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Winter (auch: Winter-von Möllendorff), Gertrud

Gertrud Winter-von Möllendorff

Gertrud Winter-von Möllendorff
Fotografie.

© Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Ffm.
Winter (auch: Winter-von Möllendorff, Winter-von Moellendorff), Gertrud Emma Adelheid Johanna, geb. von Möllendorff (auch: Möllendorf, Moellendorff). Wissenschaftliche Zeichnerin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 21.12.1882 Hongkong, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 1.1.1946 Ffm.
Tochter des deutschen Konsuls und Zoologen Otto Franz von Möllendorff (auch: Moellendorff; 1848-1903) und dessen Ehefrau Anna Johanna Helene Viktoria Betty, geb. Blau (1857-1920). Zwei Schwestern und drei Brüder, u. a.: Wichard Georg Otto von Möllendorff (1881-1937), Ingenieur, Wirtschaftstheoretiker; Wilhelm Hermann Wichard von Möllendorff (1887-1944), Anatom; Irmgard von Möllendorff (seit 1925 verh. Lüdeke, 1896-1928), verheiratet mit dem Anglisten und Amerikanisten Henry Lüdeke (1889-1962). Verheiratet (seit 1904) mit dem Druckereibesitzer und Biologen Friedrich Wilhelm W. (1878-1917). Zwei Töchter und ein Sohn.
Gertrud von Möllendorff wurde 1882 in Hongkong geboren und verbrachte ihre Kindheit von 1886 bis 1896 in Manila, wo ihr Vater als deutscher Konsul tätig war. Die Familie übersiedelte dann nach Kowno [heute: Kaunas (Litauen)] und schließlich im Oktober 1901 nach Ffm.
Gertrud von Möllendorff entstammte einer Familie mit enger Verbindung zur Naturforschung. Schon der Großvater Heinrich Ludwig Friedrich Christian Georg von Möllendorff (1811-1861) hatte als Präsident der Naturforschenden Gesellschaft in Görlitz gewirkt. Der Vater Otto Franz von Möllendorff befasste sich insbesondere mit der Malakologie (Weichtierkunde). Die Mutter Anna von Möllendorff unterstützte die wissenschaftlichen Arbeiten ihres Mannes. Während der Jahre in China und auf den Philippinen gehörten das Sammeln und das Bestimmen von Mollusken, vor allem von Konchylien (Schalen von Weichtieren), zum Familienalltag. Nach der Übersiedlung nach Ffm. übernahm Otto von Möllendorff die Leitung der malakologischen Sektion der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, wodurch auch Gertrud mit dem wissenschaftlichen Umfeld der SNG in Berührung kam. Der Vater nahm sie oft zu seinen wissenschaftlichen Treffen mit, u. a. mit Wilhelm Kobelt, der bereits 1902 von „Trudes“ zeichnerischen Fortschritten berichtet und mehrere Tafeln erwähnt, die, von Gertrud von Möllendorff gezeichnet und von ihrer Mutter koloriert, zur Publikation gegeben wurden (Wilhelm Kobelt: Tagebücher. Bd. 8. ISG, S5/169, S. 276.)
Es ist daher anzunehmen, dass Gertrud von Möllendorff von klein auf eine umfassende naturwissenschaftliche Bildung erhielt, die die Grundlage für ihre späteren zeichnerischen Tätigkeiten bildete. Seit 1908 war sie beitragendes Mitglied der SNG. Ihre Arbeit blieb zunächst eng mit dem familiären Kontext verbunden. Sie fertigte weiterhin wissenschaftliche Illustrationen für die Arbeiten ihres (bereits 1903 verstorbenen) Vaters an und war maßgeblich an der Herausgabe seines aus dem Nachlass erschienenen Bands über Landmollusken in dem Werk „Reisen im Archipel der Philippinen. Theil 2: Wissenschaftliche Resultate“ (1914) beteiligt, den sie gemeinsam mit Wilhelm Kobelt zur Publikation brachte; alle Tafeln in diesem Band wurden von ihr gezeichnet.
