Oppenheim, Moritz

Oppenheim, Moritz Daniel. Prof. Maler. * 7. oder 8.1.1800 Hanau, † 25.2.1882 Ffm.
O. verbrachte seine Kindheit im Hanauer Judenviertel und wuchs dort im kleinbürgerlichen orthodox-jüdischen Milieu auf. Die genossene religiöse Erziehung blieb für ihn zeitlebens prägend und bindend. Seine früh entdeckte zeichnerische Begabung wurde nach anfänglichem Zögern durch sein Elternhaus gefördert und führte ihn 1820 an das Städelsche Kunstinstitut. Weitere, durch den Bruder finanzierte Studien in Paris, München und Rom folgten. Dort zunächst Anschluss an die „Nazarener“, von deren Vorbild er sich stilistisch und weltanschaulich jedoch bald entfernte. Nach seiner Rückkehr aus Italien hielt sich O., der bereits mit Goethe korrespondiert und den greisen Dichterfürsten um die Begutachtung einer Mappe mit Zeichnungen gebeten hatte, 1827 einige Wochen in Weimar auf. Schließlich vermittelte Goethe ihm den großherzoglichen Weimarer Professorentitel. Zum Dank zeichnete O. Illustrationen zu Goethes Versepos „Hermann und Dorothea“.
1828 ließ sich O. als Maler in Ffm. nieder (1839 dauerndes Wohnrecht, 1851 Bürgerrecht). Als von der Familie Rothschild protegierter und beschäftigter Porträtist erhielt er bald Aufträge weiterer herausragender Zeitgenossen, mit denen er zum Teil auch befreundet war (wie Börne und Heine). Inzwischen hatte O., der sich einer gänzlichen Assimilation an das Christentum beharrlich widersetzte, ein Genre entdeckt, das seine Popularität noch erheblich steigerte: die jüdische Lebenswelt im alten Ffm. Dabei sind diese zwischen 1866 und 1882 als Album erschienenen Ansichten („Bilder aus dem altjüdischen Familienleben“) weniger wegen ihrer oft rührseligen Darstellungsweise als vielmehr wegen der Aussage des abgebildeten Sujets von bleibender Bedeutung. Vor O. gab es in Ffm. praktisch keinen jüdischen Maler, der jüdisches Leben festhielt. Seine Darstellungen verbinden detailreiche Kenntnisse mit teils programmatischen Aussagen über das jüdische Selbstverständnis nach der Aufhebung der Ghettos. Exemplarisch hierfür ist das besonders bekanntgewordene Bild „Heimkehr eines Freiwilligen aus den Befreiungskriegen“ von 1834. Hinter der sentimentalen häuslichen Szene steht der Protest des Malers gegen die neuerliche Rücknahme der Rechte der Juden, gerade auch bei den jüdischen Teilnehmern an den Freiheitskriegen. Weitere Ansichten des oben genannten Albums zeigen etwa „Die Sabbatfeier“, „Das Laubhüttenfest“, „Das Purimfest“ und „Die Hochzeit“. Die gefälligen Genrebilder fanden, auch dank fotografischer Reproduktion, schnell Verbreitung in allen Ländern mit größeren jüdischen Gemeinden. O.s künstlerische Begabung verband sich mit einer realistischen Einschätzung des Zeitgeschmacks, die den erfolgreichen Künstler finanzieller Sorgen enthob und zum „Rothschild der Maler“ machte.
O., der auch als Gelegenheitsdichter geschätzt war, blieb bis ins hohe Alter tätig. Sein letztes Gemälde vollendete er zwei Wochen vor seinem Tod.
Für den Kaisersaal im Römer schuf O. die Bildnisse von Otto IV. und Joseph II.
1924 erschienen O.s „Erinnerungen“, herausgegeben von seinem Enkel Alfred Nathaniel O.
Grabdenkmal auf dem Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße.
1900 Gedächtnisausstellung zu O.s 100. Geburtstag im Ffter Kunstverein.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 110f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Hyacinth Holland in: ADB 52 (1906), S. 706-708.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 330-335. | Gathof, Isabel/Graf, Esther: Moritz Daniel Oppenheim. Maler der Rothschilds und Rothschild der Maler. Leipzig u. a. 2019. (Jüdische Miniaturen 232).Gathof/Graf: Moritz Daniel Oppenheim 2019. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 195-198. | Napoleon und die Romantik – Impulse und Wirkungen. Hg. v. Magistrat der Brüder-Grimm-Stadt Hanau, Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen/Städtische Museen Hanau. Redaktion: Andrea Pühringer. Marburg 2016. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 83).Riedel, Erik: Moritz Daniel Oppenheim. Ein jüdischer Maler der Emanzipationszeit. In: Napoleon u. die Romantik 2016, S. 83-98. | Romantik im Rhein-Main-Gebiet. Hg.: Museum Giersch der Goethe-Universität, Ffm. Katalogredaktion: Mareike Hennig, Manfred Großkinsky, Birgit Sander, Susanne Wartenberg, Linda Baumgartner. Petersberg 2015.Romantik im Rhein-Main-Gebiet 2015, S. 94-97, 165, 258f., 273 u. ö.
Quellen: Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.Salzmann, Bernd: Die Odyssee der Oppenheim-Bilder. Ein Buch beschreibt, wie Fft. unterm Hakenkreuz im Nachlaß des Malers wilderte. In: FR, 10.1.1998. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/822.

GND: 119484129 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Oppenheim, Moritz. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/699

Stand des Artikels: 15.8.1994