Vömel, Gottfried

Vömel, Viktor Gottfried. Chemiker. Fotograf. * 20.4.1879 Ffm., † 3.11.1959 Oberursel/Taunus.
V. entstammte großbürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater war der Geheime Sanitätsrat Carl Heinrich V. (1842-1917), der sich 1868 als Frauenarzt in Ffm. niedergelassen hatte. V.s Mutter Marie, geb. Scharff-Osterrieth, kam aus einer Alt-Ffter Familie. Die enge Bindung an das stark christlich geprägte Elternhaus und die zahlreichen Geschwister waren für V., der zeitlebens ledig blieb, bestimmend.
Besuch der Liebfrauenschule und der Hassel’schen Lehr- und Erziehungsanstalt. Chemiestudium in Marburg. 1908 Übernahme einer Firma für chirurgisches Nahtmaterial. 1922 Übergabe der Geschäftsleitung an seinen jüngeren Bruder Julius V. Als wirtschaftlich unabhängiger Rentier widmete sich V. fortan ganz der Fotografie. Das technische Fachwissen dazu hatte er bereits während seines Studiums erworben. Obwohl V. seine Familie und die Ffter Gesellschaft in zahlreichen Fotoserien festhielt, galt sein besonderes Interesse der Entwicklung des Ffter Stadtbilds. Seine von der Jahrhundertwende bis in den Zweiten Weltkrieg entstandenen Aufnahmen sind von großem dokumentarischem Wert und hoher technischer Qualität, wenngleich V. mit seinen Abbildungen keine ästhetischen Ambitionen wie etwa Paul Wolff verband. V.s Darstellungsweise blieb sachlich-konservativ. Seine Fotografien dokumentieren Straßenzüge, Plätze, einzelne Gebäude, Straßenleben und besondere Zeitereignisse (u. a. XI. Deutsches Turnfest, 1908, Einweihung der neuen Alten Brücke, 1926, und Demontage des Friedrich-Ebert-Denkmals an der Paulskirche, April 1933). Sein stadttopografisch orientiertes Schaffen führte ihn in den Zwanzigerjahren mit dem Kunsthistoriker und „Altstadtvater” Fried Lübbecke zusammen. Während der Abriss- und Sanierungsmaßnahmen in der Ffter Altstadt (vor allem in den Dreißigerjahren) hielt V. alle Gebäude, die renoviert, umgebaut oder abgerissen wurden, sowie den Zustand nach den Sanierungsmaßnahmen fotografisch fest. Diese mehrere Tausend Aufnahmen umfassende Dokumentation ging im Zweiten Weltkrieg verloren. 1935 zog V. nach Kronberg/Taunus, und seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Bad Homburg.
An die Öffentlichkeit drang V.s fotografisches Schaffen kaum. Lediglich in dem 1924 erschienenen Bildband „Das schöne Gesicht von Ffm.” sind einige wenige Aufnahmen von V. enthalten. Erst seit den 1970er Jahren findet V.s Lebenswerk verstärkt Beachtung.
1975 erwarb das Ffter Stadtarchiv V.s umfangreichen Foto-Nachlass. Unter den rund 6.000 Negativplatten befinden sich auch einige Arbeiten älterer Ffter Fotografen (u. a. von Carl Friedrich Mylius).
1976 und 1992 war V.s Schaffen Gegenstand von Fotoausstellungen in Ffm. 1992 brachte Wolfgang Klötzer den Bildband „Ffm. 1900-1943 in Fotografien von Gottfried V.” heraus.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 514, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Klötzer, Wolfgang (Hg.): Ffm. 1900-1943 in Fotografien von Gottfried Vömel. München 1992.Klötzer (Hg.): Ffm. in Fotografien von Gottfried Vömel 1992.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/14.694.

GND: 119083345 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Vömel, Gottfried. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1603

Stand des Artikels: 29.6.1995