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Luley, Carl

Ffter Volksschauspieler.

Luley, Friedrich Carl (auch: Karl). Schauspieler. * 21.9.1887 Ffm., † 10.3.1966 Ffm.
Sohn eines Gepäckträgers und einer Blumenbinderin.
Aufgewachsen in der Schleusenstraße am Westhafen. Besuch der Mittelschule. Tätigkeit als Kanzlist beim Königlichen Landratsamt in Ffm. (1902-04). Militärzeit in Mainz (1904-06). Als leidenschaftlicher Fußballspieler und Mitbegründer des „Fußballclubs 1902“ im Gallusviertel übernahm L. zu dessen Stiftungsfest 1904 eine Hauptrolle in dem Stück „Die schwarze Afra“ und wurde von dem Regisseur, einem Chorsänger der Ffter Oper, ermuntert, zum Theater zu gehen. Schauspielunterricht bei Max Bayrhammer (1907-09), abgeschlossen mit der Schauspielprüfung. Erste Engagements in Aschaffenburg (1909-12) und Bielefeld (1912-14), wo er schon damals meist in Väterrollen eingesetzt wurde. Vom 6.8.1914 bis 25.11.1918 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, zuletzt im Rang eines Sergeanten.
Gastspiele an verschiedenen Bühnen, u. a. in Ffm. Daraufhin seit dem 1.9.1919 Engagement an den Städtischen Bühnen Ffm. im Fach als Episoden- und Chargenspieler. In den Zwanzigerjahren profilierte sich L. als Chargenspieler am Schauspielhaus seiner Heimatstadt. Rollen: Attinghausen („Wilhelm Tell“), Klosterbruder („Nathan der Weise“), Stimme des Herrn („Faust“), Stadtmusikus Möller („Kabale und Liebe“), Melville („Maria Stuart“), Kaplan („Was ihr wollt“), Bruder Thomas („Zweierlei Maß“) u. a. Später wurden ihm gelegentlich auch größere Väterrollen übertragen, u. a. Pfarrer Hoppe in Halbes „Jugend“ (1935) und Timoska in Hauptmanns „Elga“ (1941).
Am 4.4.1931 war L. aufgrund seiner authentischen Beherrschung des Ffter Dialekts erstmals in einer Hauptrolle in einem Ffter Lokalstück besetzt, in Stoltzes „Alt-Fft.“ unter der Regie von Mathilde Einzig, worin er als Kaufmann Hieronymus Muffel brillierte. Regelmäßig, ungefähr in einer Neuinszenierung pro Spielzeit, bekam er seitdem Hauptrollen in Lokal- und Volksstücken, u. a. als Drehermeister Dummbach im „Datterich“ (1936) und als Kimmelmeier im „Alten Bürgerkapitän“ (1938). So wurde L. in den Dreißigerjahren immer beliebter beim Ffter Publikum, und als Hampelmann in der „Landpartie nach Königsten“ (1939) schaffte er endgültig den Durchbruch zum Volksschauspieler. L., so notierte Richard Kirn nach der Premiere, sei damit „zum Ideal-Typ des Ur-Frankfurters geworden“. Zusätzlich populär wurde L. durch sein Mitwirken bei den Römerbergfestspielen (ab 1932), insbesondere als der arme Musikant Kläuslin in Hauptmanns „Florian Geyer“ (1938), und durch erste Auftritte im Rundfunk, etwa bei der „Tönenden Illustrierten“ des Reichssenders Fft. (1936). Auch außerhalb des Theaters war er bekannt für seine Geselligkeit, u. a. als Mitglied des Künstlerstammtischs „Abgeschminkt“ und später als „Ritter Muffel“ in der Schlaraffia Francofurta.
Während des Zweiten Weltkriegs war L. für die Städtischen Bühnen „uk-gestellt“, wurde jedoch trotz inständiger Bitten der Intendanz am 7.6.1944 als „kriegsverwendungsfähig“ gemustert. Inzwischen, nachdem das Schauspiel- und das Opernhaus wie auch L.s Wohnung bei den Luftangriffen im März 1944 zerstört worden waren, lebten L. und seine Frau Wilhelmine Margarete Luise, gen. Gretel, geb. Friedrich (1895-1981), in einem Dachkämmerchen in Neu-Isenburg, von wo aus der Schauspieler täglich, oft unter erheblichen Strapazen, zur Ausübung seines Berufs nach Ffm. kam. (Erst 1956 erhielt das Ehepaar wieder eine Wohnung in Ffm., in der Melemstraße 7 im Nordend.) Nach Schließung aller Theater am 1.9.1944 wurde L. in einer Nebenstelle des Heereszeugamts in Neu-Isenburg dienstverpflichtet (ab 9.10.1944).
