrscheinlich der Maler Jules Lunteschütz (1822-1893), der aus Besançon stammte, seit 1845 ständig in Ffm. lebte und vor allem als Porträtist
Schopenhauers bekannt wurde. Lunteschütz wollte C.s Bilder eigentlich „in ganz Deutschland zirkulieren lassen“, wie C. in einem Brief berichtete. [Gustave Courbet an seine Eltern, 15.6.1852. Zit. nach Klaus Herding: Courbet in Fft. (…) In: AFGK 72 (2010), S. 49.] Jene erste Ausstellung von C. in Ffm. fand im März 1852 (vom 17. bis mindestens zum 27.3.1852) in der Lederhalle im Trierischen Hof (in der Steingasse 7 nahe der Töngesgasse) statt. Gezeigt wurden die beiden Gemälde „Ein Begräbnis in Ornans“ (1849/50; heute im Musée d’Orsay in Paris) und „Selbstbildnis mit Pfeife“ (1848/49; heute im Musée Fabre in Montpellier). Mit dem Begräbnisbild, das aufgrund seines Formats von 3,15 x 6,68 Metern letztlich (entgegen der Vorankündigung der Ausstellung im Ffter Intelligenz-Blatt) nur in einem eigens errichteten Zelt bei der Lederhalle präsentiert werden konnte, hatte C. tatsächlich „sein neuestes und größtes Skandalbild“ (Klaus Herding) nach Ffm. geschickt. C.s Gemälde erregten in Ffm. großes Aufsehen und waren wegen ihres kompromisslosen Realismus so heftig umstritten, dass im Casino und in Cafés Schilder gehangen haben sollen: „Es ist verboten, hier über Herrn Courbet und seine Bilder zu sprechen“, um Auseinandersetzungen zu vermeiden; bei einem größeren Diner auf Einladung eines Ffter Bankiers sollen alle Gäste an ihrem Platz ein Kärtchen vorgefunden haben, dass Gespräche über C. nicht erwünscht seien.
Bereits im November 1852 stellte C. erneut in Ffm. aus. Diese zweite Ffter Ausstellung wurde von dem Kunsthändler
Georg Ludwig Kohlbacher veranstaltet und war vom 6. bis zum 30.11.1852 im Casinogebäude am Roßmarkt zu sehen. Diesmal wurden drei Gemälde von C. gezeigt: „Die Steinklopfer“ (1849; zuletzt im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, dort höchstwahrscheinlich verbrannt 1945), ein Porträt (wahrscheinlich „Der Apostel Jean Journet“, 1850; verschollen) und eine Landschaft. Das Ffter Intelligenz-Blatt vom 21.11.1852 berichtete, dass vor allem die beiden „politischen Bilder“ von C. „fortwährend die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich“ zögen: „Die ganze Manier Courbets ist so eigenthümlich und originell und vertritt so scharf das
demokratische Prinzip, dass sie [d. s. die Bilder] schon von diesem Standpunkte aus einer Beschauung werth sind.“ [Zit. nach Klaus Herding: Courbet in Fft. (…) In: AFGK 72 (2010), S. 52.]
Schopenhauer hat wohl beide Ausstellungen von C. in Ffm. gesehen; in einem späteren Brief hob er das „Selbstbildnis mit Pfeife“ als „eine ganz vorzügliche Leistung“ hervor, während ihm „das Socialistische, Aufstachelnde“ in den Bildern „Ein Begräbnis in Ornans“ und „Die Steinklopfer“ zuwider gewesen seien. (Arthur Schopenhauer an Frederik Willem van Eeden, 4.3.1857. Zit. nach: Kat. Courbet u. Deutschland 1978, S. 362.) Möglicherweise wurden 1854 erneut Bilder von C. in Ffm. ausgestellt. Offenbar blieben die oder einzelne der in Ffm. gezeigten Gemälde, auch aus den beiden früheren Ausstellungen, zunächst (teilweise bis mindestens 1855) in der Stadt, wo sie wiederholt präsentiert worden sein könnten.
