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Darmstädter, Ludwig

Darmstädter, Ludwig. Prof. Dr. phil. Dr. jur. h. c. Chemiker. Industrieller. Sammler. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 9.8.1846 Mannheim, † 18.10.1927 Berlin.
Von 1872 bis 1906 Fabrikant in der chemischen Industrie in Berlin. 1906 schied D. aus dem Aufsichtsrat seines Unternehmens, das seit 1900 als „Vereinigte Chemische Werke AG“ firmierte, aus, um sich ganz Wissenschaft und Forschung widmen zu können.
Für Ffm. erlangte D. als Freund und Förderer Paul Ehrlichs Bedeutung. Er veranlasste seine Schwägerin Franziska Speyer, im Andenken an ihren 1902 verstorbenen Mann Georg Speyer eine Million Mark zur Errichtung des „Georg-Speyer-Hauses“ zu stiften (1904). Dieses Institut sollte Paul Ehrlich die chemotherapeutische Forschung in Ffm. ermöglichen. Nach dem Tod der Stifterin (1909) wurde dem Stiftungskapital des Georg-Speyer-Hauses aus dem Nachlass eine weitere Million Mark zugeschlagen. D. sorgte 1921 für die finanzielle Abgrenzung des Georg-Speyer-Hauses von der „Georg und Franziska Speyer’schen Hochschulstiftung“, da das Institut von der Universität unabhängig sein sollte. Als einer der Testamentsvollstrecker des Speyer’schen Vermögens, das zum größten Teil für wohltätige Zwecke bestimmt war, hatte D. maßgebenden Einfluss auf Zweckbestimmung und Verteilung der Gelder. Gemäß seinem besonderen Engagement für die Reform des Jugendstrafrechts sowie der Fürsorge- und Erziehungsanstalten ist die Gründung des Bewahrungsheims für Jugendliche in Eschersheim mit Geldern aus dem Speyer’schen Nachlass ihm zu verdanken.
1924 Ehrenbürger der Ffter Universität. Ehrenmitglied des Instituts für experimentelle Therapie und des Georg-Speyer-Hauses.
Festschrift des Georg-Speyer-Hauses zu D.s 80. Geburtstag (1926).
Der Vorstand des Georg-Speyer-Hauses stiftete 1926 anlässlich des 80. Geburtstags von D. in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Forschungsarbeit Paul Ehrlichs den „Ludwig-D.-Preis“, der alle drei Jahre für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Chemotherapie und Biologie verliehen werden sollte. Der Preis wurde 1952 mit dem „Paul-Ehrlich-Preis“ zum „Paul Ehrlich und Ludwig Darmstaedter-Preis“ vereinigt.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 144f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. München 1927-2003.Kürschner: Gel. 1928/29, Sp. 2789 (Nekr.). | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.Georg Lockemann in: NDB 3 (1957), S. 516f.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 89f. | Professor Dr. phil. (...) Ludwig Darmstädter, Ehrenmitglied des Staatsinstituts für experimentelle Therapie und des Georg Speyer-Hauses in Ffm., zu seinem 80. Geburtstage am 9. August 1926. Berlin 1926.FS Ludwig Darmstädter 1926. | Heuer, Renate/Wolf, Siegbert (Hg.): Die Juden der Ffter Universität. Mit einem Vorw. v. Notker Hammerstein. Unter Mitarbeit von Holger Kiehnel u. Barbara Seib. Ffm./New York 1997. (Campus Judaica 6).Heuer/Wolf (Hg.): Juden d. Ffter Univ. 1997, S. 399-402. | Hoffmann, Hilmar: Die großen Ffter. Ehrenwürdige Bürger und Ehrenbürger [von Karl dem Großen bis Friedrich von Metzler]. 4., durchges. Aufl. Ffm. 2012.Zum Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis: Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 253-257. | Schembs, Hans-Otto: Jüdische Mäzene und Stifter in Ffm. Hg. v. d. Moses Jachiel Kirchheim’schen Stiftung. Mit einer Einführung von Hilmar Hoffmann. Ffm. [Copyright 2007].Schembs: Jüd. Mäzene u. Stifter 2007, S. 45-47. | Stemmler, Gunter: Die Vermessung der Ehre. Zur Geschichte der Ehrenbürger, Ehrensenatoren sowie Ehrenmitglieder an deutschen Hochschulen und an der Universität Ffm. Ffm. [u. a.] 2012.Stemmler: Ehrenbürger u. Ehrensenatoren an der Univ. Ffm. 2012, S. 159.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.551.

GND: 116027789 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Darmstädter, Ludwig. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1981

Stand des Artikels: 28.9.1987