Nach dem Krieg zählte L. zu den Bühnenkräften, die das Theaterleben in Ffm. wiederaufbauten. Im November 1945 gehörte er zum Ensemble des Bunten Abends in Ffter Mundart (Regie:Siegfried Lowitz), mit dem der Börsensaal als Behelfsbühne der Städtischen Bühnen eröffnet wurde. Im Börsensaal kam am 9.10.1948 wieder Stoltzes „Alt-Fft.“ heraus, mit L. als Muffel, Anny Hannewald als Frau Funk und Else Knott als Lorchen, die von Presse und Publikum als „das Alt-Ffter Trio“ gefeiert wurden: Auf der Bühne ließen sie wiedererstehen, was draußen in Trümmern lag. Am 3.10.1949 feierte L. sein 30-jähriges Ffter Bühnenjubiläum als Hampelmann in „Die Landpartie nach Königstein“ von Malss. Bei den Freilichtspielen im Karmeliterkloster spielte er 1951 den Vater Knie in Zuckmayers „Katharina Knie“. Im selben Jahr war L. in einer Umfrage der Ffter Neuen Presse zum zweitpopulärsten Ffter (nach Oberbürgermeister Walter Kolb) gewählt worden.
Mit Ablauf der Spielzeit 1952/53, in der L. sein 65. Lebensjahr vollendet hatte, wurde er pensioniert. Bald darauf, während einer Vorstellung des „Prinzen von Homburg“ von Kleist am 22.11.1953, wurde er zum Ehrenmitglied der Städtischen Bühnen ernannt. Angesichts seiner geringen Rente konnte sich der Schauspieler allerdings nicht zur Ruhe setzen. Er blieb den Städtischen Bühnen unter der Intendanz von Harry Buckwitz, der ihn in kleinen Charakterrollen schätzte (u. a. als Daniel in „Die Räuber“, 1956), weiterhin verbunden, zunächst durch einen Gastvertrag (1953-55), dann wieder mit einem ordentlichen Dienstvertrag (ab 1.9.1955), der ihm den Lebensunterhalt sicherte. Neben der Bühnentätigkeit hatte sich L. bald wieder weitere Arbeitsfelder erschlossen, u. a. als Sprecher bei Radio Fft. und dem daraus hervorgegangenen Hessischen Rundfunk. Hier wirkte er u. a. in der beliebten Hörfunkserie „Die Familie Hesselbach“ von Wolf Schmidt mit (ab 1950), und im Kinderfunk war er der „Onkel Karlemann“ an der Seite von „Tante Jo“ (Josefine Klee-Helmdach). Auch spielte er kleinere Kinorollen, u. a. als Ffter in „Die fidele Tankstelle“ (von und mit Joe Stöckel, 1950), als Küfermeister Raunz in „Der fröhliche Weinberg“ (mit Gustav Knuth, 1952) und als Bauer Rotkopp in „Schinderhannes“ (unter der Regie von Helmut Käutner, 1958) sowie in Werbefilmen der Stadt Ffm. (u. a. in „Kunststudentin Ursula“, 1959). Eine frühe Fernsehrolle hatte er als Weihnachtsmann in dem Märchenspiel „Peterchens Mondfahrt“ (Regie: Gerhard F. Hering, 1959), und in der Fernsehserie „Die Familie Hesselbach“ wirkte er in zwei Folgen als Onkel Franz mit (Regie: Wolf Schmidt/Harald Schäfer, 1962). Als Vortragskünstler (vgl. seine Schallplatte „Das Ffter Herz“, gesprochen mit Carl Rühl, 1964) pflegte L. nicht nur die traditionelle Mundartdichtung von Friedrich Stoltze, sondern er erinnerte nach 1945 auch wieder an den von den Nationalsozialisten verbotenen Mundartschriftsteller Karl Ettlinger.
Einen Höhepunkt in der Geschichte des Volkstheaters in Ffm. setzte die Inszenierung des „Datterich“ von Klaus Wagner am 10.8.1962 im Börsensaal, in der Joseph Offenbach die Titelrolle und Carl L. noch einmal den Dummbach spielte. Zu L.s 75. Geburtstag 1962 wurde eine Festvorstellung des „Datterich“ gegeben, bei der dem Volksschauspieler die Ehrenplakette der Stadt Ffm. verliehen wurde. Die Inszenierung des „Datterich“ wurde vom Hessischen Rundfunk für das Fernsehen aufgezeichnet und erstmals am 9.4.1963 gesendet. In der Eröffnungspremiere des neuen Schauspielhauses 1963 wirkte L. als alter Bauer in Goethes „Faust I“ mit, in einer Rolle, die er schon bei den Römerbergfestspielen ab 1935 gespielt hatte. Seine letzte Rolle war der Pfarrer in der „Dreigroschenoper“ von Brecht (unter der Regie von Harry Buckwitz, 1965). L., der fast 50 Jahre lang zum Ffter Ensemble gehörte, hat sich um das Theater seiner Heimatstadt besonders verdient gemacht. Sein Lieblingsplan war die Gründung einer Ffter Mundartbühne, was er aber nicht mehr erlebte. Durch sein Werben inspirierte er jedoch seine Kollegin Liesel Christ, mit der er zusammen u. a. im „Datterich“ spielte, diese Idee zu verwirklichen und 1971 das Volkstheater Fft. zu gründen.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann XIII 618).
Nachlass mit Dokumenten, Zeitungsausschnitten, Pressekritiken, Fotografien u. a. im ISG.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 477f., verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel. Oper. Film. Rundfunk. Hg. v. Herbert A. Frenzel und Hans Joachim Moser. Berlin 1956.Kürschner: Theater.
Literatur:
                        
Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Hg. v. d. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. Berlin, später Hamburg 1915-heute.Dt. Bühnen-Jb. 1964, S. 44; 1967, S. 115 (Nekrolog). | Heym, Heinrich (Hg.): Fft. und sein Theater. Im Auftrage der Städtischen Bühnen hg. (...). Ffm. 1963. Bibliotheksausgabe mit Nachwort und Register. Ffm. 1971.Heym (Hg.): Theater 1963, S. 57, 95, 209, 248; vgl. auch Abb. auf S. 81, 91, 97, 163. | Hock, Sabine: Liesel Christ / Volksschauspielerin. Eine Biographie. Ffm. 2004.Hock: Liesel Christ 2004, S. 133, 146, 152. | Mohr, Albert Richard: Das Ffter Schauspiel 1929-1944. Eine Dokumentation zur Theatergeschichte mit zeitgenössischen Berichten und Bildern. Ffm. [Copyright 1974].Mohr: Schausp. 1974. | Reimann, Hans: Das Buch von Fft., Mainz, Wiesbaden. München 1930. (Was nicht im Baedeker steht 9).Reimann: Was nicht im Baedeker steht 1930, S. 152.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Hock, Sabine: Der letzte große Ffter Mime seines Fachs. Vor 25 Jahren starb der Volksschauspieler Carl Luley / Die „Stimme“ seiner Stadt. In: FAZ, 9.3.1991, S. 50. | ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass: ISG, S1/94. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/921.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_LuleyWikipedia, 10.3.2016.

GND: 1026276519 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Luley, Carl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3134

Stand des Artikels: 10.3.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2016.