Adam L. aus Friedberg wurde 1587 Bürger und Zöllner in Ffm. Dessen Sohn Johann L. (1590-1657) heiratete 1629 die Erbin des Ffter Druckers und Schriftgießers
Christian Egenolff. Sie und ihre Nachkommen führten die
Egenolff’sche Druckerei und Schriftgießerei fort.
Heinrich Ehrenfried L. war bei seiner Eheschließung mit Anna Margarete Walther (1711-1753) im Jahr 1731 bereits als Advokat in Ffm. angenommen, was bis zu seinem Tod sein Hauptberuf blieb. Seit 1732 Rat und Resident des Herzogs von Württemberg in Ffm.
1740 erbte L. die Schriftgießerei, die damals in ganz Westeuropa bekannt war. Schon L.s Vater Johann Nikolaus L. (1664-1740) hatte Geschäftsbeziehungen zu dem deutschen Drucker Johann
Christoph Sauer (auch: Saur; 1695-1758) in Germantown bei Philadelphia. Sauer stellte mit Schrifttypen aus der L.’schen Gießerei seit 1739 die erste deutschsprachige Zeitung in Nordamerika her. 1740 schenkte L. Sauer sechs Zentner Typen, mit denen dieser einen Nachdruck der Canstein’schen
Lutherbibel produzierte. Von diesem ersten amerikanischen Bibeldruck in deutscher Sprache (1743) erhielt L. 1747 Belegexemplare. L. hatte auch Verbindungen zu dem amerikanischen Drucker Joseph Crell in Massachusetts, der 1750 nach Ffm. kam, um hier Siedler zu werben. L. unterstützte Crell zunächst, trennte sich aber 1752 von ihm, weil Crell aus der Siedleranwerbung nur eigenen Gewinn ziehen wollte. L. dagegen setzte sich für eine geregelte Einwanderung nach Amerika ein, wandte sich gegen die Ausbeutung der Auswanderer durch Werber und Reeder und engagierte sich für die protestantische Evangelisation in Amerika. In seinem Idealismus enttäuscht, gab er seine Bemühungen um eine Reform des Auswanderungswesens später auf. Seit 1764 mit Benjamin Franklin bekannt, war Franklin 1768 L.s Gast in Ffm. Ihre gemeinsamen Beziehungen zur Freimaurerei ließen sie zu Freunden werden.
Die Schriftgießerei, die unter L. noch einmal aufgeblüht war, wurde nach L.s Tod von seinem Sohn Johann Nikolaus L. (1732-1805) fortgeführt, der sich jedoch 1780 von dem Unternehmen trennte. 1810 wurde der Betrieb eingestellt.
Aus dem Besitz von L.s Nachfahren erwarb das HMF 2016 ein Konvolut von Druck- und Handschriften, Drucklettern und Porträtgemälden, wozu auch eines der zwölf Exemplare der amerikanischen Lutherbibel von 1743 gehört, die seinerzeit in bedeutende europäische Bibliotheken versandt worden waren. Zwei weitere dieser Bibelexemplare befinden sich im Besitz der UB Ffm.
Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 479,
.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.