Im Umfeld der SNG lernte Gertrud von Möllendorff auch Friedrich Wilhelm W. kennen, der der Gesellschaft seit 1900 als beitragendes Mitglied angehörte und seit 1905 in deren Verwaltung, später (seit 1915) als Erster Schriftführer, tätig war. Das Paar heiratete 1904 in Ffm. Bereits 1900 war Friedrich Wilhelm W. in die Leitung der von seinem Vater gegründeten lithografischen Anstalt und Druckerei „Werner & Winter“ eingetreten, die u. a. Plakate, wissenschaftliche Abhandlungen und die Zeitschrift „Natur und Museum“ für die SNG produzierte. In der Folge arbeitete Gertrud W., u. a. als Zeichnerin, in dem Druckereibetrieb mit.
Nach dem Tod ihres Mannes, der am 8.6.1917 im Kriegsdienst an der Westfront ums Leben kam, wurde Gertrud W. als wissenschaftliche Zeichnerin für die SNG tätig. Zunächst schuf sie für die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Gesellschaft (1918/19) den Buchschmuck und zahlreiche Federzeichnungen, die sie zum Andenken an ihren verstorbenen Mann stiftete. W.s Arbeiten kamen künftig sowohl in wissenschaftlichen Publikationen unterschiedlicher Fachrichtungen als auch im musealen Kontext des Senckenbergmuseums zur Verwendung. Sie fertigte beispielsweise sämtliche Illustrationen für Richard Kräusels Publikation zu Orchideen (1927) und nahezu alle Zeichnungen für Tilly Edingers Werk „Die fossilen Gehirne“ (1929) an. Auch etliche Titelseiten der Zeitschrift „Natur und Museum“ bzw. (ab 1934) „Natur und Volk“ sowie Tafeln für die Lehre wurden von W. gestaltet. Zusammen mit Elli Franz erneuerte sie Ende der 1930er Jahre die entomologische Schausammlung (Insektensammlung) mit ihren Aquarellzeichnungen und Beschriftungen. Auch über die SNG hinaus war W. wissenschaftlich tätig; so erstellte sie Insektentafeln für die Deutsche Gesellschaft für angewandte Entomologie, die zu ihrer fachlichen Bekanntheit beitrugen.
Mit einigen ihrer Kolleginnen verband W. über die berufliche Zusammenarbeit hinaus eine Freundschaft, insbesondere mit Elli Franz und Tilly Edinger. Am frühen Morgen des 10.11.1938, nach dem nationalsozialistischen Novemberpogrom, warnte W. ihre jüdische Kollegin Tilly Edinger telefonisch, sicherheitshalber nicht ins Senckenbergmuseum zurückzukehren, und W. war die Einzige, die Edinger heimlich besuchte, nachdem diese kurz darauf das Museum nicht mehr betreten durfte und deshalb ihre Mitarbeit aufgeben musste. 1944 gehörte W. zu dem kleinen Team, u. a. mit Margot Perl und Elli Franz, das durch monatelange Arbeit die Auslagerung der Sammlung aus dem Senckenbergmuseum ins Ffter Umland ermöglichte.
W. starb in der Silvesternacht von 1945 auf 1946 an einer Hirnblutung. In einem Nachruf werden Qualität und wissenschaftliche Bedeutung ihrer Arbeiten ausdrücklich gewürdigt: Jede ihrer Zeichnungen sei „ein kleines Kunstwerk“, das „auch dem unansehnlichen Gegenstand Reiz“ verleihe. So habe W. „in stillem Wirken, bescheiden hinter dem Werk zurücktretend, wesentlichen Anteil an der Arbeit und den Leistungen ‚Senckenbergs‘“. [Nachruf in: Natur und Volk 77 (1947), H. 1, S. 43.]
Nach W. ist die Landschnecke Cochlostyla (heute: Calocochlea) gertrudis (Möllendorff, Kobelt & Winter, 1912) benannt.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Luisa Kapp.

