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Göbel, Angilbert

Göbel, Christian Wunibald Angilbert. Maler. Grafiker. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 26.1.1821 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 19.5.1882 Ffm.
Sohn des aus Coburg zugewanderten Galanteriewarenhändlers Christian Gottlieb G. und dessen Ehefrau Anna Margaretha Magdalena (auch: Margaretha Magdalene Johanna), geb. Hochstadt. G. war evangelisch-lutherischer Konfession. Verheiratet (seit 1857) mit Maria Elisabethe Henriette G., geb. Reith (1832-1906), einer in Ffm. geborenen Tochter einer aus Fulda stammenden Gärtnersfamilie katholischer Konfession. Drei Söhne und vier Töchter: Oskar G. (1858-1906), Landschaftsmaler; Thekla Margaretha Antoinette G. (1859-1934), Ordensschwester; Hugo Robert G. (1860-1861); Katharina Sibylla Anna G. (6.5.1862-2.6.1862); Marie Luise (eigentl.: Louise) G. (1863-1908), Stilllebenmalerin; Johann August G. (1867-?), Illustrator; Bertha G. (1870-?).
G. wurde in der Großen Bockenheimer Gasse Lit. E 163 (später Nr. 16) in Ffm. geboren und wuchs in der Altstadt auf. Der Hausarzt der Familie, Dr. Theodor Kestner, entdeckte G.s Zeichentalent und überredete den Vater, den Jungen künstlerisch ausbilden zu lassen. Von 1836 bis 1845 absolvierte G. eine Ausbildung als Kupferstecher am Städelschen Kunstinstitut, zuerst (1836/37) als Schüler von Carl Friedrich Wendelstadt, bis zum Studienende bei Eugen Eduard Schäffer. Als Maler war G. zunächst Autodidakt; dann bildete er sich im Umgang mit seinen Studienfreunden Anton Burger, Jakob Fürchtegott Dielmann und Philipp Rumpf weiter. Während der ältere Dielmann Mentor jener Gruppe war, die bald als „Totenbund“ bekannt wurde, erlernte G. von Burger und Rumpf die Malerei. Umgekehrt brachte G. den beiden das Zeichnen nach Schäffers Vorbild bei. Seine Weiterbildung als Maler erfuhr G. durch Kunstreisen nach Dresden (1845), nach Belgien und Paris (1846). Besonders wichtig war 1852 eine zweite, diesmal gemeinsam mit Burger und Rumpf unternommene Reise nach Paris, die zu Besuchen bei Gustave Courbet und Camille Corot (1796-1875) führte. Im selben Jahr setzten die Ffter Ausstellungen Courbets ein. Am 4.1.1854 schwor G. in Ffm. den Bürgereid als Kunstmaler, und mit seiner Heirat 1857 gründete er einen eigenen Hausstand. Courbets Ffter Besuch von 1858/59 führte zu einer Ateliergemeinschaft im Atelierhaus Kettenhofweg 44, wo Courbet gemeinsam mit G. und Victor Müller arbeitete. G. zählt neben Victor Müller und Otto Scholderer zu den am deutlichsten vom Schaffen Courbets beeinflussten Ffter Künstlern. In der Folgezeit unternahm G. weitere Reisen, die Galeriestudien dienten, nämlich 1867 nach St. Petersburg und 1871 nach Italien. 1877/78 führte er gemeinsam mit dem Gemälderestaurator Philipp Janz (1813-1885) aus Mainz eine Prüfung und Reinigung sämtlicher Bilder der Städelschen Gemäldegalerie durch.
Seit den 1840er Jahren bis 1857 Mitglied in der Künstlervereinigung „Totenbund“, die sich im Eschenheimer Turm traf und einen Totenschädel als Talisman verehrte. 1857 Gründungsmitglied der Ffter Künstlergesellschaft. Seit 1857 (unterbrochen 1875-79) Verwaltungsratsmitglied des Ffter Kunstvereins.
Als Kupferstecher schuf G. Reproduktionen zeitgenössischer und älterer Gemälde sowie Illustrationen. 1848/49 lithografierte er Karikaturen mit demokratischer Ausrichtung zum Ffter Paulskirchenparlament. Aufgrund seiner eigenen und der allgemeinen politischen Entwicklung in der Reaktionszeit erwachte bereits in den frühen 1850er Jahren G.s Interesse an der Malerei Courbets, der sich selbst als „Realist“ und „Sozialist“ bezeichnete.
