Schober, Johann

Schober, Johann (auch: Johannes). Kapellmusiker. Kapellmeister. Komponist. * um 1640 Kindelbrück/Thüringen, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.▭ 2.11.1697 Ffm.
Sch., damals Musikdirektor in Worms, bewarb sich 1668 um eine Stelle in der Ffter Kapelle und wurde noch im gleichen Jahr dort als Tenorist und Violinist mit 120 Gulden Besoldung aufgenommen. 1671 heiratete er Anna Öttel aus Dornburg an der Saale und erhielt das Ffter Bürgerrecht. Zur Einweihung der Katharinenkirche 1681 widmete er dem Rat der Stadt eine Komposition, die nicht erhalten ist. Nach dem Tod von Daniel Lommer 1682 bewarb sich Sch. als Kapelldirektor. Obwohl er sich in 14 Jahren große Verdienste um die Ffter Kirchenmusik erworben und Lommer, der schon in seinen letzten beiden Lebensjahren dem Amt nicht mehr hatte nachkommen können, vertreten hatte, unterlag er gegen den bekannteren Georg Christoph Strattner. Somit wurde Sch. 1682 nur zum Vizekapelldirektor unter Strattner ernannt. Nach dessen Weggang 1692 avancierte Sch. zur führenden Musikerpersönlichkeit in Ffm.; die Musikdirektorenstelle wurde jedoch bis 1695 nicht wieder besetzt. „So hatte Johann Sch. an Sonn- und Festtagen als Sänger (Tenor) oder Streicher (Violine) bei der Aufführung der Kantate bzw. Motette in der Barfüßerkirche mitzuwirken, bevor er sich seiner Hauptaufgabe widmen konnte: der Leitung der Musik in der Katharinenkirche, die er bis zu seinem Tode (...) innehatte.“ [Peter Cahn: Kirchenmusik an St. Katharinen. In: Proescholdt (Hg.): St. Katharinen 1981, S. 280.] Für die Musik an St. Katharinen bedeutete der Tod Sch.s 1697 einen schweren Verlust. Sch.s Nachfolger als Leiter der Kirchenmusik zu St. Katharinen wurde Philipp Jakob Mehl.
Sch. vertonte drei Lieder von Philipp Jakob Spener („Ich weiß, dass Gott mich ewig liebet“, „So bleibt es denn also“ und „So ist’s an dem, dass ich mit Freuden“ aus der „Praxis Pietatis Melica“ von 1674, aufgenommen von Spener in seine „Pia Desideria” von 1675), je eines von Georg Philipp Harsdörffer und Georg Sigmund Vorberg (in der Ausgabe der „Praxis Pietatis Melica“ von 1668), ferner einige von Herzog Anton Ulrich von Braunschweig. Handschriftlich in Ffm. überliefert ist nur eine Kantate zum 5. Sonntag post Trinitatis mit dem Titel „Denn die ihm vertrauten“.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Roman Fischer.

Lexika: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Unter Mitarb. zahlreicher Musikforscher (...) hg. v. Friedrich Blume. 17 Bde. Kassel/Basel 1949-86. Neuausgabe (2., völlig überarb. Aufl.): Hg. v. Ludwig Finscher. 10 Bde. (Sachteil), 18 Bde. (Personenteil) und ein Supplementband. Kassel/Stuttgart 1994-2008.Cahn, Peter: Fft. In: MGG, 2. Aufl., Sachteil 3 (1995), Sp. 649. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 526.
Literatur:
                        
Adam, Wolfgang/Westphal, Siegrid (Hg.): Handbuch kultureller Zentren der Frühen Neuzeit. Städte und Residenzen im alten deutschen Sprachraum. 3 Bde. Berlin u. a. 2012.Stalljohann, Marina: Fft. In: Adam/Westphal (Hg.): Handbuch kultureller Zentren d. Frühen Neuzeit 2012, S. 535-593. | Jungius, Christiane: Telemanns Ffter Kantatenzyklen. Kassel/Basel u. a. 2008. (Schweizer Beiträge zur Musikforschung 12).Jungius: Telemanns Ffter Kantatenzyklen 2008. | Proescholdt, Joachim (Hg.): St. Katharinen zu Ffm. Ffm. 1981.Cahn, Peter: Kirchenmusik an St. Katharinen. In: Proescholdt (Hg.): St. Katharinen 1981, S. 277-296, hier S. 280-282. | Schlichte, Joachim: Thematischer Katalog der kirchlichen Musikhandschriften des 17. und 18. Jahrhunderts in der Stadt- und Universitätsbibliothek Ffm. (Signaturengruppe Ms. Ff. Mus.). [Hg. v. d. Stadt- und Universitätsbibliothek Ffm.] Ffm. 1979. (Kataloge der Stadt- und Universitätsbibliothek Ffm. 8).Schlichte: Themat. Katalog d. kirchl. Musikhandschriften d. 17. u. 18. Jh.s in der UB Ffm. 1979, S. 124. | Süss, Carl: Kirchliche Musikhandschriften des 17. und 18. Jahrhunderts. Katalog (...). Im Auftr. der Gesellschaft der Freunde der Stadtbibliothek bearb. u. hg. v. Peter Epstein. Ffm. [u. a.] 1926.Süss: Kirchl. Musikhandschriften 1926, S. 58, 216f. | Valentin, Caroline: Geschichte der Musik in Ffm. vom Anfange des XIV. bis zum Anfange des XVIII. Jahrhunderts. Ffm. 1906.Valentin: Musik 1906, S. 184f., 187, 190, 192, 206, 215, 217. | Zahn, Johannes: Die Melodien der deutschen evangelischen Kirchenlieder. 6 Bde. Gütersloh 1889-93.Zahn: Die Melodien d. dt. ev. Kirchenlieder 6 (1893), S. 569.
Quellen: ISG, Bestand Bürgerbücher, 1311-1868.ISG, Bürgerbücher 11 (Altsign.: 10; 1657-80), T. 1, Bl. 204v (31.3.1671). | ISG, Bestand Dedikationen und Invitationen, Widmungen von Schriften u. a. geistigen Erzeugnissen an den Rat der Stadt Ffm. sowie Einladungen desselben zu Hochzeiten und Gevatterschaften, 1595-1779; dazu Rep. 443.ISG, Dedikationen u. Invitationen 9, f. 47f. (Widmung eines musikalischen Stücks zur Einweihung der Katharinenkirche an den Rat, 1681; Noten liegen nicht bei). | ISG, Bestand Ratssupplikationen, 1600-1809.ISG, Ratssuppl. 1668, Bd. II, Bl. 120f. (Gesuch um eine Stelle in der Kapelle, 1668). | ISG, Bestand Ratssupplikationen, 1600-1809.ISG, Ratssuppl. 1671, Bl. 299-302 (Gesuch um Aufnahme in die Bürgerschaft, 1671). | ISG, Bestand Ratssupplikationen, 1600-1809.ISG, Ratssuppl. 1682, Bl. 96-99 (Gesuch um Konferierung der Kapellmeisterstelle in der Barfüßer- und Katharinenkirche, 1682). | ISG, Bestand Ratssupplikationen, 1600-1809.ISG, Ratssuppl. 1683, Bl. 43-46 (Gesuch um Gewährung einiger Ergötzlichkeiten, 1683).

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Empfohlene Zitierweise: Fischer, Roman: Schober, Johann. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/12150

Stand des Artikels: 3.5.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2021.