Im Januar 1858 zeigte der Ffter Kunstverein drei weitere Werke von C.: „Die Kornsieberinnen“ (1854; heute im Musée d’Arts in Nantes), das vielleicht schon 1854 in einer Ausstellung in Ffm. zu sehen gewesen war, sowie eine Jagdszene (wahrscheinlich „Die Jagdbeute“, auch: „Die Curée“, 1856; heute im Museum of Fine Arts in Boston) und eine Schneelandschaft (die vermutlich auch ein Jagdstück war). Im Vorfeld dieser Ausstellung hatte es ein Zusammentreffen von C. und
Ludwig Kohlbacher, dem nunmehrigen Inspektor des Ffter Kunstvereins, in Brüssel gegeben, und in einem nachfolgenden Brief vom 2.11.1857 hatte
Kohlbacher dem Künstler versichert, dass sowohl die Direktion des Ffter Kunstvereins wie auch er selbst alles tun würden, um dessen Interessen in Ffm. zu vertreten. So veranstaltete der Ffter Kunstverein offenbar im Frühjahr 1858 eine weitere Ausstellung mit Werken von C., wohl drei Jagdbildern und erneut dem Gemälde „Die Kornsieberinnen“. Bevor der Künstler selbst die Stadt besuchte, waren somit „drei Programmbilder des C.’schen Realismus“ (Jürgen Eichenauer) in Ffm. zu sehen, nämlich „Ein Begräbnis in Ornans“, „Die Steinklopfer“ und „Die Kornsieberinnen“.
Im August 1858 kam C. zu einem mehrmonatigen Aufenthalt (bis Februar 1859) nach Ffm. Höchstwahrscheinlich folgte er nicht einer Einladung, sondern reiste aus eigenem Antrieb an. Von seinem vorherigen Aufenthalt in Brüssel schrieb C., dass ihn das Leben dort langweile und er lieber nach Ffm. aufbrechen wolle, wo seine Gemälde „eine Sensation“ seien. [Gustave Courbet an Amand Gautier, Brüssel, vermutlich Juli 1858. Zit. nach Courbet: Letters 1992, Nr. 58-2, S. 160 (in dt. Übersetzung d. Verf.).] Kurz nach dem Erfolg der jüngsten Ffter Ausstellungen rechnete sich C. lukrative Verkaufschancen für seine Gemälde in Ffm. aus, wie ein Brief an den Vater belegt (vgl. Eichenauer: Angilbert Göbel 2004, S. 94). Eine offizielle Einladung des Ffter Kunstvereins an C. dürfte somit nicht vorgelegen haben. Auch dass Ffter Künstler wie
Victor Müller und
Otto Scholderer ihr verehrtes Vorbild nach Ffm. eingeladen hätten, wie von der Ffter Kunstgeschichtsschreibung oft angenommen, trifft wohl nicht zu.
Victor Müller folgte vielmehr C. im September 1858 umgehend aus Paris nach Ffm., und
Otto Scholderer dürfte den Meister erst 1858 in Ffm. persönlich kennengelernt haben. Begegnungen von C. mit anderen Ffter Malern hatte es früher zwar gegeben, etwa mit
Anton Burger,
Angilbert Göbel und
Philipp Rumpf, die ihn während einer Parisreise 1852 besucht hatten. C.s einziger Korrespondenzpartner unter den Ffter Malern war und blieb, auch nach dem Ffter Aufenthalt, aber offenbar Jules Lunteschütz.
Als Ffter Adresse gab C. in einem Brief an seine Familie vom Dezember 1858 das Gasthaus („restaurant“) des Weinwirts Christian Schmitz in der Kirchgasse 6 (nahe der Paulskirche) an. Er arbeitete anfangs in einem Atelier des Städelschen Kunstinstituts, höchstwahrscheinlich im Deutschordenshaus auf der Sachsenhäuser Mainseite, das ihm
Jakob Becker zur Verfügung gestellt hatte. Dort entstand der „Blick auf Frankfurt am Main mit der Alten Brücke von Sachsenhausen her“ (1858; seit 1953 im Besitz der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut in Ffm.). Das Gemälde wurde sofort nach der Fertigstellung von dem (nicht im Ffter Adressbuch 1858-62 verzeichneten und deshalb bisher nicht näher zu identifizierenden) Ffter Kunsthändler und Vergolder Christian Steinmann erworben. Nach einem Zerwürfnis mit
Becker, der bei einem Atelierbesuch angesichts von C.s entstehendem Gemälde („Die Brunft im Frühling oder Kämpfende Hirsche“, 1858-61; heute im Musée d’Orsay in Paris) die Malweise seines Gasts kritisiert hatte, musste C. das Deutschordenshaus verlassen. Er bezog ein Atelier im Kettenhofweg 44, wahrscheinlich auf Vermittlung von
Victor Müller und
Angilbert Göbel, die künftig dort eine Ateliergemeinschaft mit ihm bildeten.
