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Hölscher, Rose

Rose Hölscher (Silhouette von Lotte Cracknell, 1927)
Rose Hölscher
Scherenschnittporträt von Lotte Cracknell (1927).
Bildquelle: Hans Helmut Jansen/Rosemarie Jansen: Ffter Charakterköpfe aus der medizinischen Fakultät. 39 Scherenschnitte von Rose Hölscher. In: Schwarz auf weiß 1998, Nr. 8 (Mai 1998), S. 17-21.
© entfällt. Diese Abbildung ist gemeinfrei.
Rose Hölscher, verh. Müller (Muller)
Rose Hölscher, verh. Müller (Muller)
Passfoto (um 1934).
Bildquelle: The National Archives and Records Administration, Washington D. C. (Petitions for Naturalization from the U. S. District Court for the Southern District of New York, 1897-1944, Series M1972, Roll 1195).
© unbekannt. Der/die Fotograf/-in ist auf der Bildvorlage nicht genannt.
Hölscher, Rose Susanna, gen. Rosele (auch: Rosel), verh. Müller (nach der Emigration in die USA 1933: Muller). Dr. med. Medizinerin. Scherenschnittkünstlerin. * 25.2.1897 Altkirch/Elsass, † 3.1.1965 New York.
Tochter des Pädagogen Karl H. (1861-1938) und dessen Ehefrau Rose, geb. Burner (1866-nach 1950). Schwester: Lore Elisabeth H. (später verh. Muller, 1899-nach 1982). Verheiratet (seit 1929) mit dem Mediziner Ernst Friedrich Müller (nach der Emigration in die USA 1933: Muller; 1891-1971). Keine Kinder.
Aufgewachsen ab 1902 in Montabaur im südlichen Westerwald, wo der Vater das katholische Lehrerseminar (bis zu dessen Schließung 1926) leitete. Zunächst zweijähriger Besuch der Volksschule in Montabaur, dann Heimunterricht. Im August 1908 Wechsel auf ein Gymnasium in Straßburg. Seit Januar 1909 Besuch der im Vorjahr infolge der preußischen Mädchenschulreform entstandenen Schillerschule in Ffm.-Sachsenhausen, der ersten Mädchenschule in Ffm., die als „Studienanstalt“ zum Abitur führte und damit den Zugang zum Hochschulstudium ermöglichte. Um auf die Schillerschule gehen zu können, wurde „Rosele“ in Ffm. in Pension gegeben. Eine ihrer Klassenkameradinnen war die spätere Paläoneurologin Tilly Edinger (1897-1967). Ab Ostern 1914 besuchte Roses jüngere Schwester Lore H. ebenfalls die Schillerschule, allerdings nicht deren Studienanstalt, sondern das Lyzeum, das sie nach zwei Jahren abschloss. Zugleich, zu Ostern 1916, verließ Rose H. die Schillerschule mit dem Abitur. Ab dem Sommersemester 1916 Studium der Medizin, zunächst in Bonn (1916-18), dann in Tübingen (1918-19) und schließlich in Ffm. (1919-21). Am 4.5.1921 ärztliches Staatsexamen in Ffm. Ab Juni 1921 praktisches Jahr am Städtischen chemisch-physiologischen Institut und Institut für vegetative Physiologie der Ffter Universität unter Direktion von Gustav Embden sowie an der Medizinischen Klinik der Universität Marburg. Promotion mit der im November 1921 abgegebenen Dissertation „Ein Beitrag zur Klinik und Pathologie des Melano-Sarkoms“ bei dem Dermatologen Karl Herxheimer. Spätestens ab 1923 Anstellung als Volontärassistentin (ohne Gehalt) an der von Hugo Schottmüller (1867-1936) geleiteten II. Medizinischen Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf. Daneben von 1923 bis 1929 Tätigkeit als medizinische Assistentin in der wissenschaftlichen Abteilung der Firma „P. Beiersdorf & Co. AG“. Ab Mai 1929 „Emanuel Libman Fellowship“ zur Erforschung von Blutkrankheiten am Mount Sinai Hospital in New York. Am 9.11.1929 Heirat mit dem Internisten Ernst Friedrich Müller in Chicago, mit dem sie ab 1923 in Hamburg zusammengearbeitet hatte. (Der gebürtige Berliner Ernst Friedrich Müller arbeitete seit 1920 an der II. Medizinischen Universitätsklinik in Hamburg, zunächst als Assistenzarzt des Internisten Hugo Schottmüller, seit 1925 als Oberarzt und Leiter der Medizinischen Poliklinik. Seit 1927 hatte er eine außerordentliche Professur an der Hamburger Medizinischen Fakultät inne. Neben seiner klinischen Tätigkeit führte er eine internistische Privatpraxis.) Zum 1.12.1929 Abbruch des Stipendiums durch H. aufgrund einer Erkrankung und im selben Monat Rückkehr mit ihrem Mann nach Hamburg. Dort Tätigkeit als wissenschaftliche Assistentin ihres Mannes und erneut als Volontärassistentin in der Medizinischen Universitätspoliklinik. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Entlassung von Ernst Friedrich Müller an der Hamburger Universität nach Paragraph 3 des Berufsbeamtengesetzes aufgrund seiner jüdischen Herkunft (30.9.1933); später wurde ihm zudem die Lehrbefugnis entzogen (26.3.1934). Im Oktober 1933 Emigration des Ehepaars Müller nach New York, wo Ernst Friedrich Müller als Arzt in eigener Praxis und als „Associate Professor“ für Innere Medizin an der Columbia University arbeitete. Kurzzeitige Beschäftigung von Rose Müller in der Niederlassung von „Beiersdorf“ im Stadtteil Brooklyn, u. a. in der Ausarbeitung des Milcheiweißpräparats „Aolan“. Von 1935 bis 1938 (unbezahlte) Mitarbeit bei ihrem Mann, in dessen Laboratorium sie Blut- und Stoffwechseluntersuchungen durchführte. Seit 1938 Tätigkeit als ärztliche Partnerin in der Praxis ihres Mannes. 1940 Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft. H. starb 1965 im Alter von 67 Jahren an den Folgen einer Brustkrebserkrankung im Lenox Hill Hospital im New Yorker Stadtteil Manhattan.
H. war künstlerisch talentiert und erlernte ab 1919 von der befreundeten Scherenschnittkünstlerin Lotte Cracknell (1898-1951) die Technik des Scherenschnitts. Bald begann die damals gerade an die Ffter Universität gewechselte Medizinstudentin, im Kolleg ihre Dozenten mit der Schere zu porträtieren, zunächst – wie sie selbst schrieb – „ohne besondere Absicht“. H. schnitt ihre Silhouetten wahrscheinlich ohne Vorlage und Vorzeichnung frei ins Papier. Auf diese Weise fertigte sie nach und nach 39 Scherenschnitte von Mitgliedern der Medizinischen Fakultät an, alles Büstenschnitte im Profil nach rechts, die sie vom jeweiligen Porträtierten signieren ließ. Die gesammelten Porträts veröffentlichte H. in dem Bändchen „Ffter Charakterköpfe. Aus der medizinischen Fakultät“, das bei Englert & Schlosser in Ffm. in kleiner Auflage gedruckt und verlegt wurde (1921; kommentierte Neuausgabe 2023). Beim Abschluss ihres Studiums in Ffm. 1921 übergab sie das Büchlein ihren Lehrern und Kommilitonen „als Erinnerung für spätere Zeiten“, wie sie in dem kurzen Vorwort schrieb. Heute ist ihr Werk als kultur-, medizin- und stadthistorisch bedeutendes und außergewöhnliches Dokument anzusehen.