Werke als Maler: Studienköpfe und Porträts (u. a. Porträt Schopenhauers, 1857-59, in der Neuen Galerie Kassel; eigenhändige Kopie von G., um 1860, im Schopenhauer-Archiv in der UB Ffm.), Genrebilder und Landschaften. Schopenhauer bezeichnete G. nach dessen Kontaktaufnahme für ein Porträt als „Realist“ und betonte im selben Brief (an Frederik Willem van Eeden, 4.3.1857), G. sei „der berühmteste hiesige Maler“. Weitere Ffter Persönlichkeiten, die nachweislich durch G. porträtiert wurden, waren der Farbwarenhändler Gustav Andreae, der Bibliothekar Anton Brück, der Kupferstecher Johannes Eissenhardt, der Arzt Friedrich Wilhelm Fabricius (1859; im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung), der Musikdirektor Franz Friederich (1860er Jahre; im HMF), der Verlagsbuchhändler Carl Jügel, der Römerinspektor Wilhelm Meyer, der Fischer Georg Schauermann, der Kaufmann Hermann Mumm von Schwarzenstein jr. (1861; im HMF), der Senator Carl Franz von Schweitzer u. a. Unter den Damenbildnissen waren Porträts der Franziska Ditmar, geb. Englert-Wichelhausen, der Emma Osterrieth, geb. Laurin, und der Marie Watts, geb. Berg (1878 oder 1875; im Städel Museum). Viele dieser Porträtdarstellungen gelten mittlerweile als verschollen. Als Hauptwerk ist G.s Familienbildnis seiner Gattin mit zwei Kindern (1879; im Städel Museum) zu nennen.
Genre- und Landschaftsmalerei: Ein weiteres Hauptwerk des Künstlers befindet sich im Städel Museum, nämlich das sozialkritisch deutbare und stark von Courbet beeinflusste Gemälde „Arme Leute“ (1858), das während der Ateliergemeinschaft mit Courbet entstand. Erst 1906 wurde es auf der Berliner Jahrhundertausstellung gezeigt, nachdem es dem Publikum zu Lebzeiten G.s nicht bekannt geworden war. Dieses Verbergen nahm dem Ffter Kunstleben der 1850er Jahre einen wichtigen Impuls. Doch charakterisiert jene Zurückhaltung den Versuch G.s, als Genre- und Landschaftsmaler zwar modern, zugleich aber moderat aufzutreten. Mit der Hinwendung zur Malerei hatte sich G. in seinem Schaffen von den nazarenischen Idealen der Ausbildungszeit gelöst, während er über Dielmann, der den „Totenbund“ als Mentor prägte, und Courbet, der sich am deutlichsten und lautesten in ganz Europa von der Akademiekunst gelöst hatte, wieder einen Anschluss an das ursprünglich niederländisch geprägte Ffter Kunstempfinden herstellen konnte. Eine totale, auch inhaltliche Ausrichtung an Courbet hätte in den 1850er Jahren hinsichtlich des traditionellen Ffter Publikumsgeschmacks als geschäftsschädigende Radikalität gelten können. Mit der Abkehr vom akademischen Kunstschaffen erfolgte zugleich die Hinwendung des im „Totenbund“ versammelten Freundeskreises ins ländliche Kronberg, womit die dortige Malerkolonie entstand. Jedoch blieb G. selbst in Ffm. wohnhaft, etablierte sich hier nach dem Erfolg seines Schopenhauer-Gemäldes als Porträtmaler des Ffter Bürgertums. Weitere Mitglieder im „Totenbund“, die für G. wichtig geworden sind, waren der Verlagsbesitzer Eduard Gustav May (1817-1907), der G.s Revolutionskarikaturen publiziert hatte und später das Gemälde „Arme Leute“ erwarb, sowie Ludwig Kohlbacher, der 1855 das Amt des Inspektors des Ffter Kunstvereins übernahm und kurz vor G.s Beitritt zum Verwaltungsrat 1857 eine gemeinsame Neuausrichtung der Ffter Kunst auch auf bürokratischer Ebene bewerkstelligen konnte. In diesem Zusammenhang entstand mit G. als Gründungsmitglied 1857 auch die Ffter Künstlergesellschaft, in der der „Totenbund“ aufging.