Müller, der zuvor ebenfalls im Deutschordenshaus gearbeitet hatte, hatte sich solidarisch mit C. gezeigt und sein dortiges Atelier aufgegeben. Wahrscheinlich durch
Müller kam auch
Otto Scholderer, der im Frühjahr 1858 aus Paris zurückgekehrt war und jetzt offenbar ebenfalls in oder zumindest nahe dem Atelierhaus im Kettenhofweg arbeitete, in den Kreis um C. „Hier in Frankfurt habe ich eine Menge junger Maler aus meiner Schule“, konnte C. im Dezember 1858 berichten. [Gustave Courbet an seine Eltern und Schwestern, Ffm., 21.12.1858. Zit. nach Eichenauer: Angilbert Göbel 2004, S. 98 (in dt. Übersetzung d. Verf.).]
Bald nach seiner Ankunft in der Stadt hatte C. auch Kontakte zur Ffter Gesellschaft geknüpft, womit er sich einen neuen potentiellen Käuferkreis erschloss. Durch seinen Freund, den Karikaturisten und späteren Fotografen Étienne Carjat (1828-1906), den er zufällig in Ffm. traf, wurde er in das Haus des Bankiers Erlanger [d. i. wahrscheinlich
Raphael (von) Erlanger] eingeführt. Daraus ergaben sich schnell Bekanntschaften mit angesehenen und wohlhabenden Kaufmanns- und Bankiersfamilien (wie Erlanger,
Bernus, Goldschmidt, Reinach), die meist auch geschäftliche Verbindungen nach Frankreich unterhielten, obwohl C. die Parteinahme vieler Ffter Bankiers und Kaufleute für Napoleon III. (1808-1873) und dessen Regime abstoßen musste. Die Einladungen der besseren Ffter Kreise zu Gesellschaften in der Stadt, zu Ausflügen auf deren Landsitze ins Umland und insbesondere zur Jagd in den Wäldern von Ffm., Wiesbaden und Homburg nahm C. gerne an. In seinen Briefen berichtete er von den „phänomenalen Jagden“, die er mitmachte, etwa auf Einladung des ebenfalls aus dem französischen Jura stammenden Ffter Bürgers und Weinhändlers Joseph Eugen Gouvernon (1804-1867). Sein größtes Jagdabenteuer hatte C. am Silvestertag 1858, als er einen riesigen Hirsch, einen Zwölfender, erlegte, womit er überregional Aufsehen erregte und auch Neid erweckte. Die Erlebnisse und die Beobachtungen, die er auf der Jagd im Taunus und im Spessart machte, wurden grundlegend für seine künftigen Gemälde mit Jagdszenen, darunter sein berühmtes Werk „Le Rut du printemps ou Combat de cerfs“ („Die Brunft im Frühling oder Kämpfende Hirsche“, 1858-61; heute im Musée d’Orsay in Paris), das er in Ffm. begann. Die in der Ffter Zeit mit Vorliebe entstandenen Jagdszenen wurden von der Kunstwissenschaft als Sinnbilder für die persönliche Situation von C. interpretiert: „Der Maler fühlte sich wie das verfolgte Wild“, getrieben von dem Regime unter Napoleon III. in Frankreich wie von seiner eigenen inneren Unruhe. [Klaus Herding: Courbet in Fft. (…) In: AFGK 72 (2010), S. 60.] Auch nach dem Wegzug C.s aus Ffm. im Februar 1859 sollen Ffter Bürger, Bankiers und Kaufleute weiterhin zu den Kunden des Malers gezählt haben.
Zu der von C. in Ffm. begründeten deutschen Malerschule gehörte ein größerer Kreis von Ffter Malern, zunächst
Victor Müller,
Angilbert Göbel und
Otto Scholderer, aber etwa auch Jules Lunteschütz,
Anton Burger,
Philipp Rumpf,
Carl Peter Burnitz und
Louis Eysen. Durch C. und sein bedingungsloses Streben nach Freiheit sahen sich viele von ihnen zu eigenen Wegen (wie der Gründung der Kronberger Malerkolonie) ermutigt. Später folgten C. die „Münchener“ wie Wilhelm Leibl (1844-1900),
Hans Thoma, Carl Schuch (1846-1903) und
Wilhelm Trübner, was nach der Einschätzung des Kunsthistorikers und C.-Experten Klaus Herding (1939-2018) „ohne den Ffter Aufenthalt“ von C. „kaum [hätte] geschehen können“ [Klaus Herding: Courbet in Fft. (…) In: AFGK 72 (2010), S. 60].