Lexika: Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 28 Bde. Berlin 1953-2024. Fortgesetzt ab 2020 als: NDB-online (www.deutsche-biographie.de/ndbonline).Zilch, Adolf: Moellendorff, Otto Franz. In: NDB 17 (1994), S. 631f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Über den Vater Otto Franz von Möllendorff: Richel, S. 391.
Literatur:
                        
Anzeiger für Schädlingskunde / Journal of pest science. [Titel bis 1968 auch: Nachrichtenblatt der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Entomologie.] Jg. 1-41 u. 72-76. Berlin u. a. 1925-44, 1948-68 u. 1999-2003. Zwischenzeitlich erschienen u. d. T.: Anzeiger für Schädlingskunde und Pflanzenschutz. Jg. 41-45. Berlin u. a. 1968-72. / Anzeiger für Schädlingskunde, Pflanzen- und Umweltschutz. Jg. 46-47. Berlin u. a. 1973-74. / Anzeiger für Schädlingskunde, Pflanzenschutz, Umweltschutz. Jg. 48-71. Berlin u. a. 1975-98.Nachruf in: Anzeiger f. Schädlingskunde 21 (1948), S. 15. | Archiv für Molluskenkunde. [Späterer Nebentitel: International Journal of Malacology.] Organ der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. Hg.: Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft (später: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung). Bisher Jahrgänge 52-151. Ffm. u. a. 1920-43 u. 1947-2022.Zilch, Adolf: Aus der Geschichte des Senckenberg-Museums, Nr. 13. Geschichte der malakologischen Sektion. In: Archiv f. Molluskenkunde 97 (1967), H. 1/6, S. 7-43. | Bericht über die [seit 1896: der] SNG in Ffm. Ffm. 1850-1921.Weitere Geschenke. In: Bericht d. SNG 48 (1918/19): Die Jahrhundertfeier der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Ffm. am 22. November 1917, S. 249-252, hier S. 250-252. | Bericht über die [seit 1896: der] SNG in Ffm. Ffm. 1850-1921.Liste der 22 enthaltenen Federzeichnungen von Gertrud Winter-von Moellendorff in dem Band: Bericht d. SNG 48 (1918/19): Die Jahrhundertfeier der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Ffm. am 22. November 1917, S. VIII. | Bericht über die [seit 1896: der] SNG in Ffm. Ffm. 1850-1921.Nachruf für Fritz Winter von E. Marx in: Bericht d. SNG 49 (1919), H. 1/2, S. 126-131. | Bericht über die [seit 1896: der] SNG in Ffm. Ffm. 1850-1921.Aus dem Museum. [Zur Anfertigung neuer Wandtafeln für Vorlesungszwecke.] In: Bericht d. SNG 53 (1923), H. 1, S. 48. | Edinger, Tilly: Die fossilen Gehirne. Berlin 1929.Edinger: Die fossilen Gehirne 1929, bes. S. 7. | Kohring, Rolf/Kreft, Gerald (Hg.): Tilly Edinger. Leben und Werk einer jüdischen Wissenschaftlerin. Stuttgart [Copyright 2003]. (Senckenberg-Buch 76).Kohring/Kreft (Hg.): Tilly Edinger 2003, S. 88f., 115, 149-152. | Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. 51 Jahrgänge. Ffm. 1868-1919.Nachruf für Otto Franz von Möllendorff von Wilhelm Kobelt in: Nachrichtsblatt d. Dt. Malakozoologischen Gesellschaft 35 (1903), H. 11/12, S. 161-167. | Natur und Museum. Untertitel bis 2004: Bericht der SNG; dann: Die Senckenberg-Naturzeitschrift. Jg. 52-63 u. 92-140. Ffm. 1922-33 u. 1962-2010.Kräusel, Richard: Orchideen. In: Natur u. Museum 57 (1927), H. 8, S. 353f. | Natur und Museum. Untertitel bis 2004: Bericht der SNG; dann: Die Senckenberg-Naturzeitschrift. Jg. 52-63 u. 92-140. Ffm. 1922-33 u. 1962-2010.Dienstjubiläum von Dr. Elli Franz. In: Natur u. Museum 92 (1962), H. 9, S. 348. | Natur und Volk. Bericht der SNG. Ffm. 1934-61.Bild „Rispengras“ von Gertrud Winter in: Natur u. Volk 70 (1940), H. 11, Titel. | Natur und Volk. Bericht der SNG. Ffm. 1934-61.Richter, Rudolf: Das Senckenberg-Museum: Schutt und Asche! In: Natur u. Volk 74 (1944), H. 5/6, S. 107. | Natur und Volk. Bericht der SNG. Ffm. 1934-61.Nachruf in: Natur u. Volk 77 (1947), H. 1, S. 43.
Quellen: ISG, Archiv der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 1511-2016.ISG, Archiv der SGN, Best. V176 Nr. 347 (Herausgabe der „Abhandlungen der SNG“, Bd. 4: Erstellung von Bildtafeln durch die Firma „Werner & Winter“, 1902-12). | ISG, Bestand Chroniken mit chronikalischen Schriften aller Art (Zeugenschrifttum wie Annalen, Tagebücher, Erlebnisberichte, Memoiren, Denkschriften), 1034-heute; erschlossen über Archivdatenbank.Kobelt, Wilhelm: Tagebücher. Bd. 8: 5.2.1900 bis 25.10.1902. ISG, Chroniken, S5/169, S. 276. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Friedrich Wilhelm Winter, Ffm., 21.6.1904: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch, Bestand STA 11/336: Standesamt Ffm. II, Heiratsurkunde 1904/II/147 (Bd. 1, Bl. 148). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.598.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_und_Winter
Hinweis: Artikel über die Fa. Werner und Winter.
Wikipedia, 9.4.2026.


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Empfohlene Zitierweise: Kapp, Luisa: Winter (auch: Winter-von Möllendorff), Gertrud. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14504

Stand des Artikels: 9.4.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2026.