Medizinische Fachveröffentlichungen: „Über die Beziehungen der Haut und des autonomen Nervensystems zum qualitativen Blutbild“ (Aufsatz zusammen mit Ernst Friedrich Müller, 1923), „Die funktionelle Unterbrechung der physiologischen Reizleitung zwischen Haut und Blutbahn durch pharmako-dynamische Substanzen“ (Aufsatz zusammen mit Ernst Friedrich Müller, 1924), „Ueber die Wirkung der äußeren Anwendung von Wärme und Kälte auf die Sekretionstätigkeit der Verdauungsorgane“ (Aufsatz zusammen mit Ernst Friedrich Müller, 1929), „Über die Beteiligung der Lungengefäße an den gesetzmäßigen Verteilungsveränderungen der Leukocyten bei Allgemeinreaktionen“ (Aufsatz zusammen mit Ernst Friedrich Müller, 1929), „Abschließende Studien über Beteiligung der einzelnen Organe an den gesetzmäßigen Verteilungsänderungen der Leukozyten“ (Aufsatz zusammen mit Ernst Friedrich Müller und William F. Petersen, 1929), „Organ Distribution of Leucocytes“ (Aufsatz zusammen mit Ernst Friedrich Müller und William F. Petersen, 1930).
Die Eltern von Ernst Friedrich Müller und somit Schwiegereltern von H., der Berliner Orthopäde Georg Müller (1861-1939) und dessen Frau Ida, geb. Haase (1868-1942), waren im Mai 1933 von Berlin nach Den Haag geflohen. Dort starb Georg Müller am 25.5.1939. Ida Müller nahm sich im Dezember 1942 angesichts der drohenden Deportation das Leben. Ernst Friedrich Müller hatte zwei jüngere Brüder: Johannes Paul Müller (1893-1979), der den Holocaust in Frankreich überlebte, und Rudolf Fritz Ferdinand Müller (1897-1941), der im KZ Groß-Rosen starb. Edith Müller, geb. Wertheim (1898-1943), die Ehefrau von Johannes Paul Müller, wurde in Auschwitz ermordet.
Roses Schwester Lore H. war bereits im April 1934 ebenfalls in die USA ausgewandert und lebte in einem Haushalt zusammen mit dem Ehepaar Müller in New York. Die seit 1938 verwitwete Mutter Rose H., die den Krieg in Deutschland überlebt hatte, zog im Alter von 81 Jahren 1947 zu Töchtern und Schwiegersohn nach New York. Ernst Friedrich Müller beantragte im Zuge einer „Wiedergutmachung“ 1953 bei der Universität Hamburg und den zuständigen Senatsstellen die Rechtsstellung eines ordentlichen Professors, die ihm mit dem 4.8.1956 zuerkannt wurde. Nach dem Tod seiner Frau Rose heiratete er deren Schwester Lore H. Am 11.9.1971 starb Ernst Friedrich Müller in New York.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Literatur:
                        
Fünfzig Jahre Schillerschule Ffm. 1908-1958. Ffm. 1958.FS Schillerschule 1958, S. 152, 159. | Kuntz, Benjamin/Jenss, Harro: Ffter Charakterköpfe. Die Scherenschnitte der Rose Hölscher in 39 Biographien. Berlin/Leipzig 2023.Kuntz/Jenss: Ffter Charakterköpfe 2023; dort auch weiterführende Quellen- und Literaturangaben. | Schwarz auf weiß. Zeitschrift des Deutschen Scherenschnittvereins e. V. 52 Nummern. Oberursel u. a. 1995-2019.Jansen, Hans Helmut/Jansen, Rosemarie: Ffter Charakterköpfe aus der medizinischen Fakultät. 39 Scherenschnitte von Rose Hölscher. In: Schwarz auf weiß 1998, Nr. 8 (Mai 1998), S. 17-21.
Quellen: Archiv der Schillerschule, Ffm. Schillerschule, Ffm., Archiv, Schülerinnenbuch, Nr. 261 (Rosele Hölscher) u. Nr. 953 (Lore Hölscher). | Archiv der Schillerschule, Ffm. Schillerschule, Ffm., Archiv, Schülerinnenakte 953 (Lore Hölscher). | Universitätsarchiv Ffm. (UAF), Archiv der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Ffm.Universitätsarchiv Ffm., Studierendenakte Rose (auch: Rosele, Rosel) Hölscher, Best. 604 Nr. 6481.

GND: 1211428621 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Hölscher, Rose. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/13529

Stand des Artikels: 11.4.2024
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2024.