Stern, Fried

Stern, Siegfried, gen. Fried. Maler. Grafiker. Schriftsteller. Rundfunkautor. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 13.11.1875 Ffm., † nach 5.6.1944.
Sohn des Kaufmanns Lippmann S. (1827-1895) und dessen Ehefrau Anna Maria Margarethe, geb. Schuch (1843-1924).
Aufgewachsen in Ffm. als fünftes Kind in einem jüdisch-christlichen Elternhaus. Besuch einer Simultanschule in Ffm. Schüler von Heinrich Hasselhorst und Karl von Pidoll an der Städelschule. Vergebliches Bemühen um ein Stipendium. Abgebrochene Ausbildungen als Lithograf und Weinhändler. Als freier Maler, Grafiker, Schriftsteller und Illustrator in Ffm. tätig. 1911 würdigte die Zeitschrift „Der Cicerone“ die Innigkeit des Ausdrucks, die vollendete bildmäßige Wirkung, die sichere Strichtechnik und die kluge Verwendung der Farbe in S.s Zeichnungen und sah in ihm einen aufstrebenden Ffter Künstler. 1913 Veröffentlichung seines ersten Kinderbuchs („Aus dem Tagebuch des Robinson Crusoe. Verse und Bilder“). 1914 Publikation von „Der Struwwelpeter von Heute. Ein Bilderbuch für die Großen (...)“, das als frühe satirisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Buch von Heinrich Hoffmann gilt. Einsatz im Ersten Weltkrieg in Rumänien. Nach Kriegsverletzung 1917 Aufenthalt im Privatlazarett von Wertheimber-de Bary in Ffm.; hier schrieb er seine Betrachtungen über „Heimat und Vaterland“ (1917). Mitarbeiter der FZ. Von 1924 bis 1932 Rundfunkautor des SWR, insbesondere mit Beiträgen zu Literatur und Kunst, teils in Ffter Mundart. Als Teil der Ffter Bohème war S. mit Künstlern, Schriftstellern und Bürgern der Ffter Gesellschaft bekannt, u. a. mit Fritz Boehle, Augusto Varnesi, Emil Hub, Otto Linnemann, Joseph Roth und Fritz Mouson. S.s letzte bekannte Wohnung in Ffm. war 1933 in der Neuhofstraße 33 im Nordend. Aufgrund seiner väterlicherseits jüdischen Abstammung tauchte er dann wohl mehrere Jahre in Ffm. unter. 1937 emigrierte S. nach Amsterdam und war später in Schoorl und Aardenburg gemeldet. Am 30.1.1940 wurde er im Lager Westerbork inhaftiert. Entgegen bisheriger Forschungsmeinung starb S. weder 1942 in Westerbork noch in einem Konzentrationslager, sondern wurde im März 1942 aus dem Lager entlassen. Er war im Juli 1942 in Amsterdam und später in Hilversum wohnhaft. Im Jahr 1944 verliert sich seine Spur.
Autor weiterer Kinderbücher und anderer Schriften, u. a. „Fritz Boehle als Mensch und Künstler“ (1917), „Main – Spessart – Rhön“ (mit 16 Zeichnungen, 1920), „Münchhausen am Sereth“ (1922), „17 Geschichten“ (1929) und „Freitag, der schwarze Malersmann“ (1929). S.s Fähigkeiten als Schriftsteller und Zeichner verbanden sich häufig in seinen Veröffentlichungen. Neben den Illustrationen in Büchern und zu Zeitungsartikeln entstanden zahlreiche Zeichnungen zu Motiven um Ffm. und auf Reisen.
Autobiographie: „‚Fried‘. Jugendjahre eines Ffter Malers“ (1925).
Seit 2018 Stolperstein für S. vor seinem letzten Ffter Wohnsitz in der Neuhofstraße 33.
Einige Landschaftszeichnungen im Besitz des Städel Museums.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Tabea Hein.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 431, verfasst von: Birgit Weyel.

Lexika: Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 619. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 578. | Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bde. Leipzig 1907-50.Thieme/Becker 32 (1938), S. 6.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 493f. | Der Cicerone. [Wechselnde Untertitel, u. a.: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers.] 22 Jahrgänge. Leipzig 1909-30.Der Cicerone 3 (1911), S. 599. | Lips, Ingeborg von: Joseph Roth. Ein Fft.-Lesebuch. [Ffm. 2017].Lips: Joseph Roth. Ein Fft.-Lesebuch 2017, S. 123-148. | Nebhut, Ernst: Treffpunkt Hauptwache. Illustriert von Ferry Ahrlé. Ffm. 1969.Nebhut: Treffpunkt Hauptwache 1969, 2. Aufl. 1972, S. 125f. | Reimann, Hans: Das Buch von Fft., Mainz, Wiesbaden. München 1930. (Was nicht im Baedeker steht 9).Reimann: Was nicht im Baedeker steht 1930, S. 160.
Quellen: Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.Adr. 1933, T. I, S. 699. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848/1849-1935.Heiratseintrag der Eltern: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch, Sign. STA 11/15, 1864, S. 212, Eintrag vom 5.6.1864. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.816. | Stadsarchief (d. i. Stadtarchiv) Amsterdam.Stadsarchief Amsterdam, Archiefkaarten 1939-94, Personenkarte: Siegfried Stern.
Internet: museum-digital, Datenbank für Museen zur Präsentation von Sammlungen und Objekten, betreut von Stefan Rohde-Enslin, Berlin. https://nat.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=200033&done=yes
Hinweis: Taunus-Rhein-Main, Regionalgeschichtliche Sammlung Dr. Stefan Naas, Gästebuch des Jagdhauses Nieder-Eschbach von Fritz Mouson, gestaltet von Emil Hub, Otto Linnemann, Fried Stern und Augusto Varnesi.
museum-digital, 29.4.2019.
| Schriftsteller im Rundfunk – Autorenauftritte im Rundfunk der Weimarer Republik 1924-1932, Internet-Angebot der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv (DRA), Ffm. http://dienste.dra.de/schriftsteller/autoren.php?buchst=S&aname=Fried SternSchriftsteller im Rundfunk, 29.4.2019. | Stolpersteine in Ffm., Internetdokumentation der Initiative Stolpersteine in Ffm. e. V., Ffm. http://www.stolpersteine-frankfurt.de/downloads/Doku2018_WEB.pdf
Hinweis: Initiative Stolpersteine Ffm., 16. Dokumentation 2018, S. 56.
Stolpersteine in Ffm., 29.4.2019.
| Internetpräsenz des Städel Museums, Ffm. https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/stern-fried
Hinweis: Eintrag zu Fried Stern in der digitalen Sammlung.
Städel, 26.4.2019.


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Empfohlene Zitierweise: Hein, Tabea: Stern, Fried. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1333

Stand des Artikels: 6.5.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2019.