Seit 1870 war G. Miteigentümer des Atelierhauses im Kettenhofweg 44 (kriegszerstört wohl 1944), wo er spätestens seit 1858 arbeitete und seit 1865 mit seiner Familie auch wohnte. In diesem Atelierhaus sind neben Gustave Courbet und Wilhelm Busch eine Reihe Ffter Künstler des 19. Jahrhunderts nachweisbar.
Der Großteil des überlieferten Oeuvres von G. befindet sich im Städelschen Kunstinstitut, vor allem in der dortigen Graphischen Sammlung. Daneben gibt es nur wenige Werke in öffentlichem Besitz; vieles ist verschollen. Im Institut für Stadtgeschichte ist ein Nachlassbestand mit einem schmalen Briefwechsel des Künstlers und G.s Passkarte von 1871 vorhanden.
1921 Gedächtnisausstellung im Ffter Kunstverein.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Jürgen Eichenauer.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 254f., verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. 119 Bde. (zuzüglich Index-, Register- und Nachtragsbände). Leipzig u. a. 1983/92-2023.AKL 56 (2007), S. 335f. | Dessoff, Albert: Kunst und Künstler in Ffm. im neunzehnten Jahrhundert. Hg. auf Veranlassung des Ffter Kunstvereins. 2. Bd.: Biographisches Lexikon der Ffter Künstler im neunzehnten Jahrhundert. Ffm. 1909.Dessoff, S. 44f.; darin auch über die Söhne Johann August und Oskar Göbel sowie die Tochter Marie Luise Göbel, S. 45. | Kaulen, Wilhelm: Freud’ und Leid im Leben deutscher Künstler. Ffm. 1878.Kaulen, S. 278-281. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 184. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 87; dort auch über den Sohn Oskar Göbel. | Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bde. Leipzig 1907-50.Thieme/Becker 14 (1921), S. 300.
Literatur:
                        
Eichenauer, Jürgen: Der Ffter Maler Angilbert Göbel (1821-1882). Ein Wegbereiter des Realismus. Weimar 2004.Eichenauer: Der Ffter Maler Angilbert Göbel 2004; dort auch weiterführende Literaturangaben. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 71f. | Holzinger, Ernst (Hg.)/Ziemke, Hans-Joachim (Bearb.): Die Gemälde des 19. Jahrhunderts. Text- und Bildband. Ffm. 1972. (Kataloge der Gemälde im Städel’schen Kunstinstitut I).Städelkat. d. Gemälde d. 19. Jh.s 1972, Textband, S. 122-124. | Wiederspahn, August/Bode, Helmut: Die Kronberger Malerkolonie. Ein Beitrag zur Ffter Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts. Mit dokumentarischen Beiträgen von Änne Rumpf-Demmer, Julius Neubronner und Philipp Franck. 3., erw. Aufl. Ffm. 1982.Wiederspahn/Bode: Kronberger Malerkolonie 1982, S. 214, 248, 259, 595-598, 657, 690.
Quellen: ISG, Bestand Bürgerbücher (Best. H.02.17), 1311-1868.ISG, Bürgerbücher 36 (Altsign.: 35; 16.4.1851-8.3.1854), Bl. 296r, Nr. 22 (4.1.1854). | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Maria Elisabethe Henriette Reith, Ffm., 19.8.1857: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch, Bestand STA 11/8: Standesamt Ffm., Heiratsbuch 1857, S. 270. | ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“; Best. A.12.02), ca. 1870-1930.ISG, Nullkartei. | ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass: ISG, S1/410. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.649. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.650 (Oskar Göbel). | ISG, Standesamt (Best. A.34.02), Personenstandsunterlagen, 1874-1992.ISG, Standesamt, Familienattestat G 933 (Göbel, Christian Wunibald Angilbert).
Internet: Hessische Biografie, Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Instituts für Landesgeschichte in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/23453_goebel-christian-wunibald-angilbertHess. Biografie, 5.5.2026. | Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Ffm. https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/goebel-angilbert
Hinweis: Eintrag zu Angilbert Göbel in der digitalen Sammlung.
Städel Museum, 5.5.2026.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Goebel
Hinweis: Artikel über den Sohn Oskar Göbel.
Wikipedia, 5.5.2026.


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Empfohlene Zitierweise: Eichenauer, Jürgen: Göbel, Angilbert. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2390

Stand des Artikels: 6.5.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2026.