Steffan (von Cronstetten), Johann Hieronymus

Johann Hieronymus Steffan von Cronstetten

Johann Hieronymus Steffan von Cronstetten
Stich von Philipp Kilian (1674; im Besitz der UB Ffm.).

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Porträtsammlung Holzhausen, Nr. 381, URN: urn:nbn:de:hebis:30:2-315567).
Steffan (von Cronstetten), Johann Hieronymus. Jurist. Stadtpolitiker. ~ 19.6.1614 Ffm., † 18.4.1674 Ffm.
Sohn des Ffter Ratsherrn, späteren Schöffen und Stadtschultheißen Hieronymus Steffan (seit der Erhebung in den Adelsstand durch Kaiser Ferdinand II. 1621: Steffan von Cronstetten; 1577-1639) und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. zum Jungen, in erster Ehe verw. Melem (1580-1650). Verheiratet (seit 1641) mit Anna Margretha von Holzhausen, in erster Ehe verw. von Kröcher (1610-1674). Vier Kinder: Anna Margaretha S. v. C. (später verh. Völcker, 1641-1666); Hieronymus Adolph S. v. C. (1643-1693), Jurist, seit 1684 im Rat der Stadt Ffm.; Matthias (auch: Matthäus) Carl S. v. C. (1645-1717), seit 1694 im Rat der Stadt Ffm., seit 1701 Schöffe; Hans Christoph S. v. C. (1647-1648).
Studium der Rechtswissenschaften in Marburg (seit 1631), Gießen und kurzzeitig in Straßburg (seit April 1635). Von dort aus ging S. v. C. im Juli 1635 nach Paris und wenig später in Begleitung des früher als Lehrer am Ffter Gymnasium tätigen Studienreisenden Conrad Stein nach Tours, um die Sprache zu erlernen. In Tours ließ ihn Kardinal Richelieu (1585-1642) am 16.9.1635 verhaften und als Gefangenen auf die Bastille bringen. Richelieu beschuldigte S. v. C.s Vater, den Ffter Stadtschultheißen Hieronymus S. v. C., für den Übertritt Fft.s von der schwedisch-französischen Kriegspartei zur kaiserlichen verantwortlich zu sein, und wollte ihn durch die Verhaftung seines Sohnes bestrafen. Erst nach fast 20 Monaten Haft wurde S. v. C. dank der Intervention des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar (1604-1639) am 25.4.1637 freigelassen. Wegen der Kriegswirren kehrten er und Stein auf Umwegen über Lyon, Genf und Straßburg nach Ffm. zurück, das sie mit dem Marktschiff von Mainz am 29.7.1637 erreichten. Trotz der unsicheren Verhältnisse im andauernden Dreißigjährigen Krieg unternahm S. v. C. 1638/39 eine erneute Studienreise, diesmal nach Österreich (mit längerem Aufenthalt in Wien) und Italien (bis nach Rom). Nach der Heimkehr von dieser Reise 1639 ließ er sich dauerhaft in Ffm. nieder.
Seit 1654 im Rat der Stadt Ffm. 1664 Jüngerer Bürgermeister. Seit 1665 Schöffe. 1671 Älterer Bürgermeister.
S. v. C. wurde im Erbbegräbnis der Familie S. v. C. in der Steffanskapelle der Barfüßerkirche (abgebrochen 1786) bestattet. Die Leichenpredigt hielt Philipp Jakob Spener.
Der Enkel Johann Hector S. v. C. (1679-1731), Sohn von Matthias Carl S. v. C. (1645-1717) und dessen Ehefrau Maria Margretha, geb. Bromm (1656-1685), stand nach dem Studium in Gießen zunächst als Militär in landgräflich hessen-kasselischen, dann (seit 1711) als Hauptmann in Ffter Diensten; seit 1717 gehörte er dem Rat der Stadt Ffm. an, war 1724 Jüngerer Bürgermeister und seit 1724 Schöffe. Johann Hector S. v. C. war der letzte männliche Namensträger der Familie in Ffm. Die älteste seiner vier Schwestern, Anna Rosina S. v. C. (1675-1698), war seit 1696 mit dem Chronisten Achilles August von Lersner verheiratet.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 417f., verfasst von: Birgit Weyel.

Lexika: Dölemeyer, Barbara: Ffter Juristen im 17. und 18. Jahrhundert. Ffm. 1993. (Ius Commune, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Ffm., Sonderhefte, Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 60).Dölemeyer: Juristen, S. 202, Nr. 648; vgl. auch S. 202f., Nr. 648a (über den Sohn Matthias Carl Steffan von Cronstetten, 1645-1717). | Körner, Hans: Ffter Patrizier. Historisch-Genealogisches Handbuch der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Ffm. Neubearb. u. fortgesetzt durch Andreas Hansert. Neustadt/Aisch 2003.Körner/Hansert: Ffter Patrizier 2003, S. 408-410. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 571. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 47.
Literatur:
                        
Fft.isches Archiv für ältere deutsche Litteratur und Geschichte. Hg. v. Johann Carl von Fichard, gen. Baur von Eyseneck. Ffm. 1811-15.Fft.isches Archiv für ältere dt. Litteratur 3 (1815), S. 397-416 (mit dem Bericht von Conrad Stein über die Reise in Frankreich mit der Verhaftung Steffans von Cronstetten, 1635-37). | Hansert, Andreas: Justina Catharina Steffan von Cronstetten (1677-1766). Patrizierin – Pietistin – Stifterin. Ffm. 2016. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bürgerstiftung, hg. v. Clemens Greve u. Franziska Vorhagen, Bd. 13).Hansert: Justina Catharina Steffan von Cronstetten 2016, S. 19, 63f. | Kriegk, Georg Ludwig: Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Nach urkundlichen Forschungen und mit besonderer Beziehung auf Ffm. Ffm. 1868, NF 1871.Kriegk: Bürgerthum 1868/71, Bd. I, S. 496.
Quellen: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Berlin.Spener, Philipp Jakob: [Leichenpredigt auf Johann Hieronymus Steffan von Cronstetten.] Ffm. 1674. Personalia, S. 39-45. Staatsbibliothek zu Berlin, Digitalisierte Sammlungen, Projekt: Funeralschriften digital, URL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000083D800000000.
Internet: Das Ffter Patriziat, Seite mit Informationen (u. a. genealogische Datenbank) zum Ffter Patriziat, ein Projekt der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung Ffm., bearb. v. Andreas Hansert. https://frankfurter-patriziat.de/node/94074Ffter Patriziat, 12.3.2019. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Hieronymus_Steffan_von_CronstettenWikipedia, 12.3.2019.

GND: 121773124 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Steffan (von Cronstetten), Johann Hieronymus. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1305

Stand des Artikels: 15.3.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2019.