Während seines etwa sechsmonatigen Besuchs in Ffm. malte C. mindestens zwölf Bilder. Seinen Eltern berichtete er brieflich im Dezember 1858: „Seitdem ich in Frankfurt bin, habe ich mich abgerackert wie ein Sklave. Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben so viel geschafft. Ich werde euch in den nächsten Tagen vier oder fünf Gemälde nach Ornans schicken. Darunter sind zwei große, eines im Format wie das ‚Begräbnis‘, das andere wie das ‚Atelier‘ [d. i. „Das Atelier des Künstlers“, 1855; heute im Musée d’Orsay in Paris], die ich für die Ausstellung im März fertigstellen muss [d. i. vermutlich der Pariser Salon, an dem C. 1859 allerdings doch nicht teilnahm]. Ich muss nur noch die Landschaften im Hintergrund malen. Das eine zeigt einen Hirsch, der von Hunden und einem Jäger verfolgt wird, das andere einen Kampf von Hirschen in einem großen Wald [d. i. „Die Brunft im Frühling oder Kämpfende Hirsche“, 1858-61; heute im Musée d’Orsay in Paris]. Ich werde nach Levier gehen müssen, um die Landschaft für das letztere zu malen. Im Moment arbeite ich an dem Porträt von Madame Erlanger, geborene Lafitte, für ein Honorar von fünfzehnhundert Franc.“ [Gustave Courbet an seine Eltern und Schwestern, Ffm., 21.12.1858. Zit. nach Courbet: Letters 1992, Nr. 58-3, S. 161 (in dt. Übersetzung d. Verf.).] Zu den Bildern von C. aus der Ffter Zeit gehören: „Blick auf Frankfurt am Main mit der Alten Brücke von Sachsenhausen her“ (1858; seit 1953 im Besitz der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut in Ffm.), „Wiesental“ (auch: „Im Niddatal“, „Weite Landschaft mit Fluss“, 1858/59; nachweislich 1913 im Besitz von
Ludwig Edinger in Ffm., 2010 im Besitz der Kunsthandlung J. P. Schneider jr. in Ffm.), „Dame auf der Terrasse“ („La Dame de Francfort“, auch: „La Dame au Sorbet“, 1858; seit 1941 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln), die Porträts des Malers Jules Lunteschütz (1858; im Besitz der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut in Ffm.) und der „Jungen Frau Erlanger [d. i. Odette Erlanger, geb. Lafitte (1840-1931)] in Zigeunerinnentracht“ (1858/59; Verbleib unbekannt) sowie weitere Jagdbilder, etwa „Das Jagdfrühstück“ (1858; im Wallraf-Richartz-Museum in Köln), „Der Hirsch am Wasser“ (1858-61; im Musée de Beaux-Arts in Marseille) und „Der deutsche Jäger“ (1859; im Musée des Beaux-Arts in Lons-le-Saunier).
Vor allem das Bild der „Dame auf der Terrasse“ („La Dame de Francfort“, auch: „La Dame au Sorbet“, 1858; seit 1941 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln) stand immer wieder im Blickpunkt des stadthistorischen Interesses in Ffm., weil sich die Identität der porträtierten Frau und des dargestellten Orts nie eindeutig klären ließ. Vermutet wurde, dass es sich um eine Dame aus einer angesehenen Ffter Familie (wie etwa Erlanger, Goldschmidt, Saint George) handeln dürfte, die vor dem Hintergrund einer Garten- oder Parkanlage in Ffm. oder Umgebung (im Idealfall aus dem Besitz ihrer Familie) gemalt worden sei; dementsprechend wurde versucht, die Ansicht in verschiedenen englischen Landschaftsgärten und -parks (Wallgärten im Anlagenring, Landgut St. Georgen vor Oberrad, Hofgut Goldstein, „Bernuspark“ in Bockenheim u. a.) zu verorten. Der Ffter Kaufmann und Lokalforscher Alfred Andreae-von Neufville (1921-2012) glaubte, die Dame aufgrund einer Kette von (unbelegten) Indizien als seine Urgroßtante Pauline Pose, geb. Klotz (1817-1867), Ehefrau des Landschaftsmalers
Eduard Wilhelm Pose (1812-1878), identifizieren zu können, die auf der Terrasse ihres Elternhauses in der Hochstraße 24 (kriegszerstört 1944; Grundstück heute im Bereich der Freifläche westlich von dem Hotelgebäude Hochstraße 4) vor dem Hintergrund der Wallgärten porträtiert worden sei. Die Kunsthistorikerin Bettina Erche (* 1958) führte diese Theorie weiter und sah in dem Mann, der einst auf dem (mehrfach überarbeiteten) Bild mit der Dame am Tisch saß und später notdürftig übermalt wurde, Paulines Ehegatten
Eduard Wilhelm Pose, den C. – möglicherweise nach einem künstlerischen oder persönlichen Zerwürfnis – von der Bildfläche habe „verschwinden“ lassen. Ein Kontakt von C. mit dem Ehepaar Pose ist jedoch bisher nicht verbürgt, und an der (von der neueren Kunstwissenschaft häufig übernommenen) Identifizierung der Dame mit Pauline Pose lassen sich durchaus Zweifel – etwa aufgrund des Alters und der geringen Porträtähnlichkeit der Dargestellten – anmelden. Tatsächlich scheinen viele topografische und landschaftliche Details auf einen Ursprungsort des Gemäldes im Ffter Anlagenring hinzudeuten. Grundsätzlich, gerade in Kenntnis der Arbeitsweise des Malers im Sinne seines „magischen Realismus“, ist aber auch in Erwägung zu ziehen, dass C. kein naturgetreues Abbild einer Ffter Ansicht geliefert, sondern eine Traumlandschaft collagenartig aus verschiedenen real geschauten Versatzstücken geschaffen haben könnte, um die besondere Herbststimmung auf dem Bild zu erzeugen. C. hat das Gemälde, das er selbst „La Dame au Sorbet“ nannte, nur einmal (bei seiner Ausstellung 1867 in Paris) ausgestellt und nie verkauft. Als das Bild aus einer Privatsammlung 1941 in Berlin zur Versteigerung kam, bemühte sich die Stadt Ffm. um den Erwerb für das Städel.
Alfred Wolters, der Direktor der Städtischen Galerie, reiste im offiziellen Auftrag zur Auktion, ausgestattet mit der Summe von 130.000 Reichsmark (bei einem Schätzwert des Bildes von 60.000 Reichsmark). Nach späterer eigener Aussage wurde er jedoch gezielt von Beauftragten der NS-Regierung überboten, bis sein Limit überschritten war; die „Dame auf der Terrasse“ ging letztlich an das Wallraf-Richartz-Museum in Köln.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Ffter Städel unter
Georg Swarzenski eines der ersten deutschen Museen gewesen, das Werke von C. ankaufte. Damals kamen die Gemälde „Dorfausgang im Winter“ (um 1868; erworben als Schenkung der Erben von Benedikt Moritz Goldschmidt an das Städelsche Kunstinstitut, 1906) und „Die Welle“ (auch: „Die Woge“, 1869/70; erworben durch den Städelschen Museums-Verein, 1907) in die Sammlung des Städel Museums.
Porträtzeichnung (von
Angilbert Göbel, um 1869/70) im Besitz der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut. Das Gemälde „Im Wildbretkeller“ (von
Otto Scholderer, 1862; im Besitz der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut) soll „Courbet, ein Reh ausweidend“ darstellen, was zwar im Inventar des Museums vermerkt, aber nicht gesichert ist.
1979 Ausstellung „Courbet und Deutschland“ der Städtischen Galerie im Städelschen Kunstinstitut in Ffm., verbunden mit einem „Courbet-Kolloquium“ mit internationaler Beteiligung (2. bis 4.3.1979). 2010/11 Ausstellung „Courbet. Ein Traum von der Moderne“ in der Schirn Kunsthalle Fft.
Die Schriftstellerin
Marie Luise Kaschnitz veröffentlichte einen Roman über das Leben von „Gustave Courbet“ (1949, Neuausgabe u. d. T. „Die Wahrheit, nicht der Traum“ 1967), den sie kurz nach ihrer Übersiedlung nach Ffm. 1941 zu schreiben begonnen hatte. Der Ffter Schriftsteller Martin Mosebach (* 1951) verarbeitete das Streben von Angehörigen der Stadtgesellschaft, C.s „Dame de Francfort“ in ihrer eigenen Familientradition zu verorten, literarisch in einer Passage seines Romans „Ruppertshain“ (1985, Neuausgabe 2004).
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Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 139f.,
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